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Aktuell Welt

Datenleck enthüllt Briefkastenfirmen von Prominenten und Politikern

Der "Süddeutschen Zeitung" sind umfassende Daten über Briefkastenfirmen in Panama zugespielt worden. Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste zählten auch frühere und amtierende Staats- und Regierungschefs, so die SZ.

Wie die in München erscheinende Zeitung berichtete, geht es um 11,5 Millionen Dokumente zu 214.000 Briefkastenfirmen, die von der Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama gegründet worden seien. An der Auswertung der Daten waren Journalisten aus etwa 80 Ländern beteiligt. Die Gründung von Briefkastenfirmen ist an sich legal. Sie werden aber oft genutzt, um Vermögen vor dem Finanzamt zu verstecken oder Gelder zu "waschen".

In den "Panama Papers" genannten Unterlagen tauchen nach Angaben der "Süddeutschen" die Namen von Milliardären, Politikern, Sportlern, Waffenhändlern, Spionen und Betrügern auf. Unter anderem hätten Vertraute von Russlands Staatschef Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Briefkastenfirmen einrichten lassen.

Putin-Freund Roldugin (Foto: Imago/Itar-Tass)

Putin-Freund Roldugin

Freund Putins involviert

Enge Vertraute von Putin leiteten nach Recherchen des Blattes in den vergangenen Jahren unter konspirativen Umständen offenbar mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen und schafften dabei viel Geld aus Russland heraus. Zu den Schlüsselfiguren in diesem Fall gehöre unter anderem Sergej Roldugin.

Er ist ein bekannter Cellist und war 1985 laut "Süddeutscher Zeitung" Taufpate von Putins ältester Tochter. Er gilt als einer der besten Freunde des russischen Präsidenten und steht im Mittelpunkt eines Netzwerks aus Briefkastenfirmen. Der Name von Putin selbst taucht den Angaben zufolge bei den Briefkastenfirmen nicht auf; der Name von Roldugin werde dagegen etliche Male genannt.

Kremlchef Putin (l.) und der Präsident der Ukraine, Poroschenko, bei eimem Treffen 2014 (Foto: Reuters)

Kremlchef Putin (l.) und der Präsident der Ukraine, Poroschenko, bei eimem Treffen 2014

Poroschenkos Firma 2014 gegründet

Poroschenkos Briefkastenfirma wurde laut "SZ" im Jahr 2014 gegründet, nur zwei Monate nach seiner Wahl zum neuen Präsidenten der Ukraine. Auch der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson soll bis Ende 2009 zusammen mit seiner heutigen Ehefrau eine Briefkastenfirma besessen haben, in der unter anderem Anleihen wichtiger isländischer Banken deponiert waren. Auch Verwandte amtierender Staats- und Regierungschefs tauchen auf der Liste auf, so im Falle des chinesischen Präsidenten Xi Jinping oder des britischen Premierministers David Cameron.

Auch international sanktionierte Geschäftsleute wie ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad oder Monarchen wie der König von Saudi-Arabien haben den Unterlagen zufolge Offshore-Firmen genutzt.

Sitz der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama (Foto: AP)

Sitz der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama

Hochrangige Politiker aus aller Welt

Insgesamt stünden in den Unterlagen die Namen von zwölf amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs, zum Beispiel des Premierminister von Pakistan und des argentinischen Staatspräsidenten Mauricio Macri, so die Zeitung weiter. Unter den Kunden der Kanzlei fänden sich fast 130 Politiker aus aller Welt, unter ihnen viele Minister.

"Verschwiegende Finanzindustrie"

Die Dokumente belegten, wie die Kanzlei Mossack Fonseca "Tag für Tag Sanktionsbrüche und Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche in Kauf nimmt", heißt es in der SZ. Die Daten belegten, "wie eine globale Industrie, angeführt von großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, die Besitztümer von Politikern, FIFA-Funktionären, Betrügern und Drogenschmugglern, aber auch von Milliardären, Prominenten und Sport-Stars in aller Verschwiegenheit verwaltet".

Neue Vorwürfe gibt es durch das Datenleck laut "Süddeutscher Zeitung" auch gegen den argentinischen Fußballstar Lionel Messi. Auch die Namen des gesperrten UEFA-Präsidenten Michel Platini und des Mitglieds der Ethikkomission des Weltfußballverbandes FIFA, Juan Pedro Damiani, tauchen auf. Zudem seien auch internationale Finanzinstitute, unter ihnen deutsche Banken oder ihre Töchter seien involviert.

Anonyme Quelle

Die Informationen über die Offshore-Geschäfte wurden der "Süddeutschen Zeitung" von einer anonymen Quelle zugespielt. Wegen der Menge der Daten hatte sich die "SZ" entschieden, die Informationen gemeinsam mit anderen Medien auszuwerten. Insgesamt hätten in den vergangenen zwölf Monaten rund 400 Journalisten von mehr als 100 Medienorganisationen in rund 80 Ländern recherchiert. In Deutschland waren die Rundfunksender WDR und NDR an der Auswertung der "Panama Papers" beteiligt. Die Daten reichten von den frühen 1970er-Jahren bis ins Frühjahr 2016.

wl/ml (dpa, afp,rtr)