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Kultur

Das Wort als Waffe

Immer mehr amerikanische Schriftsteller machen Front gegen einen möglichen Militärschlag im Irak. Das politische Engagement der Poeten hat bereits zu Verstimmungen im Weißen Haus geführt.

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Paul Auster und Kollegen: gegen einen Irak-Krieg

Billy Collins

Billy Collins

Amerikas Dichterfürst Billy Collins, bezog jüngst des drohenden Irak-Krieges klar Stellung: Lyriker, die ansonsten unpolitisch seien, sollten sich mit Protestäußerungen nicht zurückhalten, erklärte er. Sie könnten sich nicht zurückziehen, "während dieses Land in einen Krieg getrieben wird". Collins ist der amtierende "Poet Laureate", ein Ehrenamt, das von der Library of Congress vergeben wird. Ähnlich wie Collins äußerten sich mehrere seiner Amtsvorgänger: Richard Wilbur, Stanley Kunitz und Rita Dove sowie der Nobelpreisträger Derek Walcott. Nahezu 40 weitere Lyriker hatten bereits im Januar eine Anti-Kriegs-Petition unterzeichnet.

"Krieg" gegen das Weiße Haus

Laura Bush

Laura Bush

Amerikas First Lady, Laura Bush, berief Anfang Februar ein Dichter-Symposium ab, zu dem sie selbst führende Lyriker eingeladen hatte. Ihre Vermutung: Einige der Gäste wollten die Veranstaltung dazu nutzen, die Politik ihres Mannes zu kritisieren. Die ehemalige Bibliothekarin, die sich als First Lady um die Förderung amerikanischer Dichter kümmert, ließ über eine Sprecherin erklären, es sei "unangemessen, ein literarisches Ereignis in ein politisches Forum umzuwandeln".

Das Symposium sollte ursprünglich am 12. Februar 2003 unter dem Titel "Dichtkunst und die Stimme Amerikas" stattfinden. Als Reaktion darauf wurde der Tag kurzerhand zum "Tag der Poesie gegen den Krieg" erklärt. Im ganzen Land und in 160 Veranstaltungen trugen Lyriker ihre Gedichte gegen den Krieg vor. An der renommierten New Yorker University las der Schriftsteller Paul Auster. "Wir müssen uns Gehör verschaffen", sagte der Bestsellerautor. "Die amerikanischen Medien haben jeden Diskurs darüber erstickt, was in diesem Land und in der Welt vor sich geht. Als Bürger einer Demokratie ist es unsere Pflicht, eine Debatte darüber zu entfachen, unsere Opposition klar zu machen".

Protest-Post für Laura Bush

Sam Hamill

Sam Hamill

Die Reaktion der First Lady demonstriere, wie wenig man im Weißen Haus von Poesie verstehe, sagte der Organisator der Protestveranstaltung, der Lyriker Sam Hamill in Washington: "Auch wenn Dichtung in Einsamkeit geschrieben wird, so ist sie doch eine soziale Sprache". Daher seien alle Gedichte auf eine gewisse Weise auch politisch. In einem offenen Brief hatte Hamill dazu aufgerufen, ihm Anti-Kriegsgedichte per E-Mail zu schicken. Die Resonanz war beträchtlich: Die Einsendungen von etwa 5.300 Hobby- und Berufspoeten veröffentlichte er auf seiner Website poetsagainstthewar.org. Eine Auswahl von 3500 Gedichten leitete Hamill direkt an Laura Bush weiter.

Die Schriftstellerin Rita Dove äußerte sich ebenfalls empört. Das Symposium abzusagen, zeige, wie feindlich die Bush-Regierung abweichenden Meinungen gegenüber stehe, sagte sie. Einer der berühmtesten Vertreter der "Beat Generation", der Poet Lawrence Ferlinghetti, nannte die Idee naiv, Dichter ins Weiße Haus einzuladen, während sich die Regierung auf einen Krieg vorbereite. Schriftsteller, die als Bewahrer von Freiheit und Liebe gelten, müssten per Definition Feinde des Staates sein, insbesondere dann, wenn dieser sich in einem Krieg engagiere. Dieser Meinung ist auch Marylin Nelson, die offizielle "Staatsdichterin" des US-Bundesstaates Connecticut: "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, was Mrs. Bush sich dabei gedacht hat, wie sie glauben konnte, dass ein Symposium in diesen Zeiten nicht politisch werden muss".

Billy Collins erklärte nun, er habe sich stets bemüht, den Westteil des Weißen Hauses, in dem der Präsident agiert, nicht mit dem eher privaten Ostteil zu vermischen. Das bereite ihm aber trotz aller Anerkennung der Bemühungen Laura Bushs um die Dichtkunst angesichts der Kriegsgefahr zunehmend Schwierigkeiten.

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