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Dauer

Eine Minute kann sehr lange dauern. Sie kann auch schnell vorbei gehen. Es kommt darauf an, was man in der Zeit tut. Während der langweiligen Besprechung steht die Zeit still. Ein guter Kuss kann nicht lang genug dauern.

Nun hat es aber wirklich lange genug gedauert! Oder? Dauernd kalt, dauernd schlechtes Wetter, andauernd Nachtfrost. Ja, dieser Winter dauerte lange. War hartnäckig. Aber jetzt, man mag es kaum glauben, scheint sich der Frühling zu melden, wird es milder und alle – oder fast alle – atmen auf.

Dauerbrenner

"Dauer" heißt diese Woche das Stichwort; und wir fügen gleich hinzu, dass auch das Verb "dauern" und das Adjektiv "dauerhaft" Erwähnung finden werden. Nun sind ja während dieses Winters – insgesamt stetig – die Preise fürs Öl gestiegen, also auch fürs Heizöl. So mancher hat sich da an die guten alten Öfen erinnert, die mit Briketts oder Kohlen befeuert wurden.

Was das mit unserem Stichwort zu tun hat? Nun, solche Öfen wurden Dauerbrenner genannt, aufgrund der langen Brenndauer ihrer Brennstoffe. Mit der Verbreitung der Zentralheizung verloren diese Öfen an Bedeutung; der Begriff aber ist geblieben. Im übertragenen Sinn erweist sich etwas als Dauerbrenner, was sich als dauerhaft erfolgreich erwiesen hat. Zum Beispiel ganz bestimmte Musikstücke. Bücher. Die Bestseller. Im Bereich der Automobiltechnik war der VW Käfer ein Dauerbrenner. In Frankreich der Renault 4CV und der unvergessene Citroen 2CV. Aber auch ein Problem, ein Thema, das immer wieder Anlass zu Diskussionen liefert, ist ein Dauerbrenner.

Dauerlutscher

Wesentlich interessanter: Ein Kuss, der eine Ewigkeit und noch ein bisschen länger dauert, wird gelegentlich immer noch als Dauerbrenner bezeichnet. Er gehörte so ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts – mein Gott wie sich das anhört - zum Wortschatz der Teenies.

Natürlich nicht nur zum Wortschatz. Da die jungen Leute Umfragen zu Folge sich immer mehr auf klassische Werte besinnen, könnte ja auch ihr Wortschatz wieder zu Ausdrücken finden, die derzeit noch als retro gelten. Denn wenn im Jargon ein Six-Pack Bier "Herrenhandtäschchen" heißt, weshalb sollte dann der Dauerbrenner nicht auch sprachlich wieder zu Ehren kommen.

Die Zeit anhalten

Jetzt aber der obligatorische Blick ins Wörterbuch. Im DUDEN finden wir eine wunderbare Definition für dauern: "Eine bestimmte Dauer haben, eine bestimmte, unbegrenzte Zeit währen, anhalten." Was heißt das? Man kann sagen, dauern bezeichnet den zeitlichen Ablauf eines Vorgangs, eines Geschehens.

Wie immer helfen zu Erklärung dürrer Definitionen Beispiele. "Das 60 Grad Waschprogramm dauert eineinhalb Stunden." Zweites Beispiel: "Die Dienstbesprechung dauerte eineinhalb Stunden." Und Beispiel drei: "Sie trafen sich für die Dauer von eineinhalb Stunden in der Nähe des Bahnhofs. Ein kurzes, heftiges Wiedersehen. Eineinhalb Stunden Glück und Schmerz und Traurigkeit; alles zugleich."

Zeitempfinden

Dreimal dauern, dreimal die gleiche Zeitdauer, aber dreimal höchst unterschiedliches Dauern, wenn man es auf die menschliche Wahrnehmung und Empfindung bezieht. Wie lange das Waschprogramm dauert, ist uns letztlich egal.

Wenn wir aber an einer sturzlangweiligen Besprechung teilnehmen müssen, schauen wir alle paar Minuten verstohlen auf die Uhr. Eineinhalb Stunden scheinen die Vorstufe zur Ewigkeit zu sein. Unseren Liebenden auf der Durchreise sind eineinhalb Stunden hingegen ein Wimpernschlag, ein Augenblick: "Verweile doch! Du bist so schön!"

Dauernd dauern

Der Bedeutungsumfang von Dauer beziehungsweise dauern ist je nach Kontext und/oder den zahlreichen mit Dauer gebildeten Substantiven wahrlich weit gespannt. Von A bis Z lassen sich diese Komposita durchbuchstabieren. Was für einen Klang hat in diesen Tagen das Wort Dauerarbeitslosigkeit. Oder Dauerbelastung. Vom Dauerfrost haben wir schon gesprochen.

Die Anmutung, also das, was wir beim Hören oder Lesen eines Wortes empfinden und mit ihm verbinden, ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich, aber dennoch werden die meisten von uns die genannten Begriffe als negativ empfinden. Wogegen Worte wie Dauermieter, Dauerwurst oder Dauerzustand uns nicht unbedingt gefühlsmäßig berühren.

Für immer

Ganz ähnlich ist es mit dem Adjektiv dauerhaft. Bei dauerhafter Erwerbslosigkeit werden wir, wenn wir nicht ganz aus Stein sind, schon ein bisschen Wirkung zeigen, auch wenn sie uns nicht persönlich betrifft.

Am anderen Ende der Skala, dem positiven, finden wir dauerhaft in seiner schönsten Verbindung; der dauerhaften Liebe. Sie ist in ihrer Dauerhaftigkeit – kein schönes Wort in diesem Zusammenhang, aber als dem Stichwort zuträgliches erlaubt – die Gewähr, dass sie alles überdauert und übersteht, was die Liebenden gefährdet.

Sommerliebe

Überhaupt. Die Liebe. Sie kann nicht lange genug dauern. Im Gegensatz zum Winter.

Fragen zum Text

Wenn etwas dauerhaft erfolgreich ist, nennt man es …

1. Dauerlutscher.

2. Dauerbrenner.

3. Feuerlöscher.

Eine langweilige Besprechung scheint …

1. ewig zu dauern.

2. schnell vorbei zu gehen.

3. nur sehr kurz zu dauern.

Der Winter … drei Monate.

1. dauerhaft

2. dauernd

3. dauert

Arbeitsauftrag

Wenn man auf etwas wartet, scheint die Zeit still zu stehen. Doch die Zeit verfliegt nur so, wenn man etwas Schönes erlebt. Schreiben Sie ein Erlebnis auf, bei dem die Zeit einfach nicht vergangen ist, und eines, bei dem die Zeit sehr schnell vergangen ist.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel

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