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Asien

Datenjournalismus-Pioniere in Pakistan

In Daten stecken Geschichten: Bei pakistanischen Behörden liegen Millionen von Datensätzen, Journalisten konnten bisher kaum damit arbeiten. Die DW Akademie hat die ersten Medienmacher im Datenjournalismus fortgebildet.

DW Akademie - Farzana Ali, Büroleiterin Aaj TV (GIZ)

Farzana Ali unterschreibt ein Poster mit Vorschlägen zur besseren Umsetzung von Gesetzen zur Informationsfreiheit.

„Seit dem Datenjournalismus-Training können wir anders berichten“, sagt Farzana Ali, Redaktionsleiterin des Senders Aaj TV in Peschawar „Wir sind nicht mehr auf die Pressekonferenzen von Politikern angewiesen. Wenn wir über Themen wie Bildung und Erziehung berichten, holen wir uns die Daten selbst.“

Neuland Datenjournalismus

Seit 2013 sind die Behörden in den Provinzen Khyber Pakhtunkhwa und Punjab gesetzlich zur Weitergabe von Daten verpflichtet, doch Journalisten konnten sie bisher kaum für ihre Arbeit nutzen. „Nur selten stellen Behörden Daten schnell und in einem nutzerfreundlichen Format bereit. Und in den meisten Medienhäusern fehlen die Kenntnisse oder Ressourcen, um Daten zu analysieren und aufzubereiten", so Michael Karhausen, Abteilungsleiter Asien der DW Akademie. Viele Journalisten wüssten zudem nur sehr wenig über ihr Recht auf Informationen.

2016 startete die DW Akademie gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ein Pilotprojekt. Die Idee: Behörden und Journalisten gleichermaßen im Umgang mit Daten schulen. Die GIZ trainierte Behördenvertreter im Umgang mit Informationsanfragen - die DW Akademie qualifizierte Journalisten. Immer wieder gestellte Fragen: Wie komme ich an Daten? Wie kann ich Geschichten hinter den Zahlen erkennen? Wie lassen sich Datensätze anschaulich aufbereiten? Über 200 Beamte und 130 Journalisten nahmen an dem einjährigen Projekt teil.

Beide Seiten in Dialog bringen

DW Akademie-Projektmanagerin Lina Elter erklärt das Konzept: „Zwischen Behörden und Journalisten herrscht zum Teil großes Misstrauen. Damit die Gesetze zur Informationsfreiheit ein Erfolg werden, war es wichtig, beide Seiten in Dialog miteinander zu bringen.“ Viermal setzten sich Behörden und Medienmacher im Laufe des Projekts an einen Tisch und erarbeiteten gemeinsame Vorschläge zur Verbesserung der Zusammenarbeit.

DW Akademie - Farzana Ali spricht beim Abschlusspanel The Role of Government, Media and Citizens for Enhanced Access to Information and Public Participation” am 16. August in Islamabad

Abschlusskonferenz "The Role of Government, Media and Citizens for Enhanced Access to Information and Public Participation” am 16. August in Islamabad

70 Jahre nach der Unabhängigkeit gibt es in Pakistan eine breite Medienlandschaft mit u.a. rund 250 Tageszeitungen, 400 Wochen- und Monatszeitschriften. Doch die Pressefreiheit ist in vielen Teilen des Landes eingeschränkt, das Informationsministerium nimmt immer wieder starken Einfluss auf die Berichterstattung. Pakistan belegt Platz 139 von 186 des Media Freedom Navigator.

2013 begann eine Initiative für mehr Transparenz: Die Provinzregierungen von Khyber Pakhtunkhwa und Punjab verabschiedeten jeweils einen „Right to Information Act“. Alle öffentlichen Verwaltungseinrichtungen sollten einen Ansprechpartner für Informationsanfragen benennen. Für die Öffentlichkeit relevante Daten, z.B. über die Vergabe von öffentlichen Aufträgen oder Budgets, sollten Behörden von sich aus regelmäßig offenlegen. Bis dahin mussten Journalisten oftmals gute persönliche Beziehungen zu Staatsbediensteten pflegen, um an Informationen zu kommen.

Zum Abschlusskonferenz des Projekts am 16. August kamen Journalistinnen und Journalisten mit Vertretern der Regierung zu einer Panel-Diskussion zusammen. Noch immer gibt es Vorbehalte  auf Behördenseite. Asif Khan, Büroleiter der DW Akademie in Pakistan: „Immer noch kommt es vor, dass Behörden trotz der Gesetze gar keine oder nur die Daten rausgeben, die ihnen passen.“  Die Sorge, dass Informationen durch die Medien missbraucht werden, sei groß. „Medienhäuser sollten Datenjournalismus weiter ausbauen“, meint Khan. Wichtig sei, dass Informationen über Regierungsprojekte bei den Menschen im Land ankämen. Das Pilotprojekt von GIZ und DW Akademie ist dabei ein erster Schritt.

Das einjährige Pilotprojekt wurde von der DW Akademie und der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt.

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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