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Reise

Das Sternenzelt reicht nicht mehr

Früher reichten Luftmatratze, Schlafsack und Natur. Heute bieten immer mehr Campingplätze immer mehr Luxus. In Deutschland kommt der Trend zum "Glamping" erst langsam in Schwung.

Statt auf dem Boden liegen die Camper in Himmelbetten, haben eigene Toiletten und Küchen im Zelt, selbst die Frühstücksbrötchen bekommen sie geliefert. Was früher als Billigurlaub galt, ist heute eine hart umkämpfte Branche. "Glamping" - eine Wortschöpfung aus Camping und Glamour - ist in Europa seit einigen Jahren im Trend. Nur die Deutschen finden erst allmählich Gefallen daran.

Deutschland Campingplatz am Seehamer See 1963

Campingidylle 1963 am Seehamer See in Bayern

"Camping ist immer noch mit vielen Klischees verbunden: Mücken, versiffte Duschen und jede Menge Bier", sagt Jeroen Callewaert von der europaweiten Plattform Vacansoleil. Von den dort angebotenen rund 450 Glampingplätzen sind lediglich 13 in Deutschland.
Nur zögerlich investieren die Betreiber der deutschen Campingplätze in Golfplätze, 24-Stunden-Service oder Pool-Anlagen. "Viele Campingplätze haben noch keine Glamping-Standards. Ein Pool ist zum Beispiel in unserem Angebot Pflicht" , erläutert Callewaert.

Frankreich Pool von Zeltplatz in Frejus Riviera Cote d'Azur

Wasserlandschaft eines Campingplatzes in Südfrankreich

Ob mit oder ohne Pool - insgesamt verzeichneten die Betreiber in Deutschland nach Angaben des Bundesverbandes der Campingwirtschaft 2015 mehr als 29 Millionen Übernachtungen, 4,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Acht Prozent aller Deutschen geben laut dem Statistischen Bundesamt an, im Sommer das Zelt dem Hotel-Pool vorzuziehen - am liebsten in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Luxus und Hotelservice als Standard gibt es nur auf wenigen Plätzen. Das soll sich aber in Zukunft ändern.

Die Campingbetreiber hätten besonders in den vergangenen fünf Jahren an der Qualität ihrer Plätze gearbeitet, sagt Viktoria Groß vom Deutschen Camping Club (DCC), der 110.000 Mitglieder hat.

Deutschland Regenbogen-Camp Prerow

Camping zwischen den Dünen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Immerhin gibt es schon einige Campingplätze mit WLAN, Flachbildschirmen oder Gourmetköchen, die am Lagerfeuer Mehr-Gänge-Menüs zubereiten. Betreiber und Gäste orientieren sich neu. Gründe dafür seien lange Schlechtwetter-Perioden in Südeuropa oder Terrorgefahr an beliebten Reisezielen, sagt Groß. Viele wollten deshalb nicht mehr lange im Voraus buchen, sondern spontan etwa mit ihren Wohnmobilen losziehen. Trotzdem wollen Camping-Urlauber auf dem Stellplatz nicht gänzlich auf Hotelkomfort verzichten.

Die Angebote der Betreiber und Outdoor-Hersteller werden vielfältiger: Fest installierte Holzhäuser in Fassform oder riesige Luxus-Wohnmobile mit eingebautem Whirlpool im Dach.

"Campen und nebenan der eigene Golfplatz oder auch ein eigener Spa-Bereich - dabei hätte man vor ein paar Jahren noch den Kopf geschüttelt", sagt Groß. Dafür seien die Deutschen auch bereit, einiges auszugeben. Ließ ein Urlauber laut einer Studie noch vor zehn Jahren im Durchschnitt knapp 27 Euro am Tag auf dem Campingplatz, waren es 2010 schon knapp 46 Euro. Heute sind es bis zu 70 Euro, schätzt Groß. Bei Anbietern wie Vancansoleil ist es sogar das Doppelte. Im Schnitt gibt eine Glamping-Familie rund 1500 Euro für eine Woche in einem 80 Quadratmeter großen Safarizelt aus.

Deutschland Waldseilgarten Höllschlucht

Schwebebett im Waldseilgarten Höllschlucht bei Pfronten in Bayern

Zur wichtigsten Zielgruppe zählen die Familien. "Durch das Glamping kommen Menschen mit Camping in Berührung, die sonst damit nichts anfangen konnten", erklärt Groß. "Die meisten wollen es einfach mal ausprobieren, langfristig aber sind die Deutschen noch weit entfernt, Glamper zu sein. Dafür sind sie zu naturverbunden."

is/ks (dpa)

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