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Politik

Das Wunder vom Baikal

In Russland staunt man über die Leiche eines buddhistischen Mönches. Sie ist auch nach 80 Jahre fast unverwest. Die Wissenschaftler sind ratlos. Für die Mönche in Burjatien steht dagegen fest: Es ist ein Wunder.

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Entgegen den Naturgesetzen zeigt der Körper kaum Verwesungserscheinungen. Nein, die Rede ist nicht von Wladimir Lenin hinter Glas, sondern von einem buddhistischen Mönch, der in Burjatien, einem Zentrum der Buddhisten in Sibirien nahe der mongolischen Grenze gelebt hatte.

In einem Kloster nicht weit vom Baikalsee entfernt hatte der Mönch und Würdentrager Dascha-Dorscho Itigelow 1927 den nahenden Tod gespürt und seine Schüler zu sich gerufen. Das geistige Oberhaupt verkündete den herbeigeeilten Glaubensbrüdern, dass sein Tod bevorstehe. In 75 Jahren werde er wiederkehren, so der Lama. Den Mönchen trug er auf, in dreißig Jahren "meinen Körper zu besuchen und ihn sich anzuschauen".

Dann, meditierend und die Beine zum Lotussitz gekreuzt, verstarb der damals 75-jährige Lama Itigelow. Der Tote wurde in ein Tuch gewickelt und mit Salz bedeckt. Beerdigt wurde er in der Sitzposition, in der er gestorben war.

Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel

Genau dreißig Jahre später kamen Anhänger des verstorbenen Würdenträgers, um - wie ihnen aufgetragen - den Toten zu besuchen. Sie exhumizierten die sterblichen Überreste und ihren Berichten zufolge soll sich Itigelows Körper ohne Verwesungserscheinungen unverändert in der Lotusposition befunden haben.

Danach beerdigten die Mönche den verstorbenen Würdenträger erneut. Vor zweieinhalb Jahren, genau 75 Jahre nach seinem Tod wurde der Körper Itigelows wieder ausgegraben - im Beisein von Gerichtsmedizinern. Und siehe da: Noch immer war der Mönch praktisch unversehrt. Mehr als sieben Jahrzehnte lang ist der Körper Itigelows offenbar nahezu unverändert erhalten geblieben. Wissenschaftler, die ihn untersucht haben und dem sogar Gewebeproben entnommen, sind ratlos.

Ein Wunder? Die Mönche in Burjatien sind überzeugt, dass der Lama seine Vorhersage von vor 75 Jahren wahr gemacht hat. Man müsste diese Geschichte als Humbug oder eine "Räuberpistole" werten, wären da nicht Photos, die den Verstorbenen gut erhalten und ohne die normalen Verwesungserscheinungen zeigen.

Mit Mumien, Moorleichen und anderen Fallen, in denen Körper nach dem Tod nicht verwesen, habe dies alles nicht das Geringste zu tun, erklärten die ratlosen Wissenschaftler. Salz sei zwar ein bekanntes Konservierungsmittel, könne aber allein den guten Zustand des verstorbenen Lamas nicht erklären.

Ein Rätsel auch, wie der Mönch und Würdentrager Dascha-Dorscho Itigelow vor seinem Tod bereits wusste, dass sein Körper erhalten bleiben würde. Das Phänomen ist weder wissenschaftlich noch mit dem gesunden Menschenverstand nachzuvollziehen, also ein Wunder. Und so gehen die Mönche auch mit dem "Wunder vom Baikal" um: Auf Anordnung des gegenwärtigen Lamas wurde der Verstorbene in das Kloster von Iwolginsk überführt.

Haltbarer als Lenin Dort sitzt er nun, noch immer im Lotussitz und in ein Tuch gehüllt hinter schweren Vorhängen, in einer Art gläsernem Sarg. Bis heute hat das Kloster nach eigenen Angaben keine speziellen Maßnahmen zur Balsamierung des Leichnams ergriffen. Iwolginsk ist inzwischen zu einem Ort für die buddhistischen Pilger geworden.

Während in Moskau ein ganzes Forschungsinstitut seit 80 Jahren daran arbeitet, den verstorbenen Revolutionsführer Lenin mit einem geheimen Chemiecocktail und ungeheurem Aufwand für die Ewigkeit frisch zu halten, bleibt der Mönch Iwolginsk vor allem eines: Ein bislang ungelöstes Rätsel.