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Amerika

Das Scheitern der Angepassten

Die Demokraten sind bei den US-Wahlen gescheitert. In der Zukunft kann ihnen nur der Abschied von ihrer Anpassung an republikanische Politik helfen, schreibt Thomas Greven.

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Wahlkämpfe betonen Unterschiede. Und so kann der Eindruck entstehen, mit John Kerry hätte im Kontext eines kulturell extrem polarisierten Amerika ein ganzes Weltbild deutlich verloren, und als müssten die Demokraten nun auf den Feldern der Moral, der Werte, der Religion Abbitte gegenüber einem Volk leisten, das anscheinend so ganz anders "tickt" als die tonangebenden Kräfte in dieser Partei. Schon raten tatsächlich die ersten Strategen dazu, sich wieder stärker an den Werten des amerikanischen "Herzlandes" zu orientierten.

Großer Bonus - kleiner Vorsprung

Aber erstens ist der Eindruck einer umfassenden Niederlage falsch! Und zweitens wäre eine an "traditionellen" Werten orientierte Strategie nicht nur grundfalsch für die Demokraten, sondern eine Tragödie für Amerika und die Welt. George W. Bush hat einen recht klaren, aber keinen überwältigenden Sieg errungen: Bedenkt man, dass Amtsinhaber in Krisenzeiten und insbesondere im Kontext äußerer Bedrohung gewöhnlich einen großen Bonus genießen, ist sein Vorsprung sogar vergleichsweise schmal ausgefallen. Und bei Präsidentschaftswahlen "schwimmt" die Partei des Präsidenten auf dessen Bonus mit (so genannte coattails). Schon bei den Zwischenwahlen 2006 können die Demokraten im Kongress jedoch wieder etwas aufholen, insbesondere weil die parteipolitische Neuorientierung im Süden nun fast ganz abgeschlossen ist.

Demokraten stärker im Kampf der Ideen

Mit dem New Deal in den 1930er-Jahren begann eine jahrzehntelange Dominanz der Demokratischen Partei, die sich als fähiger erwiesen hatte, mit der großen Wirtschaftskrise umzugehen. Doch stellten die Demokraten bis in die 1970er Jahre nicht nur die meisten Präsidenten und jahrzehntelang die Kongressmehrheiten, nein, ihre keynesianische Wirtschafts- und Wohlfahrtsstaatspolitik war auch hegemonial: Sie wurde auch von den Republikanischen Präsidenten Eisenhower und Nixon nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Die Republikanische Rechte attackierte diese Präsidenten als "Me-Too"-Kandidaten, also solche, die in grundlegenden Fragen keine "Alternative, sondern nur ein Echo" der Demokratischen Politik anboten. Republikaner konnten – auch dank des großen finanziellen Vorteils der Republikaner aufgrund von Spenden aus Wirtschaft und Oberschicht – gelegentlich Präsidentschaftswahlen gewinnen, aber nicht den "Kampf der Ideen".

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