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Wirtschaft

Davos als Bühne für Sarkozy

Großer Auftritt für Nicolas Sarkozy: In Davos legte Frankreichs Präsident einen Plan für die Welt im 21. Jahrhundert vor. Und gab sich als leidenschaftlicher Kämpfer für den Euro.

Nicolas Sarkozy in Davos 2011 (Foto: AP)

Der Retter der Welt? Nicolas Sarkozy in Davos

Vor einem Jahr, beim Weltwirtschaftsforum 2010, war es Nicolas Sarkozy, der die Eröffnungsrede hielt. Das war in diesem Jahr seinem russischen Amtskollegen Dmitri Medwedew vorbehalten. Am zweiten Tag (27.01.2011) des Davoser Treffens aber war es soweit: Da hatte der Mann aus dem Elysee-Palast die Weltbühne für sich. Viel Neues konnte man nicht erwarten. Schließlich hatte Sarkozy, der in diesem Jahr den Vorsitz der Gruppe der 20 wichtigsten Volkswirtschaften innehat, seine Pläne schon Montag in Paris vorgestellt. Aber immerhin: In Davos lauschten ihm viele Hundert Top-Manager und Politiker aus aller Welt – eine gute Gelegenheit, zum großen Rundumschlag auszuholen.

Kampf gegen Spekulanten

Rohstoffhändler an der Börse von Chicago (Foto: AP)

Die Schuldigen? Rohstoffhändler an der Börse von Chicago

In den Mittelpunkt der G20-Präsidentschaft will Sarkozy den Kampf gegen die Rohstoff-Spekulation stellen. Die hohen Preise, ob für Öl oder Getreide, würden die Inflation befeuern – und das mache die Welt gefährlicher. Daher fordert der Franzose mehr Transparenz der Märkte: Ein Vorhaben allerdings, an dem sich schon die G8 die Zähne ausgebissen haben. Davon freilich lässt sich Sarkozy nicht beirren, zumal auch sein Vorredner, Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yodhoyono, die G20-Staaten zum Handeln aufgerufen hatte: "Die Preise für Lebensmittel und Energie steigen immer weiter - Armut und Hunger werden zu sozialen Unruhen führen." Nicht nur hier brauche die Welt des 21. Jahrhunderts neue Ideen und Lösungsansätze, so Sarkozy dazu – ein Satz, der fast wortgleich am Tag zuvor aus dem Mund von Dmitri Medewedew zu hören war.

Neues Währungssystem

Comiczeichen Dollar gegen Yuan (Grafik: Dominik Joswig)

Dollar gegen Yuan

Nicht nur die Inflation hat Sarkozy – wie andere auch - als großes Risiko ausgemacht. Dazu kämen die in Folge der Krise angehäuften Schuldenberge: "Wir müssen diese Defizite reduzieren", so die Forderung. Zudem gäben die großen globalen Ungleichgewichte Anlass zur Sorge. Das internationale Finanzsystem sei "noch immer auf dem Stand des vorigen Jahrhunderts." Und es gäbe kein wirklich funktionierendes Weltwährungssystem. Den andauernden Streit zwischen Washington und Peking über Währungsfragen erwähnte Sarkozy zwar nicht, aber er dürfte genau diesen Streit im Hinterkopf gehabt haben. Eine Reform des Währungssystems jedoch halten Experten für unmöglich, solange der Dollar die einzige Weltleitwährung ist. Die Leitung einer Arbeitsgruppe hat Sarkozy übrigens Deutschland und Mexiko übertragen.

Kämpfer für den Euro

Merkel und Sarkozy auf einem EU-Gipfel 2010 (Foto: picturealliance/dpa)

Merkel und Sarkozy - Kämpfer für den Euro

Einmal in Fahrt, holte Nicolas Sarkozy zu einer großen Verteidigungsrede für den Euro aus. "Wir werden dem Euro niemals den Rücken kehren, wir werden den Euro niemals aufgeben", rief er aus und sprach sogleich für Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Freitag in Davos erwartet wird: Frankreich und Deutschland hätten drei verheerende Kriege hinter sich, jetzt aber sei Europa "der stabilste Kontinent der Welt." Der Euro sei so wichtig für Europa, dass man ihn mit allen Mitteln verteidigen werde, so Frankreichs Präsident an die Adresse von Spekulanten in aller Welt, die es auf das Ende der europäischen Währung abgesehen hätten. Mit seiner Sorge um den Euro war Sarkozy an diesem Donnerstag in Davos übrigens nicht allein. Gleich mehrere Runden – ob öffentlich oder hinter verschlossen Türen – wandten sich dem Thema zu. Auch hier war große Entschlossenheit zu spüren, den Euro am Leben zu erhalten.

Autor: Henrik Böhme, zur Zeit Davos
Redaktion: Sabine Faber

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