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Nahost

"Das wirft ein schlechtes Licht auf alle Libanesen"

Nach den fehl geschlagenen Bombenattentaten von Köln ist die öffentliche Anspannung groß. Die Attentäter waren Libanesen. Welche Auswirkung hat das auf die Libanesen in Deutschland?

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Die mutmaßlichen Bahn-Bombenleger Jihad Hamad und Youssef Mohamad

Seinen Namen will er nicht nennen, aber seine Empörung ist groß. "Wir sind gegen diese Terroranschläge, die nur Unschuldige töten", sagt er. "Unter den Opfern könnte auch meine Familie sein. Ich bin dagegen, egal ob hier in Deutschland oder im Libanon“.

Seit 30 Jahren lebt der Bonner Passant in Deutschland, er hat die deutsche Staatsangehörigkeit und fühlt sich hier Zuhause. Ihm fehlt jegliches Verständnis für die Motive der Bombenleger von Köln. Während des Bürgerkrieges Anfang der 1980er Jahre habe Deutschland den Libanesen sehr geholfen, viele hätten ein Aufenthaltsrecht bekommen, sagt er. Er glaube, dass viele Libanesen sich aber nicht integrieren wollten.

Kunden bleiben weg

Muslime in Deutschland p178

Mehr als drei Millionen Muslime leben in Deutschland. In einer Welt für sich?

"Sie sind in ihrer eigenen geschlossenen Gesellschaft und vergessen, dass sie in Deutschland leben", sagt er. "Sie erziehen ihre Kinder falsch. Sie sagen ihnen, dass die Deutschen eine andere Religion haben und sie deshalb nicht so sein sollen wie die Deutschen. Aber die Deutschen haben uns nicht gefragt, welche Religion wir haben, als sie uns geholfen haben. Sie haben nicht gesagt: nein, ihr seid Muslime, wir helfen euch nicht."

Dieser Meinung ist auch Fahd, der Besitzer eines Ladens für libanesische Spezialitäten in Bad-Godesberg bei Bonn. Fahds Kinder sind in Deutschland geboren und die Familie hat sich gut integriert. Viele seiner Kunden sind Deutsche, aber er fürchtet, dass sie nach den versuchten Bombenattentaten nicht mehr bei ihm einkaufen wollen.

Kein Respekt

"Solche Anschläge werfen ein schlechtes Licht auf die Araber, die hier friedlich leben. Manchmal empfinden die Deutschen ihnen gegenüber deshalb Abscheu", sagt Fahd, "Es ist mir peinlich, dass manche Araber Terroristen sind. Aber was soll ich tun? Ich versuche meinen Kunden oder Nachbarn den Hintergrund solcher Attentate zu erklären, ohne sie zu rechtfertigen. Viele Europäer wissen nämlich gar nicht, was in den arabischen Ländern vor sich geht. “

Muslime in Deutschland Mann mit Gebetsschnur p178

Ist die Religion das Problem?

Im "Safad Cafe" in Bad-Godesberg sitzen viele Araber, trinken Tee und rauchen Wasserpfeife. Mohamed Ali el Sheikh, ein Sudanese, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt, sieht im Verhalten vieler Araber ein großes Problem. "Beschwerden und Jammern gibt es von allen Seiten", sagt er. "Viele Ausländer fühlen sich unterdrückt und viele Deutsche sind der Meinung, dass viele Ausländer die Gesetze nicht respektieren. Ja, die Probleme verursachen manchmal die Araber, die chaotisch und neugierig sind.“

Verständnis für die Deutschen

Ali, ein 29 jähriger Palästinenser, der erst seit zwei Jahren in Deutschland lebt, versteht die Deutschen gut, die bereits seit den Anschägen von Madrid 2004 vorsichtiger gegenüber Araber geworden seien. Er versuche, seinen deutschen Freunden und Kollegen zu erklären, dass nicht alle Araber Terroristen seien. Eine kleine Zahl der hier lebenden Araber sei verantwortlich für das schlechte Bild aller Araber.

"Ich verstehe die Haltung der Deutschen. Es ist keine Frage der Unterdrückung der Ausländer, wie manche sagen", so Ali, "es ist auch unser Problem. Viele von uns respektieren die Gesetze nicht und leben in unserer eigenen Gesellschaft. Das hat aber nichts mit dem Islam zu tun."

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