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Projekt Zukunft

Dazu: Wie kann man die Klimatisierung der Städte der Zukunft verbessern?

Projekt Zukunft spricht mit Prof. Cubasch darüber, wie man die Klimatisierung der Städte der Zukunft verbessern kann. Außerdem geht es darum, wie Bauwerke in Zukunfts Energie sparen können mit cleverer Technik.

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DW: Sie sind Meteorologe und übrigens auch Mitglied des Weltklimarates. Sie haben 2007 den Nobelpreis bekommen. Als Meteorologe schaut man ja gerne in die Zukunft. Man macht Vorhersagen. Sagen sie mal voraus, ob man in 20 Jahren noch Häuser bauen wird, die Energie verbrauchen?

Ulrich Cubasch: Vielleicht. Die Tendenz in Europa ist natürlich, dass man versucht, die Häuser so zu bauen, dass sie Null-Energie Häuser sind, oder in Südeuropa sogar Energie zurück geben. Ob das weltweit gelingt, das bezweifle ich.

Nun sind Sie eben kein Architekt und können sozusagen uns nicht viel darüber erzählen, wie man ökologisch baut. Aber Sie können uns erzählen, wie man Städte gestalten muss, um sie so zu haben, dass insgesamt weniger Energie verbraucht wird. Welche Herausforderung steht da vor Ihnen, was ist da überhaupt möglich?

Die Städte möchten wir natürlich so planen, dass die Leute dort gerne leben. Dass  sich beispielsweise nicht im Sommer so ein Wärmestau bildet, oder dass sich die ganze Luftverschmutzung darin sammelt. Und man kann dann – da kommen die Meteorologen ins Spiel – berechnen: wie  gehen die Strömungen durch die Stadt, wie gehen die optimal durch? Und man kann natürlich dann auch berechnen, wo  man vielleicht die Wärme herholen kann, um die Häuser zu heizen und dann wieder so raus pusten, dass sie keinen Anderen stören.

Und wenn sie den Anteil vergleichen, der erreicht werden kann beim Energiesparen, gegenüber dem, was die Architekten machen. Ist ihr Anteil da groß?
 

Ja, durchaus. Das ist ein Wechselspiel. Die Architekten müssen sehen, dass die Häuser so entworfen werden, dass sich da kein Wärmestau bildet. Und wir geben dann vor bei bestimmten Wetterlagen, wie sich die Strömungen um die Häuser zum Beispiel entwickeln.


Sie sind beteiligt an einem Projekt, das eine Vorstadt von Teheran plant. Welche Ihrer Ideen können sie denn da konkret umsetzen?

Es wird wirklich ausprobiert und das machen wir mit Computermodellen. Wie müssen wir die ganze Stadt entwerfen, wie müssen die Straßen aussehen, die Parks, sodass da wirklich ein lebenswertes Klima entsteht? Und wie kann man auch das Ganze optimieren, dass man möglichst wenig Energie verbraucht?

Nun haben die Städtebauer von früher ja eigentlich diese Prinzipien schon gekannt. Warum hat man das eigentlich vergessen, vernachlässigt?

Man hatte also früher in diesen alten Städten oder alten Innenstädten, jede Altstadt hier in Deutschland oder auch im arabischen Raum so gebaut, dass sie möglichst wenig Energie verbraucht haben. Gleichzeitig hat man so moderne Sachen wie Kanalisation, Versorgung mit Strom und Internet damals nicht gekannt und auch Autos gab es nicht. Also die Straßen müssen heutzutage breiter sein, als sie damals waren. Und dann gibt es neue Materialien, also Beton ist dazu gekommen und heutzutage kann man ihn in jede Form gießen. Das ist für die Leute praktischer, als wenn sie jetzt erstmal mit einem Fachwerkbau anfangen.

Und deswegen sehen eigentlich die Häuser und die Vorstädte auf der ganzen Welt gleich aus. Das ist eine Folge davon?

Das ist eine Folge. Wahrscheinlich gibt es auch Architekturschulen, die bestimmte Vorgaben machen. Es wurde schon durchdacht in den zwanziger Jahren, wie so eine moderne Stadt aussehen soll, wo wir uns heute ja nur noch vor grausen.

Eine kleine Schlussfrage: Was passiert eigentlich mit dem Geld des Nobelpreises von 2007?

Ja, das dürfen wir leider nicht selber behalten, sondern das ist in eine Stiftung geflossen, mit der unterstützen wir Leute aus Entwicklungsländern, um Forschung zu betreiben und an Sitzungen teilzunehmen vom Weltklimarat.

(Interview: Ingolf Baur)