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Europa

David Cameron ist neuer Tory-Chef

Nach drei Wahlniederlagen in Folge versucht Großbritanniens Konservative Partei einen Neuanfang und kürt David Cameron zum neuen Vorsitzenden.

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Cameron: "Die Schar meiner Anhänger passte vor kurzem noch in ein Taxi."

"Wir werden dieser Partei ein ganz neues Gesicht geben", versprach David Cameron am Dienstag (6.12.2005) in London. Er wolle mit Unterstützung aller Tory-Mitglieder für die Rückkehr der Konservativen zur Macht kämpfen und weit reichende Reformen einleiten. Bereits an diesem Mittwoch wird sich Cameron bei der traditionellen Fragestunde im Unterhaus einem Rededuell mit Premierminister Tony Blair stellen.

Der als dynamischer Modernisierer geltende, 39-jährige Cameron erhielt bei der partei-internen Wahl insgesamt 134.446 Stimmen - mehr als doppelt so viele wie sein Mitbewerber, der Mitte-Rechts-Politiker David Davis. Die Tories würden sich künftig nicht mehr als Partei der "Meckerer über das moderne Großbritannien" benehmen, versprach Cameron, der erst vor rund vier Jahren Mitglied des Parlaments geworden war.

Hoher Verschleiß

"Ich liebe mein Land so, wie es ist, und hänge nicht daran, wie es war", rief Cameron den Nostalgikern in den Tory-Reihen zu. Die Partei werde unter seiner Führung den Weg kleinlicher Streitereien und Intrigen in der Politik ein für alle Mal beenden. "Ich will einen modernen und mitfühlenden Konservatismus, der zu diesem Land passt." Dazu gehörten "soziale Gerechtigkeit und eine stärkere Gesellschaft".

Cameron ist bereits der vierte Vorsitzende der Konservativen, seit 1997 die Labour-Partei ihren historischen Höhenflug mit bislang drei aufeinander folgenden Wahlsiegen begann und die Konservativen in den Schatten stellte. Nach der letzten Schlappe der Tories bei der Parlamentswahl am 5. Mai erklärte deren Vorsitzender Michael Howard seinen Rücktritt. Bei der Wahl hatten die Konservativen ihren Stimmenanteil nur unwesentlich auf 32,3 Prozent steigern können.

Privilegien

David Cameron genoss eine privilegierte Erziehung: Er ist Sohn eines Börsenhändlers, besuchte das exklusive Eton College und später die Universität von Oxford. Seine Frau Samantha ist Tochter einer Baronin, zusammen leben sie in Londons "in"-Bezirk Notting Hill. Zu Camerons Hobbys zählen Reiten und Sport-Schießen. Er präsentiert sich freilich gerne als Mensch aus dem Volk, der mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, "The Smiths" und "Radiohead" zu seinen Lieblingsmusikgruppen zählt und eine Frau hat, die einen tätowierten Delphin am Fußgelenk trägt.

Die Camerons haben zwei Kinder und erwarten ein drittes. Ihr Sohn Ivan (3) leidet unter zerebraler Kinderlähmung und Epilepsie. Die Sorge für ein behindertes Kind gab Cameron nach eigenen Worten reichlich Gelegenheit öffentliche Krankenhäuser kennenzulernen.

Karriere

Der neue Tory-Chef lehnte es stets ab, Auskunft über einen möglichen Drogen-Konsum während seiner Studienzeit zu geben. Er begründet dies damit, dass er das Recht auf ein Privatleben vor seinem Eintritt in die Politik beanspruche.

Vor seiner Wahl zum neuen Tory-Chef war Cameron 1992 Berater des früheren Finanzministers Norman Lamont und danach Berater des scheidenden Tory-Vorsitzenden Michael Howard, als dieser Innenminister war. Von 1994 bis 2001 arbeitet Cameron als Kommunikationsdirektor für das Rundfunkunternehmen Carlton. 2001 wurde er ins Parlament gewählt. (mas)

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