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Afrika

Das Recht Kind zu sein

Im House of Grace in Lira, Uganda, leben 43 Kinder, die meisten von ihnen Bürgerkriegs- und Aidswaisen. Obwohl die Verhältnisse bescheiden sind, haben die Kinder hier Glück gehabt: Sie haben ein Zuhause gefunden.

Spielende Kinder im Waisenhaus (Foto: Reinhold Hoernle)

Endlich eine Kindheit

Mehr als 20 Jahre lang wütete der Bürgerkrieg im Norden Ugandas. Die Massaker der Lords Resistance Army trieben die Familien aus den Dörfern in die Flüchtlingslager und Städte, die mehr Sicherheit boten. Auch Kinder, die ihre Eltern durch Krieg oder Aids verloren haben, waren in den Flüchtlingscamps untergebracht. Doch nun, wo sich die Sicherheitslage stabilisiert, kehren die meisten Familien wieder in die Dörfer zurück. Viele Waisenkinder jedoch haben keine Verwandten, die sie aufnehmen könnten. Sie müssen sich auf der Straße durchschlagen, oft in kleinen Geschwistergruppen, in denen die älteren Kinder versuchen, sich um die jüngeren zu kümmern.

Eine Kindheit zurückgeben

Lernende Kinder (Foto: Reinhold Hoernle)

Dankbar für Unterricht

Da bleibt kein Platz für Kindheit, keine Hoffnung für die Zukunft. Ohne Schule keine Zukunft, ohne Geld keine Schule. Das wissen alle Kinder hier. Und auch wenn die Kinder im House of Grace mehr als bescheiden untergebracht sind, sind sie glücklich, zur Schule gehen zu können und nicht mehr täglich ums Überleben kämpfen zu müssen. Geborgenheit und Vertrauen lassen sich eben nicht in Quadratmeter pro Person messen. Der Träger des Heimes, die niederländische LindA Foundation, hofft eines Tages so viel Spenden gesammelt zu haben, dass sie den Kindern eine bessere Unterkunft ermöglichen kann mit richtigen Schlafsälen und einem Speisesaal, indem alle gleichzeitig Platz finden.

Integrierte Schule

Trotz aller Mängel haben die Kinder Glück gehabt, die hier im House of Grace ein neues Zuhause gefunden haben. Die Schule des Waisenhauses hat einen ausgezeichneten Ruf: Auch Kinder aus der Umgebung stehen Schlange, um einen Platz zu bekommen. Die Klassen sind kleiner, die Lehrer besser als in den anderen Schulen hier, und auf den Rohrstock verzichtet die Schule ganz. Dank der vielen externen Schüler gibt es auch keine Ausgrenzung in der Lokalgesellschaft. Kinder aus dem Heim und Kinder von außerhalb lernen mit- und voneinander, schließen Freundschaften, tauschen Erfahrungen aus.

Nach Fähigkeit fördern

Kinder sitzen im Hof (Foto: Reinhold Hoernle)

Behütet bei der LindA Foundation

"Wir haben das Prinzip, dass wir jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeit fördern", sagt Deborah, die Sozialarbeiterin der Stiftung. "Wenn sie zu uns kommen, sind viele durch ihre Erlebnisse traumatisiert, doch wenn sie sich gut in der Schule entwickeln, hilft die Stiftung auf dem weiteren Bildungsweg." So übernimmt die Stiftung die Kosten, wenn ein Kind so gute Schulleistungen zeigt, dass es später einen Realschulabschluss oder das Abitur machen kann. Und wenn ein Schüler den langen Weg zum Abitur schafft, unterstützt die LindA Foundation später auch eine weiterführende Ausbildung.

Zukunftstraum Arzt

Fragt man die Kinder nach ihrem Wunschberuf, antworten sie fast alle, dass sie einmal Krankenschwester oder Arzt werden möchten. Anderen helfen zu können ist der Grundtenor der Begründung, doch es werden wohl nur ganz wenige schaffen, sich diesen Traum zu erfüllen. Viele der Kinder sind noch nie zur Schule gegangen, wenn sie hier aufgenommen werden. Auch in der Grundschule, der so genannten Primary School, findet man noch 15-Jährige, die um einen Abschluss kämpfen, bevor sie dann nach der Beratung durch die Stiftung eine Berufsausbildung oder eine Lehre anfangen.

Treibgut des Krieges

Die LindA Foundation unterstützt insgesamt um die 100 Waisen, darunter auch Kinder, die außerhalb wohnen - entweder mit ihren Geschwistern oder bei Verwandten. Einige finden bei einem Großelternteil Unterschlupf, doch das Geld reicht selten für genügend Lebensmittel und Kleidung oder eben für die Schulbildung. Mit ihrem SOS-Programm sichert die Stiftung fast 60 Kindern außerhalb des Waisenhauses Lebensunterhalt und Ausbildung. Doch gibt Zehntausende bedürftige Kinder im Norden Ugandas, die versuchen, sich durchzuschlagen.

Ein winziger Tropfen

Schild der LindA Foundation

Helfen mit begrenzten Mitteln

Fast täglich müssen die Mitarbeiter der LindA Foundation Kinder ablehnen, denn es fehlt das Geld, um mehr Waisen zu unterstützen. "Das tut weh", sagt Deborah Traumatisierte Kinder, die auf der Straße leben müssten oder bei gewalttätigen Verwandten untergebracht seien, wieder in ein ungewisses Schicksal schicken zu müssen. Die Bemühungen der kleinen niederländischen Stiftung bleiben ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Autorin: Helle Jeppesen

Redaktion: Christine Harjes

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