Dax fällt weiter | Wirtschaft | DW | 06.02.2018
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Wirtschaft

Dax fällt weiter

Die Aktienkurse an der Frankfurter Börse haben am Dienstag weiter nachgegeben. Der Dax fiel auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten. Zu den Gründen gehört die Angst vor steigenden Zinsen in den USA.

Die Angst vor einem Ende der Versorgung mit billigem Notenbankgeld bereitet den Anlegern am europäischen Aktienmarkt zunehmend  Kopfzerbrechen. Vielen saß am Dienstag der Schrecken über einen fast fünfprozentigen Absturz an der Wall Street in den Gliedern.

"Die Volatilität ist wieder an die Märkte zurückgekehrt", sagte ein Händler. Die Schwankungsbreite der Indizes war deutlich höher als zuletzt.

Bei ungewöhnlich hohem Umsatz ging der Deutsche Aktienindex (Dax) mit einem Minus von 2,3 Prozent bei einem Fünf-Monats-Tief von 12.392 Zählern aus dem Handel. Seit seinem Rekordhoch vor zwei Wochen hat der Dax fast neun Prozent eingebüßt.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 2,4 Prozent auf 3394 Punkte. Auch in Paris und in London standen die Kurse stark unter Druck.

Die Nervosität hatte zuvor auch die internationalen Börsen erfasst. In Japan sackte der Nikkei-Index für 225 führende Werte am Dienstag in den ersten 15 Handelsminuten um fast 1000 Punkte ab. Auch in China, Hongkong und Australien gab es deutliche Kursverluste.

Angst vor steigenden Zinsen

Als Auslöser der Verkaufswellen machten Börsianer Spekulationen auf schneller steigende Zinsen in den USA aus. Denn in der weltgrößten Volkswirtschaft brummt die Wirtschaft, am Arbeitsmarkt läuft es rund, und die Löhne stiegen im Januar so stark an wie seit Mitte 2009 nicht mehr. Letzteres hatte schon am Freitag die Anleger beunruhigt.

Fed-Notenbank James Bullard warnte die Anleger nun vor voreiligen Schlüssen. Tendenziell locken höhere Renditen die Anleger von Aktien in Staatsanleihen.

Die Frage sei nun, ob der Kurssturz der Beginn einer größeren Korrektur sei oder nur ein temporäres Stimmungstief, sagte Marktanalyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "Wenn Anleger auf das Gewinnwachstum und die Grundlagen der Weltwirtschaft schauen, gibt es Grund zum Optimismus."

Welche Rolle spielt das Algo-Trading?

Doch taugt die Angst vor steigenden Zinsen in den USA als alleinige Erklärung für den Absturz? "Natürlich werden bei diesem Kollaps wieder viele Fragen zum automatisierten Handel aufgeworfen", sagt Craig Erlam vom Online-Broker Oanda.

Ein Großteil der Finanzmärkte ist inzwischen durch Computer-Programme gesteuert und quasi auf Autopilot. Werden bestimmte Kursmarken durchbrochen, werfen die "Algo-Trader" weitere Papiere auf den Markt und verstärken so den Kursverfall. Das "Flash Crash" genannte Phänomen sieht Erlam auch diesmal am Werk.

Die Deutsche Bank empfahl Anlegern, die Füße still zu halten. "Ich gehe zwar davon aus, dass die wichtigsten Aktienindizes am Jahresende höher stehen werden als heute", erläuterte Chef-Anlagestratege Ulrich Stephan. "Die Schwankungsbreite dürfte jedoch hoch bleiben."

Mit einer Korrektur haben viele Experten zwar schon länger gerechnet. Allerdings waren Anleger zuletzt von den geringen Schwankungen an den Aktienmärkten verwöhnt gewesen.

Seit Anfang 2009 ist der Dow Jones mit nur kleinen Unterbrechungen auf dem Weg nach oben - bis auf 26.616 Punkte Ende Januar. Vor allem seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten scheint die Wall Street eine Einbahnstraße nach oben zu sein.

Frankfurter Bankenwerte unter Druck

Anleger in den USA setzten vor allem auf die Steuersenkungen, die Trump inzwischen für die Unternehmen durchgesetzt hat. Auch nach dem Kursrutsch vom Montag liegt der S&P500 mehr als 20 Prozent höher als vor dem Wahlsieg Trumps im November 2016. "Gewinnmitnahmen sind da durchaus angemessen und längst überfällig", sagte ein Händler.

In Frankfurt gingen die Verluste am Dienstag quer durch alle Sektoren. Besonders hart traf es im Dax wieder die Finanzwerte. Deutsche Bank und Commerzbank verloren 3,6 und 4,5 Prozent.

Schlusslicht waren allerdings Münchener Rück mit einem Abschlag von 5,3 Prozent. Die Anleger waren über einen Gewinneinbruch des weltweit größten Rückversicherers enttäuscht. Finanzvorstand Jörg Schneider reagierte allerdings gelassen: Mit Blick auf die Kursverluste weltweit sprach er von einer Einstiegs-Gelegenheit.

bea/jj (reuters, dpa)

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