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Welt

Das Warten auf den Ölboom in der Barentssee

Während sich Norwegen und Russland ein Rennen um die riesigen Energiereserven der Barentssee liefern, könnte eine kleine norwegische Stadt in der Arktis Dreh- und Angelpunkt der Öl- und Gasförderung werden.

Schiff verlässt Hafen EPA/Helge Sterk

Hafen von Kirkenes

Die Kimek Schiffswerft von Greger Mannsverk im Zentrum von Kirkenes ist nur schwer zu übersehen. Das helle Gebäude überragt die arktische Stadt, keine 15 Minuten von der russischen Grenze entfernt. Kirkenes hat etwa 3500 Einwohner, von denen die meisten traditionell im Fischfang oder Eisenerzabbau beschäftigt sind oder waren.

Doch dies könnte sich bald ändern: Die kleine Werft könnte demnächst vom versprochenen Energiewunder der Barentssee profitieren.

"Alles rückt näher und näher und wir wissen, dass es in den nächsten drei bis sieben Jahren losgehen wird", so Mannsverk im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Wir warten darauf seit es Mitte der 80er Jahre in aller Munde war - also wissen wir, dass es bald losgehen wird."

Riesige Öl- und Gasvorkommen

Mannsverk spricht von den vielversprechenden riesigen Öl- und Gasvorkommen in der Barentssee, nördlich von Norwegen und westlich von Russland. Kirkenes ist der nächstgelegene norwegische Hafen und Mannsverks Unternehmen erwartet erhebliche Einnahmen, sobald die Werft nicht mehr nur russische Fischerboote als Kunden hat - sondern auch internationale Ölfirmen.

Fischerboot Foto: Lars Bevanger Rechte: DW / Lars Bevanger

Große Öltanker könnten den kleinen Fischerbooten bald Gesellschaft leisten

"Wir sind dabei, uns so aufzustellen, dass wir sowohl auf der russischen als auch auf der norwegischen Seite der Grenze arbeiten können - uns ist das egal", so Mannsverk.

Die Öl- und Gasreserven, die weiter südlich in der Nordsee liegen, haben über lange Zeit Norwegens Stellung als Europas größten Öl- und Gaslieferanten begründet. Doch es war in erster Linie Südnorwegen, dass hier wirtschaftlich profitieren konnte. Der arktische Norden hatte beim Ausbau der Infrastruktur und Investitionen meist das Nachsehen.

Doch die Reserven in der Nordsee schwinden langsam dahin. Mittlerweise könnten bis zu 40 Prozent von Norwegens unerschlossenen Ressourcen in der Barentssee liegen - mit einem Wert von bis zu 230 Milliarden Euro.

"Ich glaube, es ist Zeit nach Norden zu blicken", so Cecilie Hansen, Bürgermeisterin von Kirkenes.

"Viele, die für ihre Ausbildung die Stadt verlassen haben, blicken nun wieder auf Kirkenes und wollen zurück kommen", sagt sie. "Vorher hat hier jeder in den Minen gearbeitet. Nun haben wir neue Jobmöglichkeiten, die die Gesellschaft wirklich braucht."

Cecilie Hansen, die Bürgermeisterin von der Stadt Kirkenes in Norwegen Foto: Lars Bevanger Rechte: DW / Lars Bevanger

Bürgermeisterin Hansen hofft auf einen Boom für ihre kleine Stadt

Ernsthafte Investitionen

Es gibt schon erste Anzeichen, dass sich die Dinge in Kirkenes tatsächlich verändern. Zwei große Schiffsterminals in den Fjorden zu beiden Seiten der Stadt sind in Planung, der Baubeginn für eines der beiden Projekte ist schon 2014. Unternehmer Jacob Stolt-Nielsen investiert etwa 250 Millionen Euro in den Bau eines großen Öl- und Gasterminals für die Tanker aus der Barentssee.

"Die Menge an Öl und Gas, die man hier fördert, wird enorm zunehmen", erklärt er im Gespräch mit der DW. "Es ist teuer dieses Öl zu fördern und daher ist es umso wichtiger, dass eine optimale logistische Infrastruktur vorhanden ist."

Grenzübergreifende Kooperation

Vergangene Woche war der russische Premierminister Dimitri Medvedev in Kirkenes zu Besuch, um mit seinem norwegischen Amtskollegen Jens Stoltenberg die Feierlichkeiten zur 20-jährigen regionalen Zusammenarbeit im Fischfang und anderen Industriebereichen zu begehen und um über die Zukunft zu sprechen.

Die Zukunft der Energiewirtschaft stand ganz oben auf der Prioritätenliste, denn Jahrzehnte lang lagen Moskau und Oslo im Streit über einen Teil der südöstlichen Barentssee. Erst 2010 konnte man sich auf eine Grenzziehung einigen. Kurze Zeit später deuteten die ersten Forschungsergebnisse auf die enormen Ressourcen in der Region hin.

Russischer Präsident Dimitri Medwedew spricht mit dem Norwegischen Premierminister Jens Stoltenberg beim Barents Gipfel Foto: Lars Bevanger Rechte: DW / Lars Bevanger

Norwegen und Russland hoffen auf gemeinsame Profite

"Es ist sehr wichtig, dass wir in der Lage waren, ein Übereinkommen mit Russland zu finden, sowohl in der Barentssee als auch im Polarmeer", sagte der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg der Deutschen Welle.

Die Zusammenarbeit zwischen Russland und Norwegen ist der Schlüssel für die Erschließung der Barentssee. Russland braucht norwegische Expertise aus Jahrzehnten der Öl- und Gasförderung in der Nordsee. Norwegische Firmen hingegen wollen sich an der Erschließung der russischen Reserven in der Barentssee beteiligen, da vermutet wird, dass diese viel größer sind als die norwegischen Vorkommen.

Umweltbedenken

Doch während Politiker dabei sind, den Weg für die Erschließung zu ebnen, sind Umweltschützer alarmiert. Die schmelzenden Eiskappen der Arktis sind einer der Gründe, weshalb eine Erschließung der Energiereserven überhaupt erst möglich geworden ist. Greenpeace hat mit verschiedenen Aktionen versucht, auf die "größte umweltpolitische Herausforderung unserer Zeit" hinzuweisen.

"Das Polareis kann leicht noch im Laufe unseres Lebens wegschmelzen, wenn wir nichts dagegen unternehmen", erklärt Truls Gulowsen von Greenpeace Norwegen. "Das sollte als ein Notruf unseres Planeten verstanden werden - nicht als eine Möglichkeit für die Öl- und Gasindustrie an weitere - nun erschließbare - Ressourcen zu kommen."

Gulowsen mahnt an, dass hier das Ökosystem unter "enormem Druck" stehe, da der Säuregehalt des Wassers aufgrund des Klimawandels zunehme.

Die Bewohner von Kirkenes scheinen jedoch die Sorgen der Umweltschützer wenig bis gar nicht zu teilen. Vielen sagen, dass sie der Regierung vertrauen, die Rohstoffe Förderung mit Rücksicht auf die Natur zu förden. Sowohl in Oslo als auch in Moskau ist man sich einig, dass es die Ressourcen im hohen Norden zu erschließen gilt - und zwar ohne viel Zeit zu verlieren.

Ölfirmen wie die norwegische Statoil stehen in den Startlöchern: Allein in diesem Jahr sind mehr Bohrungen geplant als in den vergangenen zwei Jahren zusammen. .

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