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Wirtschaft

Das unendliche digitale Universum

Der Cyberspace wächst - und zwar in einem rasanten Tempo. Eine unvorstellbare Menge an Daten wird rund um die Uhr erzeugt. Die IT-Industrie bastelt eifrig an Technologien zur Bewältigung dieser Datenflut.

Symbolbild Cloud Computing (Grafik: DW)

Auf den ersten Blick haben physisches und digitales Universum nicht viele Gemeinsamkeiten. Spricht man von ersterem, tauchen insbesondere Begriffe wie Planeten, Kometen und Galaxien auf. Bei letzterem ist eher von Bits und Bytes die Rede. Doch in einem Punkt sind physisches und digitales Universum gar nicht so unterschiedlich: Ihre immense Größe entzieht sich schlechthin unserer Vorstellungskraft.

IBM Festplattenlaufwerk von 1956 (Foto: IBM)

Diese Festplatte von IBM konnte 1956 sagenhafte fünf Megabyte speichern - das entspricht etwa zwei MP3-Musikfiles

In den letzten zwei Jahrzehnten hat das digitale Universum einen explosionsartigen Wachstumsschub hingelegt. Mittlerweile schwirren fast so viele Bits an Informationen durch den digitalen Kosmos wie es Sterne im Weltall gibt. Statistisch gesehen verdoppelt sich das globale Datenvolumen alle zwei Jahre. Noch in diesem Jahr werden voraussichtlich 1,8 Zettabyte Daten erzeugt und kopiert. Dies geht aus der kürzlich veröffentlichten Studie "Digital Universe" der Marktforschungsfirma IDC im Auftrag des Speicherspezialisten EMC hervor.

Unvorstellbares Datenwachstum

Unter der Einheit Zettabyte können sich die meisten Menschen wahrscheinlich nicht so recht etwas vorstellen. Würde man 1,8 Zettabyte in Byte umrechnen, erhielte man eine Zahl mit zwanzig Nullen. "Diese Datenmenge entspricht mehr als 200 Milliarden Filmen in hochauflösender Qualität. Ein einzelner Mensch wäre 47 Millionen Jahre ununterbrochen damit beschäftigt, sich alle diese Filme anzuschauen", erklärt Sabine Bendiek, Geschäftsführerin von EMC Deutschland, gegenüber DW-WORLD.DE.

Sabine Bendiek (Foto: EMC Deutschland)

Sabine Bendiek: "Bis 2015 die vierfache Datenmenge"

Das unablässige Datenwachstum lässt sich auf eine Vielzahl von Faktoren zurückführen. Zum einen beschleunigen verbesserte Technologie und Rechenleistung die Digitalisierung von Daten (z.B. Fotos, Musik, Filme), die bisher nur analog vorhanden waren. Allein auf YouTube werden nach Angaben des Internetportals pro Minute 35 Stunden Videomaterial hochgeladen. Zum anderen wird es immer billiger, Daten digital zu erfassen. In den Jahren 2005 bis 2011 sind die Kosten für einen Gigabyte Speicherplatz von circa 18 auf knapp unter drei US-Dollar gesunken.

Ein Ende des rasanten Datenwachstums ist laut EMC vorerst nicht in Sicht. Bis zum Jahr 2015 prognostiziert der Speicherspezialist eine Expansion des digitalen Universums auf insgesamt 7,9 Zettabyte.

Cloud Computing

Im Zusammenhang mit der explosionsartigen Zunahme der globalen Datenflut ist in jüngster Zeit immer häufiger vom sogenannten Cloud Computing bzw. der Rechnerwolke die Rede. "Das Datenwachstum verläuft so rasant, dass einzelne Personen oder Unternehmen es künftig nicht mehr alleine mit ihrem heimischen PC oder der firmeninternen Infrastruktur bewältigen können", sagt Sabine Bendiek. "Wir werden daher eine Entwicklung von herkömmlichen IT-Umgebungen hin zu Cloud-Computing-Lösungen erleben, die diese Datenmenge wesentlich flexibler und kostengünstiger verarbeiten können."

Screenshot dropbox (Foto: dropbox)

Nutzer sollen ihre Daten in die Wolke verlagern, zum Beispiel auf dropbox

Hinter dem Ausdruck Cloud Computing verbirgt sich das Konzept, IT-Ressourcen wie Software, Rechenkapazitäten oder Speicher als Dienstleistung über Netze (meist das Internet) zur Verfügung zu stellen. Nutzer dieser Technologie sind folglich nicht mehr darauf angewiesen, ihre Festplatte und Programme selbst anzuschaffen, zu installieren und zu aktualisieren. Sie können die benötigte Rechnerinfrastruktur und Software einfach für den gewünschten Zeitraum bei externen Anbietern anmieten.

Ganz neu ist diese Technologie nicht, denn schon jetzt machen Internetnutzer von einigen Möglichkeiten der Cloud Gebrauch. Auch wer Fotos online stellt oder Videos hochlädt, nutzt die Speicherkapazitäten eines externen Rechenzentrums.

Viele Chancen, aber nicht ohne Risiken

Insbesondere für Unternehmen hat Cloud Computing den Vorteil, dass sie auf teure Investitionen und Software-Lizenzen verzichten können. Stattdessen haben sie die Möglichkeit, gezielt die Leistungen einzukaufen, die gerade erforderlich sind. Die Bezahlung der Dienste richtet sich dabei nach der tatsächlichen Nutzung. Ein weiterer Vorteil der Cloud liegt darin, dass die dort gespeicherten Daten von überall her abgerufen und bearbeitet werden können - vorausgesetzt eine stabile und schnelle Datenverbindung ist vorhanden. Im Zeitalter von Laptop, Smartphone oder iPad müssen die Informationen somit nicht auf jedem Gerät einzeln gespeichert werden.

In einigen Jahren könnte die Entwicklung des Cloud-Service soweit fortgeschritten sein, dass PCs gänzlich ohne eigene Festplatten auskommen und Firmen ihre Rechenzentren komplett auslagern. Der deutsche IT-Branchenverband BITKOM bezeichnet Cloud Computing schon jetzt als den neuen "Megatrend" der Branche, der die Art und Weise, wie IT-Leistungen bereitgestellt und genutzt werden, grundlegend verändert.

Doch die Nutzung der Cloud ist in mancher Hinsicht noch eine undurchsichtige Angelegenheit. Der Umgang mit sensiblen Daten ist genauso ein Thema wie der Schutz der Unmengen von Informationen vor Gefahren wie Diebstahl, Sabotage und Viren.

Autorin: Mareike Theisling
Redaktion: Rolf Wenkel

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