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Wirtschaft

Dauerhafter Ölpreisanstieg fraglich

Der jüngste Opec-Beschluss, die Fördermengen zu kürzen, hat den Ölpreis über die magische Marke von 50 Dollar pro Fass gehievt. Aber ob das von Dauer sein wird, bezweifeln viele Experten.

Die Opec-Einigung auf eine Förderkürzung und der damit einhergehende Anstieg des Ölpreises haben den Börsen in Fernost zu Gewinnen verholfen. Anleger hätten im Vorfeld des Opec-Treffens allgemein lediglich eine "lose Vereinbarung" erwartet, sagte Marktstratege Chris Weston vom Broker IG in Melbourne. "Was wir jedoch bekommen haben, ist echtes Fleisch am Knochen."

Der Ölpreis steht seit 2014 wegen eines Überangebots unter Druck. Deshalb hatte die Opec erstmals seit 2008 eine Förderbremse beschlossen. Die Mitglieder des Öl-Kartells stimmten bei ihrer Sitzung am Mittwoch in Wien der Grundsatzvereinbarung vom September zu. Damals hatten sich die oft zerstrittenen 14 Länder auf eine Drosselung der Förderung um knapp 1,2 Millionen Barrel pro Tag auf 32,5 Millionen Barrel verständigt.

Nur zwei Prozent der Gesamtförderung

Nach Angaben der Opec-Präsidentschaft Katar haben Nicht-Opec-Länder bislang eine Kappung um 600.000 Barrel zugesagt, darunter Russland mit 300.000 Barrel. Mit den 1,2 Millionen Barrel der Opec-Länder würde das auf eine Reduzierung der Förderung um rund 1,8 Millionen Barrel pro Tag hinauslaufen, was knapp zwei Prozent der weltweiten Fördermenge entspricht.

"Die Opec hat geliefert und die Bullen am Markt haben das, was sie sich erhofft hatten", sagte Jefferies-Experte Jason Gammel. "Momentan haben die Ölpreise eine gewaltige Stütze." Die Analysten von Goldman Sachs rechnen mit einem Anstieg der Brent-Preise auf 55 Dollar in der ersten Hälfte kommenden Jahres.

Lose Vereinbarung oder harter Beschluss?

Dauerhaft werde der Preis aber nicht so hoch bleiben, so die Experten von Golman Sachs, denn die geringeren Opec-Mengen ließen Raum für andere Produzenten wie die US-Schieferöl-Industrie. Auch Morgan Stanley äußerte sich skeptisch: Es sei offen, ob die einzelnen Opec-Länder die Beschlüsse auch konsequent umsetzten.

Doch zunächst einmal ist der Ölpreis über die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar gestiegen. Auch im asiatischen Handel hielt der Anstieg an. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent etwa kostete mit 52,35 Dollar so viel wie seit sechs Wochen nicht mehr.

Ob die Einigung der Opec den Preis dauerhaft nach oben treiben wird, darüber sind Marktexperten uneins. Analysten rechnen damit, dass ab Preisen über 50 Dollar die Schieferölunternehmen vor allem aus den USA vermehrt zurück an den Markt kommen und so eine drastische Preissteigerung verhindern.

Beim technisch aufwendigen und damit teuren Fracking-Verfahren wird das sogenannte Schieferöl aus Gestein gelöst. Auch die Wahl Donald Trumps könnte dabei eine Rolle spielen: Der künftige Präsident sieht die umstrittene Energiegewinnung positiv und will die heimische Energiebranche stärken.

Trump und die Fracking-Fraktion

Laut den Experten von Citigroup könnte die US-Schieferölproduktion ab einem Preis von 50 US-Dollar pro Barrel wieder rentabel werden. Die jüngste Preisrally könnte das Angebot an US-Rohöl daher wieder um 400.000 Barrel pro Tag oder mehr anziehen lassen. Darüber hinaus könnte auch die Wiederaufnahme der Produktion in Kanada und Nigeria vor einem dauerhaften Preisanstieg noch einmal für einen kleinen Dämpfer sorgen.

Das "Handelsblatt" vermutet, dass die Opec-Entscheidung eher ein kleiner als ein großer Durchbruch ist. Das zeige auch das Verfallsdatum des Abkommens: Die Kürzung ist ab Januar zunächst auf ein halbes Jahr begrenzt. Danach würden die Karten neu gemischt.

Die Weltbank hatte schon vor der Opec-Einigung ihre Prognose für den Ölpreis im Jahr 2017 angehoben. "Wir erwarten einen deutlichen Anstieg der Energiepreise, angeführt vom Öl", hatte Weltbank-Volkswirt John Baffes Ende Oktober vorausgesagt. Öl, aber auch Gas und Kohle würden im nächsten Jahr um rund ein Viertel teurer. Insgesamt seien Rohstoffpreise wieder auf dem Weg nach oben. Die Preise für Metalle und Mineralstoffe sollen der Prognose zufolge um 4,1 Prozent, die für Zink sogar um 20 Prozent steigen.

Schwache Rohstoffpreise hatten vor allem exportierende Entwicklungsländer, wie die ölreichen Staaten Venezuela oder Nigeria, hart getroffen. "Nun scheinen sie die Talsohle durchschritten zu haben", hieß es in einer Mitteilung der Weltbank.

wen/zdh (rtr, dpa)

 

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