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Politik

Das Ränkespiel der Hisbollah

Die libanesische Extremisten-Gruppe Hisbollah ist strikt gegen einen Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon. Sie ist nach Auffassung Israels die größte Bedrohung für die Stabilität in Nahost.

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Syrische Soldaten genießen bei der Hisbollah hohes Ansehen

Als 1999 der damalige israelische Ministerpräsident Ehud Barak ankündigte, er werde im Jahr 2000 die Truppen aus dem Libanon zurückziehen, da ahnte er nicht, dass er mit diesem Schritt eine Organisation stärken würde, die sich den Kampf gegen Israel auf die Fahnen geschrieben hat: die schiitische Hisbollah ("Partei Gottes"). Sie lässt sich seit dem israelischen Rückzug dafür feiern, Israel aus dem Libanon vertrieben zu haben.

Israel hat Rückzug aus Südlibanon abgeschlossen

23.5.2000: Israel hat seinen Rückzug aus Südlibanon abgeschlossen

Von Syrien und dem Iran unterstützt

Spätestens seit dem Rückzug der Israelis ist die Hisbollah zu einer der wichtigsten politischen Kräfte im Libanon aufgestiegen - gleichzeitig aber auch zu einer der am wenigsten berechenbaren. Und es ist die Hisbollah, die jetzt wohl am ehesten einen syrischen Rückzug aus dem Libanon befürchten muss: Die militante Schiitenorganisation stützt sich seit ihren Anfängen auf die Hilfe aus Damaskus und – über Syrien geleitet – aus dem Iran.

Politik der Versprechungen

Die Anfänge der "Partei Gottes" liegen in den Tagen des israelischen Libanonkrieges 1982: Unter dem Vorwand, die Urheber eines Anschlages auf seinen Botschafter in London seien aus dem Libanon gekommen, marschierte Israel im Libanon ein - offiziell, um die PLO dort zu entmachten. Bald aber kam die Konfrontation mit der einheimischen Bevölkerung hinzu.

Krankenhaus der Hisbollah im Libanon

Krankenhaus der Hisbollah im Libanon

Diese Bevölkerung – besonders im Süden – ist überwiegend schiitisch und gehört traditionell zu den politisch unterprivilegierten Gruppen des Landes. Zwar wurden sie jahrelang von der "Amal" vertreten ("Hoffnung", aber auch die Abkürzung für "Libanesische Widerstandsgruppen"). Diese Bewegung tat jedoch nicht viel für die Bevölkerung. Die mit iranischer und syrischer Unterstützung gegründete Hisbollah hingegen versprach von Anfang an soziale Hilfe und Fürsorge, wenn man sich ihr im Kampf gegen die Besatzer und möglichst auch gegen Israel selbst anschloss. Aus jenen Tagen stammt der Slogan, man trete an, um "Jerusalem zu befreien". Hiervon blieb man aber weit entfernt.

Der Entwaffnung entgangen

Die Hisbollah griff amerikanische und französische Armeestellungen bei Beirut an. Die israelische Armee im Südlibanon war jahrelang Ziel von Angriffen der Hisbollah. Waffen und Munition wurden immer wieder auf dem Seeweg vom Libanon in den Gazastreifen geschleust, um dort ideologisch verwandte palästinensische Gruppen wie die Hamas und den Islamischen Dschihad zu unterstützen.

Hisbollah Schule in Beirut

Hisbollah-Schule in Beirut

Im Libanon selbst wandelte die Hisbollah sich gleichzeitig zu einer politischen Kraft, die – unter der Führung von Hassan Nasrallah – eine militante Linie verfolgt und am liebsten eine islamische Republik im Libanon errichten möchte. Als einzige Bewegung ist es der Hisbollah auch gelungen, in den Jahren nach Beendigung des libanesischen Bürgerkrieges der Entwaffnung zu entgehen, der sich alle anderen Gruppen – maronitische Christen, sunnitische Moslems und Drusen – unterwerfen mussten.

Schutzmacht Frankreich

International hat die Hisbollah auch ihre Gefolgschaft verstärkt: Es gibt sympathisierende Gruppen in verschiedenen europäischen Ländern und es gab sie auch in den USA. Dort wurde die Hisbollah inzwischen als Terrororganisation geächtet, in Europa aber scheiterte ein solcher Versuch am Widerstand der alten Schutzmacht Frankreich: Paris argumentierte, die Hisbollah sei inzwischen eine politische Partei und könne deswegen nicht als "terroristisch" eingestuft werden.

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