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Wirtschaft

Davos: Ein Dorf empfängt die Welt

In Davos treffen sich ab Mittwoch alle, die in Wirtschaft und Politik Rang und Namen haben. Doch was passiert, wenn ein kleiner Ort so viele wichtige Menschen aufnehmen muss? Manuela Kasper-Claridge berichtet.

Eines ist auch in diesem Jahr sicher: in Davos liegt Schnee. Ebenso sicher ist, dass es für die Zeit des Weltwirtschaftsforums (WEF) schon lange keine Hotelzimmer mehr gibt, auch nicht in den umliegenden und weiter entfernten Orten. Teilnehmer, die frühzeitig eine muffige Ferienwohnung im Stil der 60-iger Jahre gefunden haben, können sich glücklich schätzen. Überbelegte Ein-Zimmer-Wohnungen sind die Regel.

Neben den 78 eher mittelgroßen Hotels gibt es 9300 Betten in Ferienwohnungen und 2648 Betten in Lagern und Jugendherbergen – allerdings zu Spitzenpreisen. Ein winziges Zimmer in einem ehemaligen Hospital kann schnell 300 Euro kosten, bei einer Mindestmietdauer von sieben Tagen.

Das Fremdenverkehrsamt wirbt dennoch mit Superlativen. Schließlich liegt Davos in 1560 Metern Höhe, umgeben von grandiosen Berggipfeln, der Ort ist "die höchste Stadt der Alpen" und ein "Ferienort mit internationalem Ambiente und breitem Beherbergungsangebot".

Als Austragungsort für das Weltwirtschaftsforum aber ist die Stadt viel zu klein. Vielleicht macht gerade das den Charme des Treffens aus. Denn wer einmal hier ist, kommt nicht so schnell wieder weg. Die Fahrt zum Flughafen Zürich dauert im günstigsten Fall zwei Stunden, zum Teil über rutschige Bergstraßen. Schneeketten müssen mitgeführt werden. Die Alternative mit der Rhätischen Bahn ist auch nicht so richtig praktisch.

Museum macht Kasse

Schweiz Weltwirtschaftsforum in Davos 2015 Klaus Schwab

Klaus Schwab, der "Erfinder" des Weltwirtschaftsforums

Also bleibt man im Ort, und die Davoser vermieten jeden verfügbaren Quadratmeter. Das kleine, zentral gelegene Ernst Ludwig Kirchner Museum zeigt eigentlich grafische Werke des Künstlers. Vom 16. bis 26. Januar aber ist es geschlossen, denn die Räume sind anderweitig vergeben.

"Wir könnten unsere Räumlichkeiten während des WEF jeden Tag doppelt und dreifach vermieten", erzählt Dolores Mark, PR-Leiterin des Museums. An wen, will sie nicht verraten, nur, dass während der WEF-Woche sechs verschiedene Unternehmen im Museum zu Gast sind.

"Einige von ihnen haben Räumlichkeiten wie die Ausstellungssäle für Meetings gemietet. Andere veranstalten abends große Cocktail Partys oder Dinners mit geladenen Gästen", sagt Mark.

Die Höhe der Umsätze bleibt vertraulich. Nur soviel: "Da wir ein privates Museum sind, ist die Vermietung der Räumlichkeiten von großer Bedeutung. Wir können auf diese Weise für das Museum wichtige Einnahmen generieren."

Polizei und Armee

Schweiz World Economic Forum 2014 Gebäude Logo Mann

Das Logo ist überall im Ort präsent

Die Logistik ist eine der großen Herausforderungen des Weltwirtschaftsforums in Davos. Denn neben den offiziellen Teilnehmern reisen auch zahlreiche Medienvertreter, Sicherheitspersonal und zusätzliche Mitarbeiter der Hotels und der Gastro-Betriebe an. Alle müssen untergebracht und gleichzeitig die Sicherheit der hochkarätigen Teilnehmer garantiert werden.

Verantwortlich dafür ist die Kantonspolizei Graubünden. Ihr Sprecher, Thomas Hobi, will nicht sagen, wie viele Sicherheitskräfte im Einsatz sind. Doch woher sie kommen, ist kein Geheimnis: "Die gesamte Mannschaft setzt sich zusammen aus Polizeieinheiten aus dem gesamten Schweizer Landesgebiet", so Hobi.

"Alle Polizei-Corps, inklusive dem des Fürstentums Liechtenstein, schicken Teile ihrer Einsatzkräfte nach Davos. Darüber hinaus sind der Kantonspolizei etwa 3000 Angehörige der Schweizer Armee unterstellt."

Die Soldaten überwachen das gesamte Gelände. "Das ist in vier Sicherheitszonen eingeteilt, in die nur reinkommt, wer akkreditiert ist", sagt Hobi.

Doch auch die akkreditierten Teilnehmer müssen sich immer wieder Sicherheitschecks unterziehen. Vor dem Betreten des Kongresszentrums wird kontrolliert wie am Flughafen, alle Taschen werden durchleuchtet, Sicherheitsschleusen müssen passiert werden.

Da sieht man dann milliardenschwere Hedgefonds-Manager neben Ministern geduldig in der Warteschlange stehen. Der Davoser Bürger muss meist draußen bleiben und zum Teil erhebliche Umwege in Kauf nehmen, denn Teile des Ortskerns sind abgesperrt.

Auswirkungen des Terroranschlags

WEF Davos 2015

Sicherheit wird groß geschrieben

Der Terroranschlag in Paris ändere nichts an den Sicherheitsvorkehrungen in Davos, betont der Sprecher der Kantonspolizei. Die Sicherheitsstufe sei während des Weltwirtschaftsforums immer erhöht. Natürlich werde auch auf Informationen der Nachrichtendienste zurückgegriffen.

"Seit Jahren gibt es konkrete Notfallpläne, wie auf Verkehrsbehinderungen, aber auch auf Attentate schnell reagiert wird", sagt Hobi. "Diese Pläne werden jetzt nicht über den Haufen geworfen." Die überschaubare Größe des Veranstaltungsortes ist dabei sicher vor Vorteil. Der Zugang zur Stadt und die Ausfahrt können blitzschnell abgesperrt werden.

Die Davoser erwarten entspannt die vielen tausend Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums und freuen sich über das Geschäft. Wochenlang wurde umgebaut und renoviert. Am kleinen Panorama Hotel steht jetzt auf der Garage ein riesiges Zelt mit Stahlkonstruktion.

Das bietet Platz für 300 Gäste und kann nach deren Wünschen als Restaurant, Bar oder Diskothek eingerichtet werden. Immerhin: Das "bezaubernde Berg-Panorama“ gibt es gratis.

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