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Afrika

Das Schicksal der Fischer im Senegal

Die Auswirkungen der Globalisierung sind Thema auf dem Weltsozialforum in Dakar. Die sind auch im Senegal sichtbar. Beim Fischfang zum Beispiel. Im harten internationalen Wettlauf ziehen Senegals Fischer den Kürzeren.

Fischerboote im Senegal (Bild: DW)

Angst um die Existenz: Fischer im Senegal

Kayar, ein Fischerdorf nördlich von Dakar. Am Strand springen Kinder herum, Frauen warten mit Plastikeimern am Wasser. Die ersten Fischer legen mit ihren schmalen, bunt bemalten Pirogen an. Die ganze Nacht waren sie mit ihren Netzen draußen auf dem Meer. So wie fast alle der rund 50.000 Fischer an Senegals Küste betreiben sie auch in Kayar die Art des Fischfangs, die man "la pêche artisanale" nennt – das "handwerkliche Fischen". Mit Nostalgie, mit Idylle, hat das nichts zu tun. Auf dem Gesicht von Fischer Abdou Sacor Kharma werden die Sorgenfalten immer tiefer. Vorbei die Zeiten, als die Fischer an der Küste noch tonnenweise Fisch aus dem Wasser geholt haben, im Wert von umgerechnet 13 Millionen Euro pro Jahr.

Krieg um Fischbestände

"Es gab eine Zeit, da haben wir versucht, es mit den Ausländern aufzunehmen, aber das ging nicht lange gut", sagt Abdou Sacor Kharma. "Dann mussten wir uns selbst Fangquoten auferlegen. Statt zehn Kisten Fisch fingen wir erst fünf, dann nur noch drei pro Tag. Wir versuchen, die Bestände zu schützen und gleichzeitig gute Preise für unseren Fisch zu erzielen". Wo vor dreißig Jahren ein einzelner Fischer noch 40 Kilo Fisch fangen konnte, verteilen sich heute diese 40 Kilo auf zehn Fischer. Denn an der Küste spielt sich ein regelrechter Krieg um die Fischbestände ab. Bis vor ein paar Jahren waren es noch die industriellen Trawler aus der Europäischen Union, heute sind es die schwimmenden Fischfabriken aus China, Japan und Korea, die mit Sonarortungssystemen die tiefen Zonen des Atlantiks leer räumen. Was übrig bleibt, fischt die senegalesische Fangflotte weg. Und in den oberen Meereszonen werfen die Pirogenfischer selbst ihre altmodischen Netze aus.

Angst um Lebensgrundlage

Fischer im Senegal (Foto: picture alliance)

Die lokalen Fischer müssen sich mit Restbeständen begnügen

In Kayar haben sie Angst um ihre wichtigste Lebensgrundlage. Sie versuchen mit ihren bescheidenen Mitteln zu retten, was zu retten ist. Sie beschränken ihren Fang und verbessern die Organisation des Fischereisektors. Jeder, der mit einer Piroge als Fischer sein Geld verdienen will, braucht ab sofort eine Genehmigung. Khalla Niang kontrolliert die Holzboote im Auftrag der Fischereidirektion. In Kayar habe sich die Zahl der Pirogen in zehn Jahren mehr als verdoppelt, sagt Niang. "Heute haben wir hier mehr als 1000 kleine Fischerboote. Und die werden alle registriert. So behalten wir den Überblick und schützen damit unsere wichtigste Ressource, den Fisch".

Mit dem Ergebnis, dass die Preise steigen. Früher kostete eine Kiste Fisch auf dem Markt von Kayar 1,50 Euro. Mittlerweile müssen die Kunden über zehn Euro dafür hinblättern, manchmal sogar fünfundzwanzig. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass die Fischer dadurch mehr verdienen. Denn erstens scheren sich viele ausländische Fangflotten nicht um Fangquoten. Und zweitens machen die hohen Benzinpreise den Pirogenfischern einen Strich durch die Rechnung, denn die müssen sie an ihre Kunden weitergeben.

Lehrstück der Globalisierung

Frau im Senegal bereitet Fisch für den Markt vor (Foto: picture alliance)

Zukunft ungewiss: wie lange wird der Fisch reichen?

Ironie des Schicksals und Lehrstück der Globalisierung: Die Frauen des Fischerdorfs bleiben auf ihrem nachhaltig gefangenen Fisch sitzen. Lagern können sie ihn nicht. Die Pirogenfischer von Kayar machen ihre Umwelt-Hausaufgaben, gegen alle anderen Einflüsse sind sie machtlos. Noch können sie vom Fischfang leben. Aber niemand weiß, wie lange das noch gut gehen kann. Und wenn sie aufgeben müssen, bleibt ihnen nur die Gewissheit, dass sie alles versucht haben. Manch ein Fischer hat seine Piroge schon verkauft und zum Schlepperboot für afrikanische Flüchtlinge umfunktioniert.

Autor : Alexander Göbel
Redaktion: Katrin Ogunsade

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