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Afrika

Das Supermodel und Liberias Diktator

Naomi Campbell sagt im Kriegsverbrecherprozess gegen Charles Taylor aus. Der Ex-Präsident Liberias soll ihr 1997 mindestens einen Blutdiamanten geschenkt haben. Die Diamanten stammten aus Sierra Leone.

Bilder von Naomi Campbell (rechts) und Charles Taylor (Foto: dpa)

Naomi Campbell soll von Charles Taylor einen "Blutdiamanten" geschenkt bekommen haben

Elf Jahre lang, bis ins Jahr 2002, tobte der Bürgerkrieg in Sierra Leone. Ein wichtiger Grund, warum er so lange dauern konnte, war die Finanzierung der Rebellen aus den Erlösen durch Diamantenschmuggel. Charles Taylor war damals Präsident des Nachbarlandes Liberia. Er soll an diesem Diamantenhandel teilgenommen und den Bürgerkrieg weiter angefacht haben. Darüber hinaus wirft ihm das Sondertribunal für Sierra Leone im niederländischen Den Haag Mord, Einsatz von Kindersoldaten, Verstümmelungen und Plünderungen vor. Taylor weist diese Vorwürfe zurück.

Aber der Prozess hat auch wegen einer Zeugin für Aufsehen gesorgt. Supermodel Naomi Campbell sagte am Donnerstag (05.08.2010) gegen den Ex-Präsidenten aus. Hätte sie es nicht getan, hätte ihr eine Haftstrafe gedroht. Doch was hat das Model mit dem "Schlächter von Liberia" zu tun?

Ein Geschenk von Taylor?

Arbeiter in einer Diamantenmine in Sierra Leone (Foto: AP)

In diesen Minenlöchern mussten Zwangsarbeiter nach Diamanten schürfen

Ein Abend im Jahre 1997: Das internationale Topmodel Naomi Campbell ist zu Gast bei einer Feier von Nelson Mandela in Südafrika. Sie trifft dort auch den ehemaligen Machthaber Liberias - Charles Taylor. Dieser ist so begeistert von der Schönheit des Supermodels, dass er ihr nach dem Fest mindestens einen großen, ungeschliffenen Diamanten auf ihr Hotelzimmer bringen lässt. An dem Diamanten soll Blut kleben - das von den ausgeplünderten Zwangsarbeitern aus den Minen in Sierra Leone. An diesem Donnerstag hat Naomi Campbell ihren Bewunderer wieder gesehen. Nur sitzt dieser mittlerweile auf der Anklagebank in Den Haag und sie sollte gegen ihn aussagen.

Bei dem im Januar 2008 begonnenen Prozess wird zum ersten Mal ein ehemaliges, afrikanisches Staatsoberhaupt vor Gericht gestellt. Ein bahnbrechender Prozess, wie Elly Harrowell von der britischen Menschenrechtsorganisation "Global Witness" erklärt: "Diese Art von Prozess setzt ein klares Signal, dass diejenigen, die gravierende Verbrechen gegen Menschen begehen, zur Rechenschaft gezogen werden. Und Charles Taylor wird zur Verantwortung gezogen für das, was er gemacht hat."

Ein Prozess ohne Ende?

Kindersoldaten in Sierra Leone (Foto: AP)

Charles Taylor soll auch Kinder als Soldaten missbraucht haben

Aber das Verfahren verlief bislang nicht ohne Probleme. Es hatte sich immer wieder verzögert. Zunächst in Sierra Leone begonnen, musste es aus Sicherheitsgründen nach Den Haag verlegt werden. Als der Prozess dann im Juni 2007 offiziell beginnen sollte, gab es weitere Verzögerungen: Taylor weigerte sich, vor dem Gericht zu erscheinen, wechselte seinen Anwalt. Auch die Zeugen der Anklage wurden in Frage gestellt. Erst im Januar 2008 wurde der Prozess fortgesetzt.

Die Anklage hat 91 Personen als Zeugen aufgerufen. Nun wurde die glamouröseste von ihnen gehört - Naomi Campbell. Dazu Elly Harrowell von "Global Witness": "Man hat behauptet, dass Charles Taylor vor mehreren Jahren Naomi Campbell einen Blutdiamanten geschenkt hat, als die beiden zu Gast bei Nelson Mandela waren. Wenn man das beweisen kann, wird es Charles Taylors Verbindungen - klare Verbindungen - zu dem illegalen Diamantenhandel zeigen - etwas, was er bestreitet."

Eine Zeugin ohne Courage?

Charles Taylor vor Gericht (Foto: AP)

Der Diamant könnte sein Urteil bedeuten: Charles Taylor

Der Supermodel wollte zunächst nicht in die Sache verwickelt werden und hatte sich gegen eine Beteiligung an dem Verfahren gewehrt - aus Angst, dass ihr Ruf beschädigt und ihre Familie hineingezogen wird. Im April hat sie sogar behauptet, sie habe keine Diamanten bekommen. Doch zwei weitere Zeugen sollen das Diamantengeschenk bestätigen: Ihre ehemalige Agentin, die es selbst gesehen haben will, und Schauspielerkollegin Mia Farrow, der Campbell bei Frühstück von dem Rohdiamanten erzählt haben soll.

Jetzt hat Campbell vor dem Gericht ausgesagt, dass sie nach dem Star-Dinner bei Nelson Mandela mehrere "schmutzig aussehende" Diamanten geschenkt bekommen habe. Ob diese von Charles Taylor stammten, wisse sie aber nicht. Campbells Angaben könnten wichtig sein. Denn ob Taylor tatsächlich im Besitz von Blutdiamanten gewesen ist und damit den Krieg mit finanziert hat, ist ein zentraler Punk des Verfahrens. Alpha Sesay von dem Sondergericht in Sierra Leone: "Es wird Herrn Taylors Glaubwürdigkeit beschädigen, weil er ungefähr sieben Monate lang behauptet hat, er habe nie Diamanten in seinem Besitz gehabt, bis auf die, die er als Schmuck trug. Ob das genügt, um Herrn Taylor hinter Gitter zu bringen, kann man nicht sagen. Wir müssen abwarten."

Mit einem Urteil wird erst Mitte 2011 gerechnet. Aber selbst wenn Charles Taylor für schuldig befunden wird, ändert sich die Situation für Zehntausende Opfer des mit Diamanten finanzierten Bürgerkrieges nicht. Sie leiden immer noch unter den körperlichen und psychischen Folgen des Krieges und haben bis zum heutigen Tag kaum Entschädigungen bekommen.

Autor: Andrew Shale
Redaktion: Dirk Bathe

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