1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Stadtbilder

Das solltet ihr in Heidelberg gesehen haben

In der ganzen Welt ist Heidelberg für sein romantisches Märchenschloss über der hübschen Altstadt berühmt. Doch nicht nur das: Die Stadt lebt auch von ihrer Universität – jeder fünfte Einwohner ist Student.


Das Heidelberger Schloss

Heidelberger Schloss

Heidelberger Schloss

Besonders Japaner und Amerikaner lieben sie: die Heidelberger Schlossruine inmitten grüner Hänge, hoch über der Altstadt. Die verfallenen Gebäude, Türme und Mauern aus dem roten Sandstein der Region sind genau das, was sich viele unter Romantik vorstellen. Von den Schlossterrassen bietet sich ein idealer Blick auf die Stadt.

Das Schloss war seit dem 13. Jahrhundert Sitz der regierenden Kurfürsten. Sein Bau erstreckte sich über mehrere Jahrhunderte, und es entstand eine Mischung unterschiedlicher persönlicher Vorlieben und Stile, vor allem aus Gotik und Renaissance. Jeder Bewohner ließ seinen eigenen Palast erbauen. Entsprechend sind die Bauten nach Ruprecht III., Friedrich IV., Ottoheinrich und Ludwig V. benannt.

Mit dem Dreißigjährigen Krieg begann im 17. Jahrhundert die Zerstörung des Schlosses. Es erlebte Angriffe, Blitzeinschläge, Brände und Sprengungen. Nach einigen gescheiterten Wiederaufbauversuchen wurden die Ruinen schließlich als Steinbruch genutzt, zwischen ihren Überresten graste Vieh. Erst im 19. Jahrhundert entdeckten Romantiker den Ort wieder.

Heute zieht das Schloss jährlich rund eine Million Besucher aus aller Welt an. Sie schauen sich den Schlosshof an, spazieren durch den großen Schlossgarten, besuchen das Apothekenmuseum, trinken in der ehemaligen Sattelkammer einen Kaffee und besteigen das riesige Weinfass, in das über 200.000 Liter hineinpassen. Ein besonderer Höhepunkt ist die Schlossbeleuchtung, bei der ein Feuerwerk an drei Sommerabenden im Jahr an die Zerstörung des Schlosses durch die Franzosen erinnert. An diesen Sommerabenden versammeln sich Tausende von Einheimischen und Touristen auf den Neckarwiesen, um das romantische Spektakel zu verfolgen.


Der Heiligenberg

Thingstätte Heidelberg

Thingstätte Heidelberg

Der Heiligenberg bietet nicht nur ein atemberaubendes Panorama: Wer zu einer kleinen Wanderung bereit ist, kann hier, inmitten der Natur und doch nahe der Stadt, geschichtsträchtige Orte entdecken. Die kleine Straße, über die man auf den Heiligenberg gelangt, ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt: der Philosophenweg.

Der extrem steile Weg beginnt im Heidelberger Nobelviertel Neuenheim. Er führt zunächst an Universitätsgebäuden und einigen der wohl teuersten Villen der Stadt vorbei. Der Name „Philosophenweg“ stammt vermutlich von den Heidelberger Studenten, die sich von der Schönheit dieses Ortes inspirieren ließen – denn Studenten mussten früher vor Beginn des Fachstudiums Philosophie studieren und wurden „Philosophen“ genannt. Heute glauben allerdings viele Besucher, dass die Bezeichnung auf die berühmten Dichter und Denker wie Goethe, Hegel, Hölderlin, Eichendorff und Mark Twain zurückgeht, die gerne hierher kamen.

Bis zum Gipfel ist es etwa eine Stunde Fußmarsch. Kurz vorher passiert man die Thingstätte, ein großes Freilichttheater aus Stein, in dem 20.000 Menschen Platz finden. Nach dem Vorbild germanischer Versammlungsorte bauten die Nationalsozialisten die Anlage für Propagandazwecke. Nach dem zweiten Weltkrieg blieb die Thingstätte – bis auf vereinzelte Open-Air-Veranstaltungen – weitgehend ungenutzt und verfiel.

Nur 100 Meter entfernt befindet sich der höchste Punkt des Heiligenberges. Von hier bietet sich ein grandioser Blick über die Altstadt und das Schloss, den Neckar und die weite Rheinebene. Hier befinden sich auch die Reste des Michaelklosters – von dem der Berg seinen Namen hat, denn das Kloster war „allen Heiligen“ gewidmet. Die zwischen 873 und 1033 erbaute Anlage wurde etwa 500 Jahre lang von Mönchen bewohnt. Heute sind allerdings nur noch die Ruinen vorhanden.

Wer noch mehr auf dem Heiligenberg entdecken möchte, kann sich zum Beispiel das Stephanskloster, das Heidenloch und die Bismarcksäule anschauen. Wer nicht so gut zu Fuß ist, gelangt übrigens auch mit dem Auto bis fast zum Gipfel des Heiligenbergs.


Das Cave 54

Cave 54 in Heidelberg

Cave 54

Versteckt in der schmalen Krämergasse der Heidelberger Altstadt liegt das Cave 54, das sich selbst als „Deutschlands ältesten Studenten-Jazzclub“ bezeichnet. Ein Besuch könnte so ablaufen: Ein Mann mit grauem Bart schaut durch eine Luke in der Tür und kassiert das Eintrittsgeld. Dann darf man an der Bar vorbei zur eisernen, schmalen Wendeltreppe gehen, die hinunterführt. Das Treppchen ist so eng, dass man Entgegenkommenden lieber den Vortritt lässt, als sich an ihnen vorbeizuschieben. Es führt in ein kleines, dunkles Kellergewölbe mit einer Bar und einer kleinen Bühne.

