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Projekt Zukunft

Dazu Studiogast: Dr. Armin Werner, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)

"Es gibt keine ideale Landwirtschaft. Es gibt immer Lösungen, die Schrittweise uns dahin führen, dass es bessere Nutzungen gibt für hohe Produktivität aber auch bessere Umweltwirkungen."

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DW-TV: Herr Werner, sie arbeiten daran, wie man Land nachhaltig und umweltverträglich nutzen kann. Gibt es denn eine Art Rezept, wie man Erosion verhindern kann?

Armin Werner: Man kann verschieden Schritte wählen, wie man den Boden selber zum Beispiel mit Pflanzen davor schützt, dass er abgetragen wird durch Wind oder durch Wasser. Ein Weg ist zum Beispiel - ganz wichtig – den Boden immer mit Pflanzenmaterial bedeckt zu haben. Ob das nun lebendes Material einer ganzen Pflanze ist, die noch wächst, oder auch totes Material, Stroh oder andere Pflanzenreste, die aus den letzten Ernten noch liegen geblieben sind. Alle diese Materialien und die Pflanze selber schützt den Boden. Dann kann man auch zusätzlich Hecken gerade gegen Winderosion anbauen, die die Windgeschwindigkeit am Boden verringert. Man kann versuchen, die Reihen der Kulturpflanzen so zu legen, dass sie praktisch quer zur Hauptwindrichtung liegen und damit die Rauhigkeit des Bodens erhöht, damit der Wind langsamer wird. Und man kann natürlich darauf achten, dass man den Boden nicht zu sehr austrocknet bevor man Bodenbearbeitung macht. Denn sobald ich ganz trockenen Boden habe, ihn bearbeite, entsteht sehr viel Feinmaterial, was dann bei dem nächsten Wind verblasen werden kann.

DW-TV: Das ist offensichtlich ideale Landwirtschaft, die sie da beschrieben haben.

Armin Werner: Es gibt keine ideale Landwirtschaft. Es gibt immer Lösungen, die Schrittweise uns dahin führen, dass es bessere Nutzungen gibt für hohe Produktivität aber auch bessere Umweltwirkungen.

DW-TV: Ein großes Problem ist ja, dass Menschen Landwirtschaft in Gegenden betreiben, die eigentlich rote Zone sind, also wo wirklich Bodenerosion statt findet. Aber was sollen die denn tun, wohin sollen die denn gehen – die haben ja häufig gar keine Alternative oder?

Armin Werner: Wir können die natürlich nicht verlagern durch umsiedeln. Aber wir können ihnen Angebote machen wie sie zum Beispiel bessere Bodenbedeckung hinbekommen. Das Beispiel hatte ich am Anfang gesagt. Deutschland hat zum Beispiel in den 70er Jahren sehr viel dazu beigetragen, dass in Südamerika Bodenerosion durch Wasser, durch neue Verfahren der Bodenbedeckung mit einjährigen Kulturpflanzen, als sogenannter Mulch gegen Bodenerosion sehr stark gewirkt hat. Die Erosion, die in Südamerika, in Brasilien, in den 70er Jahren stattgefunden hat, ist praktisch komplett reduziert worden durch Verfahren, die in dieser Zeit entwickelt wurden. Und es gibt weitere Möglichkeiten in der Zukunft und jetzt schon.

DW-TV: Man könnte ja auch den ausgelaugten Boden düngen, oder eben woanders ein anderes Feld machen.

Armin Werner: Die Möglichkeit hat natürlich ein einfacher Landwirt nicht. Der kleine Landwirt muss eben schauen, dass er mit der Fruchtbarkeit des Bodens leben kann. Er wird nicht einfach Dünger kaufen können. Aber auch der Boden, wenn er abgetragen ist - was da übrig bleibt - ist eher toter Boden, Unterboden, der mit sehr viel Nährstoffen erst aufgedüngt werden müsste. Und häufig ist es so, dass der Boden komplett bis zur Gesteinsschicht abgeblasen werden kann oder weggespült wird. Und dann kann ich auch gar nichts mehr anbauen. Also, der Boden ist das wichtigste Gut des Landwirtes. Er wird es schützen.

DW-TV: Wie kann man denn weltweit den Schwund an fruchtbaren Boden verhindern?

Armin Werner: Indem man wahrscheinlich die Ernährung der Menschen ändert. Indem man nicht mehr soviel eiweißreiche Frucht isst, oder Fleisch zum Beispiel. Wenn Sie sich anschauen was in Südamerika in den letzten Jahrzehnten passiert ist, in Argentinien, Brasilien. Es gibt Immer mehr Soja-Anbau in Gegenden, wo früher gar kein Anbau statt fand. Weiden wurden umgebrochen in den letzten Jahren, um zum Beispiel in Argentinien mehr Soja anzubauen. Und das führt dort zu Erosion, weil es auch gar nicht unbedingt Landwirte sind, die das machen, sondern eher Investoren. Wir leisten auch schon mit unserem Verhalten hier in Europa oder weltweit einen Beitrag in der Form, wie die Landwirtschaft dort betrieben wird, weil wir darauf angewiesen sind, billiges Fleisch uns leisten zu können. Und wenn wir das gemeinsam – das muss international natürlich abgestimmt werden – verändern wollen, braucht man Mut, um diese Dinge zu verändern.

DW-TV: Es liegt auch in unserer Verantwortung. Herzlichen Dank für ein hoch interessantes Gespräch, Armin Werner.