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Kultur

Das rosa Tier mit dem Imageproblem

Er isst es auf - und hält es gleichzeitig für schmutzig und dumm. Der Mensch hat zum Schwein ein tierisch widersprüchliches Verhältnis: irgendwo zwischen Glücksbringer, Schimpfwort und Lieferant für Pinselborsten.

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Mensch und Schwein - eine sonderbare Geschichte

Im französischen Saint-Riquier läuft eine Ausstellung: "Le cochon - portrait(s) d'un séducteur" - "Das Schwein - Portrait(s) eines Verführers". Es geht um die Kulturgeschichte des Borstenviehs, um Schweine in Kunst und Literatur. Und darum, dass wahrscheinlich kein Tier so zwiespältig gesehen wird wie das Hausschwein.

Gluecksschweine

Schweine sollen Glück bringen - das war schon im Alten Rom so

Denn der Mensch isst es als Schnitzel und Schinken, er beschimpft aber auch andere als "dumme Sau", hadert mit dem inneren Schweinehund, und wirres Zeug versteht "keine Sau". Wenn etwas mit Sex zu tun hat, wird es schnell zu "Schweinkram".

Die Beziehung Schwein-Mensch hat Tradition, schließlich hält der Mensch seit der Jungsteinzeit Schweine, also seit 6000-9000 Jahren. Auch die Griechen, Germanen und Ägypter kannten Schweine. Sie galten als Symbol für Fruchtbarkeit und Wohlstand.

Doch den parallelen Ruf als "Dreckschwein" hat das Tier ständig an den Haxen. Dabei hat sein Hang zum Schlamm auch biologische Gründe: Schweine müssen sich suhlen, um sich abzukühlen. Schwitzen können sie nämlich nicht. Außerdem rubbeln sie den angetrockneten Matsch später wieder ab - und damit auch Parasiten.

Das Schwein und der Heilige

Eilige Schweine

Eilige Schweine - jedes Jahr findet in St. Gallen ein Schweinerennen statt

Das Schwein hat auch noch andere Imageprobleme: In der christlichen Mythologie gilt es mitunter als die Fleisch gewordene Dummheit, Symbol für Gefräßigkeit und Maßlosigkeit. Schließlich ließ schon Goethe die Trunkenbolde im "Faust" singen: "Uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen." Trotzdem bekam das Schwein religiösen Segen: Der heilige Antonius ist sein Schutzpatron; eine Legende sagt, er habe in Barcelona ein sterbendes Ferkel geheilt. Anderswo heißt es, Antonius habe einem besessenen Schwein den Teufel ausgetrieben. Logischerweise züchtete der im 11. Jahrhundert gegründete Antoniter-Orden vor allem Schweine.

Essbares Fruchtbarkeitssymbol

Hotelschwein mit Zeitung

Schweine sind intelligent - Lilly verteilt Zeitungen im Hotel Vineta auf der Insel Usedom

Irgendwie brauchte der Mensch das Schwein, schließlich ist es genügsam - und wächst sauschnell. Ein gutes Nahrungsmittel also.

Der Franzose Sébastien Le Prestre, Graf von Vauban, rechnete im 17. Jahrhundert aus, innerhalb von zehn Jahren könnten aus einer Sau bis zu sechs Millionen Borstentiere werden. Das war vielleicht etwas optimistisch geschätzt. Aber immerhin können heutige Zuchtsauen 20 Jahre alt werden und pro Jahr mindestens 20 Ferkel bekommen.

Das Sparschwein - wahrscheinlich englisch

Sparschwein

Alles rein - ins liebe Sparschwein

So ein Schwein ist also eine lohnende Investition, besonders sein Verwandter, das Sparschwein. Das soll seine Wurzeln in England haben: Da wurde einst Geld in Krügen gespart, aus billigem Ton namens "pygg". Als eine Firma dann im 19. Jahrhundert solche "pygg banks" töpfern sollte, wurden daraus "piggy banks". Schweine mit Schlitz im Rücken, gemästet mit dem, was übrig bleibt; und irgendwann geschlachtet, um schöne Dinge zu kaufen.

Warum man Schwein hat

Denn Schwein und Glück, das gehört zusammen wie Schinken und Brot. Angeblich beruht das auf einem mittelalterlichen Brauch: Wer bei einem Wettkampf Letzter wurde, bekam ein Schwein überreicht. Das war ein unverhoffter Preis mit Wert - und seitdem sagt man bei überraschendem Glück: "Schwein gehabt".

Schweine

Der Organismus der Schweine ähnelt dem der Menschen

Die Chinesen und Japaner denken da ganz ähnlich. In Japan steht das Wildschwein für Stärke; in China verkörpert das Schwein Zufriedenheit und Vollendung. Denn die Sage berichtet, dass Buddha noch einmal alle Tiere zu sich rief, bevor er die Erde verließ. Doch nur ein Dutzend kam, zuletzt das Schwein.

Schweine sind auch nur Menschen

Ein Schweinchen namens Babe

Filmheld Schweinchen Babe in der Großstadt

Heute hat der Mensch gelernt, dass das Schwein nicht immer die Rolle spielt, in die er es steckt - nicht erst, seit das "Schweinchen namens Babe" im Film als Hunde-Ersatz die Schafe hütet. Schweine denken problemorientiert, haben einen sehr guten Geruchssinn und können im Körper Vitamin C selbst herstellen. Sie sind allerdings auch kurzsichtig. Und sie ähneln dem Menschen mehr, als er dachte - die Mediziner forschen daran, irgendwann Schweineorgane in Menschen zu transplantieren.

"Le Cochon - portrait(s) d'un séducteur", Abtei von Saint Riquier, bis 28. August 2005, 10-12 und 14-18 Uhr

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