Gerade werden die Rolling Stones gespielt, und ein 68er in knallengen Jeans tanzt neben Studenten im Poloshirt. Unter dem Gewölbe sitzen Gäste mit Bierflaschen in der Hand auf eigenartig geformten, metallenen Sitzgelegenheiten. Über den Köpfen der Tanzenden schmückt ein Gebilde die Decke, das wie eine Zusammenstellung versilberter Klopapierrollen mit ein bisschen Alufolie aussieht.

1954 wurde der Club von Heidelberger Studenten als "Verein zur Förderung und Pflege studentischer Geselligkeit" gegründet. Hier trafen sie sich zum Diskutieren, zum Wein trinken – und zu ihren legendären Jamsessions, deren bekannteste Musiker Legenden wie Louis Armstrong und Ella Fitzgerald waren.

Heute gibt es neben den Sessions Jazz-, Blues- oder Rockkonzerte und Diskoabende, bei denen die Musik aus den letzten Jahrzehnten aufgelegt wird. Auf Techno und deutschen Schlager wartet man allerdings vergeblich. Das Cave 54 lebt von seinem höhlenartigen Altrocker-Charme – und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.


Glossar

romantisch – hier: so, dass man an Liebe denkt; gefühlvoll (Substantiv: die Romantik)

Ruine, die – der Rest eines zerstörten Gebäudes

etwas verfällt – hier: ein Gebäude geht langsam kaputt, weil es nicht gepflegt und repariert wurde

Kurfürst/in, der/die – eine Person des Adels, die früher den deutschen Kaiser wählte

etwas erstreckt sich über – etwas dauert eine bestimmte Zeit

Vorliebe, die – etwas, was jemand besonders mag; ein besonderes Interesse

Gotik, die – ein europäischer Kunst- und Architekturstil, in Deutschland vom 13. bis zum 16. Jahrhundert

Renaissance, die (aus dem Französischen) – ein europäischer Kunst- und Architekturstil, in Deutschland vor allem im 16. und frühen 17. Jahrhundert

Dreißigjährigen Krieg, der – großer europäischer Krieg von 1618 bis 1648, vor allem auf deutschem Gebiet

Blitzeinschlag, der – das Ereignis, bei dem ein elektrischer Gewitterblitz auf etwas trifft

Sprengung, die – der Versuch, etwas durch eine Explosion zu zerstören

Steinbruch, der – eine Stelle, wo Steine aus dem Boden, dem Fels oder den Mauern geholt werden

Sattelkammer, die – ein Raum, in dem Dinge, die man zum Reiten braucht, gelagert werden

Feuerwerk, das – eine Veranstaltung, bei der kleine Raketen im Himmel explodieren und dabei knallen und buntes Licht erzeugen

Spektakel, das – eine große, besondere Veranstaltung; ein interessantes Ereignis

etwas verfolgen – hier: sich etwas interessiert angucken

***

atemberaubend – beeindruckend; wunderschön

Panorama, das – die Aussicht

geschichtsträchtig – so, dass in der Vergangenheit viel passiert ist; so, dass etwas an die Vergangenheit erinnert

Nobelviertel, das – der Stadtteil mit vielen sehr großen, schönen und teuren Häusern

Rheinebene, die – eine sehr breites Tal, das entlang des Flusses Rhein verläuft

sich inspirieren lassen – sich auf Ideen bringen lassen

Gipfel, der – der höchste Punkt eines Berges

Freilichttheater, das – eine Bühne unter freiem Himmel

Propaganda, die – hier: eine Art politischer Werbung, mit der die Gedanken und das Verhalten von Menschen beeinflusst werden sollen

etwas verfällt – etwas geht langsam kaputt

Kloster, das – eine Anlage, in der Mönche zusammen leben, arbeiten und beten

etwas wird jemandem gewidmet – hier: etwas wird speziell für eine Sache/jemanden gemacht

Mönch, der – ein religiöser Mensch, der mit anderen Mönchen unter sehr einfachen Bedingungen zusammenlebt

Ruine, die – der Rest eines zerstörten Gebäudes

***

Luke, die – eine kleine Öffnung; ein kleines Fenster

etwas kassieren – hier: von jemandem Geld für etwas nehmen

Wendeltreppe, die – eine runde Treppe, über die man im Kreis hinauf- oder hinabsteigt

jemandem den Vortritt lassen – jemanden zuerst etwas machen lassen

Gewölbe, das – die rund geformte Decke eines Raums

68er/in, der/die – eine Person, die in den Studentenbewegungen Ende der 1960er Jahre aktiv war

Gebilde, das – etwas, dessen Form sich nicht klar beschreiben lässt

Alufolie, die – das Silberpapier aus dem Metall Aluminium, das z. B. zum Verpacken von Lebensmitteln verwendet wird

Geselligkeit, die – das zwanglose, unterhaltende Zusammensein mit anderen

Jamsession, die – das Zusammenspiel mehrerer Instrumente, bei dem ohne Noten und ohne feste Vorgaben gespielt wird

Schlager, der – das populäre Lied mit einem einfachen Text und einer einfachen Melodie

vergeblich – ohne Erfolg

Altrocker/in, der/die – umgangssprachlich für: jemand, der schon älter ist, Rockmusik mag, oft lange Haare hat und enge Jeans oder Lederkleidung trägt


Autorin: Anne Gassen
Redaktion: Ingo Pickel



Und hier zeigt euch ein Heidelberger, welche drei Sehenswürdigkeiten sonst noch einen Besuch wert sind:

Video ansehen 04:11

Drei Reisetipps für Heidelberg (Flash)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema