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Wirtschaft

Dax erstmals über 11.000 Punkten

Erstmals in seiner Geschichte hat der Frankfurter Börsenindex Dax die Marke von 11.000 Punkten überschritten. Angesichts der akuellen Niedrigzinsen gibt es für Anleger kaum Alternativen zur Börse.

In seiner 27-jährigen Geschichte stand der Deutsche Aktienindex Dax noch nie so hoch: Im frühen Handel am Freitag stieg er bis auf 11.013 Punkte, bevor er wieder etwas nachgab. Seit Anfang Januar hat der Leitindex damit mehr als 17 Prozent zugelegt.

Die Einigung auf eine Waffenruhe in der Ostukraine und nicht abebbende Hoffnungen auf eine rechtzeitige Lösung für Griechenland hätten dem Dax den entscheidenden Schub für den großen Sprung gegeben, sagte Markus Huber vom Londoner Wertpapierhändler Peregrine & Black.

Hinzu kamen positive Vorgaben der Börsen in Übersee. An der Wall Street hatte der Dow-Jones-Index auf einem neuen Hoch im laufenden Jahr geschlossen. Auch frische Wirtschaftsdaten hätten zum neuen Rekord beigetragen. Sie hätten gezeigt, dass die deutsche Wirtschaft zum Jahresende hin wieder Fahrt aufgenommen habe.

Aktien alternativlos?

"Die Notenbanken fluten die Kapitalmärkte weltweit mit billigem Geld. Zur Aktienanlage gibt es derzeit keine Alternative, so dass die Börsen von einem Rekord zum nächsten laufen", erklärte Portfoliomanager Ludwig Donnert von Orca Capital.

Denn mit klassischen Schuldpapieren wie Staatsanleihen lässt sich wegen der mageren Zinsen kaum noch etwas verdienen - ebenso wenig wie mit Sparbuch und Tagesgeldkonto. Vielen Anlegern bleibt da nichts anderes übrig, als ihr gebunkertes Geld in die riskanteren Aktien zu stecken. Die hohe Nachfrage wiederum treibt die Kurse.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Mitte Januar mit einer billionenschweren Geldspritze die Börsen euphorisiert und damit nochmal Treibstoff in die Kursrally geschüttet.

Ein weiterer Anstieg des deutschen Leitindex Dax in den Bereich von 11.500 Punkte sei ebenso möglich wie eine kräftige Korrektur auf 10.500 Punkte, sagt Christoph Geyer von der Commerzbank.

Er sieht momentan zwar keinen Grund, warum es abwärts gehen sollte, doch bereitet ihm die Sorglosigkeit der Marktteilnehmer etwas Kopfzerbrechen. "Je länger der korrekturlose Anstieg dauert, umso heftiger dürfte ein Rückschlag dann ausfallen."

Zeichen einer Überhitzung

Deshalb wächst bei einigen Beobachtern die Sorge vor einer Blase. "Die Rallye nimmt in ihrer Dynamik langsam verrückte Formen an", meint Daniel Saurenz von Feingold-Research. Der Dax ist für ihn mittlerweile deutlich überhitzt.

Die Unternehmensgewinne in Europa müssten kräftig zulegen, um mit der Kursentwicklung Stand zu halten, sagt auch Sarah Brylewski vom Handelshaus Ayondo. Störfeuer könnten in diesem Jahr womöglich aus Asien kommen, wo das Wachstum merklich abkühle. Das könnte den Dax abstürzen lassen.

"Das Konjunkturumfeld ist nicht normal", schreibt Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. "Dies gilt auch mit Blick auf das Konjunktur-Doping durch Niedrigzinsen, Rohölpreisrückgang und Euro-Abschwächung, ohne das die Wirtschaftsaktivität schwächer ausfiele", so Krüger.

Beträchtliche Risiken

"Die Absatzrisiken für die Wirtschaft sind beträchtlich", sagt auch Simon Junker vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Erholung im Euroraum bleibe fragil, die politische Unsicherheit habe im Zuge der Debatte um den Verbleib Griechenlands im Währungsraum erheblich zugenommen. "Das alles beeinträchtigt die Investitionsfreude der Unternehmen", sagt Junker.

Insgesamt bleibt der Ausblick für die deutsche Wirtschaft aber positiv, reihenweise erhöhten Volkswirte ihre Prognosen für 2015. Nach der Stagnation im Sommer hat Deutschland seine Rolle als Konjunkturlokomotive Europas wieder eingenommen. Und weil die hiesige Wirtschaft Fahrt aufnimmt und die Verbraucher kauflustig sind wie lange nicht, steigen auch die Importe.

"Für die schuldengeplagten Länder des Euroraumes ist die gute Botschaft, dass Deutschland auch wesentlich mehr importierte", erklärt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe: "Die deutsche Volkswirtschaft kommt also gewissermaßen ihrer europäischen Pflicht nach und schiebt auch das Wachstum in den benachbarten Ländern mit an."

bea/zdh (dpa, afp)

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