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Hintergrund

Das virtuelles Gedenken

Shoa.de zeigt, wie Geschichte ihren Platz in der virtuellen Welt finden kann: Das größte deutschsprachige Internetportal zum Holocaust bietet die Möglichkeit, sich mit dem Thema interaktiv auseinander zu setzen.

Logo der Webseite Shoa.de, die über Ausmaß und Geschichte des vom nationalsozialistischen Deutschland verübten Holocaust berichtet. 2007

Eine junge Frau hat im Nachlass ihres verstorbenen Großvaters Abzeichen der SS gefunden. Bislang war ihr diese Vergangenheit des Großvaters nicht bekannt. In der Familie kam sie mit ihren Fragen nicht weiter, sie begann, im Internet zu suchen, stieß auf die Seite Shoa.de und wandte sich an die Redaktion. Über die Personal­recherche-Datenbank kam sie der Vergangenheit des Großvaters auf die Spur.

Diese junge Frau ist ein Beispiel, sagt Stefan Mannes, einer der Gründer von Shoa.de. Viele Menschen finden auf ähnlichen Wegen zu Shoa.de. Die Online-Plattform bietet Internet-Nutzern einen Raum, sich mit den Themen Holocaust und Drittes Reich auseinander zu setzen.

Virtuelle Geschichtsaufarbeitung

Mannes sieht im interaktiven Zugang die Stärke des Online-Portals. Es bietet Menschen eine Möglichkeit, sich mit deutscher Geschichte von 1933-1945 auseinanderzusetzen - abseits von Universitäten, Schulen und Gedenkstätten. "Der Anspruch ist, eine Plattform zu sein. Wir sind ein zum großen Teil offenes Forum und laden die Leute wirklich zu einem Austausch ein, und zwar nicht nur mit uns, sondern auch untereinander.“

, an denen in der Sowjetunion Juden, Sinti und Roma, und sowjetische Politkommisare ermordet wurden. Quelle: Shoa.de, 2007

Shoa.de zeigt eine Übersicht der Orte des Holocaust

Ein Ziel sei es, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, sich mit Geschichte auseinander zu setzen. "Inhaltlich, emotional und im Idealfall sinnvolle Lehren daraus ziehen."

Nach Angaben der Betreiber hat Shoa.de rund 6 000 Seitenaufrufe täglich. 90 Prozent der Nutzer sind aus Deutschland. Unter den zahlreichen Artikeln zum Dritten Reich und Holocaust, findet man Spezial-Themen, etwa zur "Weiblichen Identität in der Haft" oder zum "Zigeunerlager" Lackenbach im österreichischen Burgenland“. Die Seite ist übersichtlich gestaltet, man kann sich von Themen zu Unterthemen durchklicken.

Die redaktionellen Beiträge beinhalten Quellenverweise und weiterführende Literaturtipps. Daneben bietet das Portal Diskussionsforen, Link-Kataloge und Interviews mit Zeitzeugen, demnächst auch als Video. Der monatliche Newsletter wird von 15 000 Lesern abonniert.

Die Geschichte von Shoa.de

Shoa.de begann im Jahr 1996 als Projekt von vier Geschichtsstudenten, darunter der heute 37-jährige Stefan Mannes. Die Gründer wollten mit Shoa.de einen Raum im Internet schaffen, in dem sich Interessierte seriös mit den Themen Holocaust und Drittes Reich auseinander setzen können, sagt Mannes. "Es begann ganz einfach mit Referaten und Hausarbeiten, auf die wir aber so viel positives Feedback bekommen haben, dass sich daraus langsam und kontinuierlich dieses Projekt entwickelt hat. Mittlerweile ist es inhaltlich quantitativ und qualitativ gewachsen."

Shoa.de funktioniert ähnlich wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Die Seite ist somit auch nie vollständig, pro Monat kommen etwa acht bis 15 neue Artikel hinzu. Im Prinzip kann jeder mitmachen, sagt Mannes. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Der emeritierte Professor, der einen Aufsatz zu einem Fachthema verfasst oder ein Student, der sein Referat online stellt. Texte von unbekannten Verfassern werden geprüft. Gleiches gilt für die Beiträge im Forum. Versuche, die Seite mit rechter Propaganda zu unterwandern seien jedoch selten.

Mittlerweile stehen rund 100 Autoren als fester Stamm hinter Shoa.de. Sie alle arbeiten ehrenamtlich. Das bundesweite Bündnis für "Demokratie und Toleranz" hat den Arbeitskreis Shoa.de für sein vorbildliches zivilgesellschaftliches Engagement ausgezeichnet. Im Jahr 2005 wurde das Projekt sogar für den Adolf Grimme Preis Online nominiert, einem der wichtigsten deutschen Medienpreise. Shoa.de ist ein Beispiel dafür, wie Geschichte ihren Platz in der virtuellen Welt finden kann.

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