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Kultur

Das verkannte Problem

Vor 25 Jahren wurde das HI-Virus entdeckt. Viel wurde seitdem getan, um die Epidemie einzudämmen, doch Aids darf nicht allein auf ein medizinische Problem reduziert werden, findet Helle Jeppesen.

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Zugegeben: Es hat sich viel getan in Sachen HIV/Aids. Auch wenn die Seuche sich weltweit weiterhin ausbreitet, und immer noch kein Impfstoff und kein Heilmittel gefunden worden ist. Immerhin gibt es heute Medikamente, die zumindest die Immunschwäche-Krankheit im Körper eines HIV-Positiven bremsen und sein Leben verlängern können.

Doch die Pandemie HIV/Aids lässt sich nicht einfach mit ein paar Medikamenten bekämpfen, obwohl eine Pille gegen das Übel sicherlich oberflächlich gesehen das einfachste Mittel ist, eine globale Einigkeit im Kampf gegen die Seuche nach außen hin darzustellen.

Pillen verteilen reicht nicht

Wer aber unter dem Motto "Gemeinsam gegen Aids" - "Unite against Aids" nur Pillen verteilen will, ignoriert die Zusammenhänge, die sich allein mit echter Solidarität und Gemeinschaftssinn bekämpfen lassen.

Wenn ein achtjähriges Mädchen im afrikanischen Sierra Leone durch eine Vergewaltigung mit HIV infiziert wird und wenn die Witwe aus dem indischen Alahabad erst durch Nachfragen Ihres Bruders erfährt, dass ihr Mann an Aids gestorben, sie selbst HIV-infiziert ist und sich dann nicht traut, mit ihren eigenen Kindern darüber zu sprechen, geschweige denn, sie testen zu lassen, dann ist eines deutlich: Diese Probleme können nicht mit Tabletten gelöst werden.

Tabletten lösen Probleme nicht

Ebensowenig wie die Perspektivlosigkeit, die nicht nur in Russland und der Ukraine Jugendliche in die Drogen-Gemeinschaft der geteilten Spritzen und Drogenbestecke abrutschen lassen.

Wer meint, mit pharmazeutischen Errungenschaften allein die Seuche HIV/Aids bekämpfen zu können, hat ebenfalls verkannt, dass es in den meisten Ländern nicht nur darum geht, allen HIV-Infizierten den kostenlosen Zugang zu Anti-retroviralen Medikamenten zu ermöglichen.

Armut als Grundproblem

Wenn der allgemeine Gesundheitszustand eines Menschen auf Grund Mangel- und Unterernährung oder aufgrund häufig auftretender Infektionen wie Hepatitis oder Tuberkulose geschwächt ist, lassen sich auch keine Leber belastenden ARV-Medikamente verabreichen. Den Ernährungszustand vieler HIV-Positiven zu verbessern, kostet weitaus mehr als ein paar Tabletten: Auch hier geht es um Armutsbekämpfung, Bildung, Entwicklung und eine gesundheitliche Grundversorgung.

HIV/Aids muss in einem viel größeren Zusammenhang gesehen werden, wichtig ist eben keineswegs nur das medizinisch Mögliche. Auch deshalb ist die Ankündigung der Bundesregierung zu begrüßen, im Rahmen der Deutschen Doppelpräsidentschaft in EU und G8 dem Thema HIV/AIDS einen hohen Stellenwert einzuräumen. Dabei darf es aber nicht bei schönen Absichtserklärungen bleiben. Denn es wird sich nur etwas ändern, wenn die Ankündigung auch mit der notwendigen Einsicht zum ganzheitlichen Handeln verbunden ist.

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