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Wirtschaft

Davos: Schäuble kommt, Lagarde soll bleiben

Davos ist für die Mächtigen der Welt in diesen Tagen einer der wichtigen Schauplätze. Das gilt für Bundesfinanzminister Schäuble ebenso wie für IWF-Chefin Lagarde, die um ihren Job kämpft. Berlin legt sich nun fest.

Für die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Französin Christine Lagarde (Artikelbild), ist der Auftritt von Wolfgang Schäuble auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos von besonderem Interesse. Denn was die Deutschen sagen, kann auch karrierefördernd sein. Doch dazu später - Schäuble stellte ohnehin die brennenden Themen Flüchtlinge und Syrien in den Mittelpunkt seiner Ausführungen.

"Was dort schiefgeht, landet in Europa"

Für eine effektive Eindämmung der Massenflucht nach Europa müsste nach Worten des CDU-Politikers erheblich mehr Geld zur Versorgung von Kriegsflüchtlingen in Syriens Nachbarländern bereitgestellt werden. Dies werde Europa zwar etliche Milliarden mehr als bisher kosten, aber es sei dringend nötig, sagte Schäuble in Davos. Denn die Krisen und Konflikte in Afrika und im Nahen Osten seien auch ein europäisches Problem. "Was dort schiefgeht, landet nicht in den USA oder in Australien, es landet in Europa." Es wäre eine Schande, "wenn wir Europa zu einer Festung machen", betonte Schäuble.

Davos Weltwirtschaftsforum 2016: Wolfgang Schäuble

Schäuble in Davos

Der Streit in der EU über Verteilungsmechanismen für Flüchtlinge habe sich als fruchtlos erwiesen. Deshalb plädiere er für eine "Koalition der Willigen" - wer Geld geben könne zur Versorgung von Flüchtlingen in deren Region, der solle dies tun. Deutschland habe dafür derzeit mehr finanziellen Spielraum. "Ich werbe in meinem Land dafür, dass wir alles, was wir an Spielraum haben, mit anderen Europäern zusammen in die Region investieren", sagte der Minister.

"Umsichtige Krisenmanagerin"

Und dann kamen doch die Hinweise, auf die Christine Lagarde möglicherweise gewartet hat. Die Bundesregierung unterstütze eine erneute Kandidatur der Französin als IWF-Direktorin, hieß es. Lagarde sei in den schwierigen Zeiten nach der Finanzkrise eine "umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin" gewesen und habe "ganz wesentlich" zu dem hohen Ansehen des IWF beigetragen, erklärte das Ministerium von Finanzminister Schäuble.

Auch der britische Finanzminister George Osborne erklärte seine Unterstützung; er lobte Lagarde als "außergewöhnliche Führungspersönlichkeit mit Visionen und Scharfsinn". Sie sei in der Lage, die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren zu steuern.

Der IWF in Washington eröffnet nun offiziell das Rennen um den Spitzenposten. Bis zum 10. Februar könnten sich Bewerber melden; der Verwaltungsrat will sich bis zum 3. März dann auf einen Kandidaten geeinigt haben.

Logo Zentrale IWF in Washington

Weiter eine Französin an der Spitze?

Lagardes Amtszeit läuft Ende Juli aus. Dass sie weitermachen will, ist bekannt. In ihrer Heimat Frankreich allerdings droht der stets elegant auftretenden Spitzenfrau wegen einer acht Jahre zurückliegenden Finanzaffäre - in ihrer Zeit als Wirtschafts- und Finanzministerin - ein Prozess. Die Zeitung "Canard Enchaîné" berichtete am Mittwoch, Paris erwäge daher, sich für eine Kandidatur von Tidjane Thiam einzusetzen, der die Staatsbürgerschaften der Elfenbeinküste und Frankreichs hat und derzeit Chef der Schweizer Großbank Credit Suisse ist. Für Lagarde wäre das ein Schlag ins Gesicht. Thiam allerdings sagte dem US-Sender CNBC, er sei "sehr konzentriert" auf seine Aufgabe bei der Credit Suisse. Aber immerhin: Thiam wurde auch in Davos gesichtet.

Lagarde soll in Frankreich wegen einer umstrittenen Millionen-Entschädigungszahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie vor Gericht gestellt werden. Sie war in der Affäre im August 2014 formell beschuldigt worden. Die Ermittler werfen ihr Nachlässigkeit im Umgang mit öffentlichen Geldern vor. Lagarde kündigte Rechtsmittel an, während der IWF ihr sein Vertrauen aussprach.

ml/se (dpa,rtr,afp)