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Aktuell Europa

Das Rennen um Downing Street 10 ist eröffnet

Fünf Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge von Premierminister David Cameron. Doch der größte Paukenschlag ist die Nicht-Kandidatur von Boris Johnson. Vielleicht gibt es eine ganz einfache Erklärung dafür.

Kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist um 12.00 Uhr (Ortszeit) trat Boris Johnson für eine Erklärung vor die Kameras. Alle Welt rechnete damit, dass der Wortführer der "Vote leave"-Kampagne seinen Triumph beim Referendum am vergangenen Donnerstag mit seiner Kandidatur für den Vorsitz der Konservativen und damit für das Amt des Regierungschefs krönen würde.

Doch dann kam es anders. Er habe sich nach Rücksprache mit seinen Beratern entschieden, nicht Vorsitzender der "Tories" werden zu wollen und damit auch nicht Nachfolger von David Cameron als Regierungschef. Der neue Premierminister habe "große Herausforderungen" zu bewältigen, sagte Johnson und fügte hinzu: "Ich bin zu dem Schluss gekommen, diese Person kann ich nicht sein." Einzelheiten nannte er nicht.

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Boris Johnson kneift bei Cameron-Nachfolge

Hat Johnson sich verzockt?

Über die Beweggründe des exzentrischen ehemaligen Bürgermeisters der City of London wird seit der Ankündigung spekuliert. Einige Beobachter meinen, er habe sich schlicht und ergreifend "verzockt".

Johnson hatte sich in den vergangenen Wochen und Monaten vehement für einen Austritt Großbritanniens aus der EU eingesetzt. Allerdings habe er, so heißt es, "seine Felle davonschwimmen sehen", weil sich immer mehr ehemalige Brexit-Befürworter von ihm abgewandt hätten.

Konkurrenz aus den eigenen Reihen

Ein weiterer Grund für Johnsons Rückzieher dürfte die überraschende Kandidatur seines ehemaligen Vertrauten Michael Gove gewesen sein. Der amtierende Justizminister hatte lange an der Seite von Johnson für einen Brexit geworben. Doch jetzt sei er "schweren Herzens zu dem Schluss gekommen, dass Boris nicht das Führungsgeschick und die Teamfähigkeit für die vor uns liegende Aufgabe hat", sagte Gove im "Spectator", bevor Johnson seine Entscheidung bekanntgab.

Britischer Bildungsminister Michael Gove

Michael Gove: Vom Vertrauten zum Konkurrenten

Der Eintritt Goves in das Rennen um Downing Street 10, den Amtssitz des britischen Premierministers (Artikelbild), offenbart die tiefen Gräben im Lager der Befürworter eines Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union.

Schon in der Nacht hatte Innenministerin Theresa May ihre Kandidatur bekanntgegeben. Auch sie gilt als Brexit-Befürworterin, hatte sich aber in der Kampagne der vergangenen Wochen weitgehend zurückgehalten. Beobachter rechnen damit, dass sie sich als den Ausgleich zwischen den Lagern suchende Kandidatin präsentieren könnte. Allerdings machte sie auch deutlich, dass es an dem Ergebnis des Referendums nichts mehr zu rütteln gebe: "Brexit bedeutet Brexit", kündigte sie an. "Es darf jetzt nicht der Versuch unternommen werden, in der EU zu verbleiben, ihr durch die Hintertür wieder beizutreten oder ein zweites Referendum abzuhalten." Umfragen sehen die 59-Jährige derzeit vorn.

Großbritannien Theresa May

Theresa May: Aussichtsreichste Kandidatin

Als weitere Bewerber um Parteivorsitz und Cameron-Nachfolge stehen Rentenminister Stephen Crabb und Energieministerin Andrea Leadsom fest. Anfang September soll über die Personalie entschieden werden.

Britisches Pfund legt zu

Als Reaktion auf den Rückzug von Boris Johnson aus dem Rennen um die höchsten Partei- und Regierungsämter legte das Britische Pfund an der Londoner Börse zu. Unmittelbar nach der Ankündigung sprang die Währung zwischenzeitlich auf 1,3434 US-Dollar. Nach dem Brexit-Votum vorige Woche hatte das Pfund massiv an Wert verloren und sich seitdem nur langsam erholt.

mak/rb (afp, dpa, rtr)

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