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Kultur

Das Rechnen nach dem Sturm

Der tödlichste Sturm seit sieben Jahren hat europaweit mindestens 47 Menschen in den Tod gerissen. Mittlerweile geht das Aufräumen voran. Die Schäden dürften in die Milliarden gehen.

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Der Tag danach: Ein Regenbogen über Frankfurt am Main

Allein in Großbritannien kostete der Orkan "Kyrill" 14 Menschen das Leben, darunter ein Kleinkind, das in London von einer einstürzenden Wand erschlagen wurde. In Deutschland kamen zwölf Menschen um, in den Niederlanden und Polen meldeten die Behörden jeweils sechs Tote. Weitere Opfer gab es in der Nacht zum Freitag (19.1.) in Tschechien, Frankreich und Belgien. Die meisten kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Zehntausende Reisende saßen fest, auf zahllosen Straßen behinderten umgestürzte Bäume den Verkehr.

Zeitweise ging auf Deutschlands Schienen nichts mehr

Zeitweise ging auf Deutschlands Schienen nichts mehr

Langsame Normalisierung

Der europäische Flugverkehr normalisierte sich im Laufe des Freitags einigermaßen. Behinderungen blieben: Auf dem Prager Flughafen war ein Terminal beschädigt worden, in Großbritannien strich die British Airways nach Annullierungen am Donnerstag erneut Dutzende Flüge zu den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) reduzierte am größten deutschen Flughafen in Frankfurt erneut die Zahl der Starts und Landungen. "Es gibt weiterhin starken Wind, zudem regnet es heftig. Aber die Auswirkungen sind weniger gravierend als am Donnerstag", sagte DFS-Sprecherin Anja Tomic. Am Vortag waren Hunderte Flüge ausgefallen. Allein die Deutsche Lufthansa strich rund 330 Flüge für die knapp 19.000 Passagiere gebucht hatten.

In den Niederlanden und Deutschland hatten tausende Reisende die Nacht auf Bahnhöfen verbracht, nachdem der Zugverkehr wegen Beschädigungen der Oberleitungen und blockierten Schienen eingestellt worden war. Am Tag nach dem Sturm kam es europaweit noch zu Verspätungen. Der Berliner Hauptbahnhof öffnete erst nach einer 14-stündigen Sperrung wieder, nachdem in der Sturmnacht ein tonnenschweres Stahlteil von der Fassade gestürzt war. Während des Orkans hatte die Bahn am Donnerstagabend erstmals in ihrer Geschichte in ganz Deutschland den Verkehr gestoppt.

Großflächige Stromausfälle

In Tschechien und Österreich fielen in Millionen Haushalten der Strom aus. Mehr als eine Million Bundesbürger saßen im Dunkeln. Am schwersten betroffen war der Osten Deutschlands, wo auch am Freitagmorgen zunächst noch mehr als 100.0000 Haushalte ohne Energie aus der Steckdose auskommen mussten. Ausgelöst wurden die Stromausfälle meist durch Bäume oder Äste, die in Freileitungen stürzten. Schwere Regenfälle und Orkanböen behinderten zudem in der Nacht die Reparaturarbeiten.

Umgeblasene Hochspannungsmasten in Thüringen

Umgeblasene Hochspannungsmasten in Thüringen

In der Ukraine wurde unterdessen die Druschba-Pipeline wieder in Betrieb genommen. Die Durchleitung russischen Öls nach Europa war unterbrochen worden, nachdem der Sturm die Stromversorgung einer Pumpanlage im Westen des Landes zerstört hatte.

Schäden nur schätzbar

Die Schäden für die Versicherungsbranche sind derzeit noch nicht abzuschätzen. Experten des schließen aber nicht aus, dass es in die Milliarden gehen könnte. Windgeschwindigkeit, Ausdehnung und Verweildauer seien bei "Kyrill" größer gewesen als beim Orkan "Jeannett" im Oktober 2002, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Freitag in Berlin mit. "Deshalb gehen wir davon aus, dass 'Kyrill' größere Schäden angerichtet hat", sagte GDV-Pressereferent Stephan Schweda. Für "Jeannett" hatten die Deutschen Versicherer mehr als 660 Millionen Euro bezahlt. Mit genauen Zahlen rechnen die Versicherer erst in einigen Tagen. Auch Rückversicherer wie Münchener Rück und Swiss Re erwarten erst für die nächste Woche Angaben zur exakten Schadenshöhe. (sams)

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