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Aktuell Nahost

Das Sterben im Gazastreifen geht weiter

Der Gazastreifen wird zur Todeszone. Israel setzt die massiven Angriffe fort und will auch in den kommenden Tagen nicht nachlassen. Nun schlagen, nach palästinensischen Angaben, die Granaten schon in Krankenhäusern ein.

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Telefonschalte mit DW-Journalist Ahmed Jounis in Gaza-Stadt

So seien durch den israelischen Beschuss einer Klinik im Gazastreifen am Montag vier Menschen getötet und 16 weitere verletzt worden, teilten palästinensische Behörden mit. Eine Panzergranate sei im dritten Stock des Al-Aksa-Hospitals eingeschlagen, wo sich die Intensivstation und die Operationssäle des Krankenhauses befänden. Dort habe es die Toten und Verletzten gegeben. Weitere Granaten seien in der Umgebung des Krankenhauses eingeschlagen. Die palästinensischen Behörden hätten das Rote Kreuz gebeten, bei der Evakuierung der Patienten zu helfen.

Vom israelischen Militär war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Israel hat der radikal-islamischen Hamas wiederholt vorgeworfen, Raketen aus Krankenhäusern, Schulen oder Wohnhäusern abzufeuern oder Schutz in den Gebäuden zu suchen. Eine Militärsprecherin in Tel Aviv sagte, man prüfe den Bericht. In den vergangenen Tagen hat israelische Artillerie mehrfach Gebiete im Gazastreifen beschossen, bevor dorthin Bodentruppen vorrückten.

Der bewaffnete Flügel der im Gazastreifen herrschenden Hamas teilte mit, es gebe Feuergefechte mit der Armee im nördlichen, östlichen und zentralen Gazastreifen. Die Organisation bekannte sich auch zu Raketenangriffen auf Israel. Sie bestätigte, zehn ihrer Mitglieder seien bei einem heftigen Gefecht mit israelischen Soldaten im Norden des Gazastreifens getötet worden.

Die Zahl der getöteten Palästinenser seit Beginn der israelischen Offensive vor fast zwei Wochen stieg am Montag auf 526, wie die Rettungsbehörden mitteilten. Mehr als 3200 Menschen seien verletzt worden. Bei Gefechten im Gazastreifen wurden nach Angaben der israelischen Armee weitere sieben Soldaten getötet. Damti kamen seit Beginn der Offensive am 8. Juli 25 Soldaten zu Tode.

Warnung per SMS, Telefonansagen und Flugblätter

Die israelische Armee hatte die Einwohner der betroffenen Gebiete vor ihren Angriffen wiederholt gewarnt und zum Verlassen ihrer Häuser aufgerufen. Vor allem Menschen im Randbereich des Wohngebiets leisteten den Aufrufen Folge, die über Flugblätter, SMS-Nachrichten und Telefonansagen übermittelt wurden. Das Innenministerium der Hamas rief die Einwohner jedoch dazu auf, nicht die Flucht zu ergreifen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben inzwischen mindestens 85.000 Menschen in Einrichtungen des Palästinenserhilfswerks UNWRA Schutz vor den ständigen Bombardements gesucht. Beobachter gehen davon aus, dass ungefähr noch einmal so viele Palästinenser bei Freunden oder Verwandten untergekommen sind.

Blick auf Gaza-Stadt nach Angriffen (Foto: Reuters)

Rauch über den Häusern in Gaza-Stadt

Es könnten noch schwere Tage bevorstehen, kündigt der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Ausweitung der Offensive an. Dabei hatte der UN-Sicherheitsrat doch eine Feuerpause und den Schutz der Bevölkerung verlangt. "Wir sind sehr besorgt um die Zivilisten im Kampfgebiet", hieß es in New York. US-Außenminister John Kerry wurde angesichts der dramatischen Lage zu neuen Vermittlungsbemühungen in Kairo erwartet.

Diplomatische Initiativen

Dort traf inzwischen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zu Gesprächen mit dem ägyptischen Außenminister Sameh Schukri ein. Ägypten hat traditionell eine Vermittlerrolle bei Konflikten zwischen Israel und der Hamas. Parallel dazu kamen in der katarischen Hauptstadt Doha Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der Führer der Hamas-Exilorganisation, Chaled Maschaal, zusammen, um über Möglichkeiten für eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt zu sprechen.

Die Bundesregierung appellierte eindringlich an Israelis und die Palästinenser, bei den Kämpfen im Gazastreifen Zivilisten zu verschonen. Es seien bereits viel zu viele Unschuldige ums Leben gekommen, erklärte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, im Namen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin. "Uns geht es darum, dass von beiden Seiten alles unternommen wird, Opfer unter Zivilisten zu vermeiden" - und dass die Kämpfe möglichst schnell beendet würden. Doch danach sieht es im Moment nicht aus.

ml/kle (dpa,rtr,afp)

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