1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Das Puzzlespiel der Terror-Fahnder

Jedes Fitzelchen ist wichtig, jedem noch so kleinen Indiz wird nachgegangen. Die Londoner Ermittlungsbehörden fahnden mit immensem Aufwand nach den Attentätern der Bombenanschläge vom 7. Juli.

default

Spurensicherung im Chaos


"Es wird die größte, intensivste und gezielteste Untersuchung in der Geschichte der britischen Polizei", zitierte der "Daily Mirror" eine Quelle bei Scotland Yard. Nach den Angaben verfolgen mehr als 1000 Beamte der Londoner Polizei und anderer Sicherheitsdienste die Spuren der Attentäter, die vier Bomben gleichzeitig in Londoner U-Bahn-Stationen zündeten und zwei Busse in die Luft jagten. Große Hoffnungen richten sich dabei vor allem auf die Kriminaltechniker, die selbst die kleinsten Trümmerstückchen auswerten.

Terroranschlag in London

Edgware Road Tube Station in London

Spuren sichern

Die ersten, die an einem Tatort ermitteln, sind die Experten von der Spurensicherung. Das Team ist je nach Fall unterschiedlich zusammengesetzt, bei einem Bombenanschlag sind immer Sprengstoff-Spezialisten darunter. Ziel ist es, alle Spuren zu sichern, um aus der Art des Anschlags und der verwendeten Materialien Hinweise auf die Täter zu erhalten.

Im Sprengzentrum finden sich die meisten Spuren, die auf die Art des Sprengsatzes schließen lassen. Sie werden später im Labor untersucht. Außerdem sichern die Beamten alle anderen Spuren. Jede Bombe trägt die Handschrift ihres "Konstrukteurs", weshalb die britische Polizei ihre Kollegen in ganz Europa jetzt um die Ermittlungsunterlagen jüngster Anschläge gebeten hat, um die Informationen mit den eigenen Erkenntnissen zu vergleichen.

Jeder Hinweis zählt

Für Informationen über die Tat kommt fast jede Quelle in Frage. Dazu gehören etwa fast eine Million benutzter Zugfahrkarten, die die Verkehrspolizei sichergestellt hat. Sie sollen auf die Fingerabdrücke möglicher Attentäter bei ihrer Anreise nach London untersucht werden. Kriminaltechniker haben nach Angaben der "Times" bereits säckeweise mögliche Beweismittel sichergestellt. "Bislang haben wir schon eine Tonne Material, dass wir untersuchen werden", sagte ein Sprecher von Scotland Yard.

Anhand der kleinen und kleinsten Stückchen kann etwa mittels chemischer oder gentechnischer Untersuchungen herausgefunden werden, welche Art von Bombe mit welcher Art von Sprengstoff und Zünder die Attentäter zuschlugen. Bei den Beweismitteln handelt es sich beispielsweise um Metallsplitter, die in den Wänden von Häusern stecken, um den Tatort herum stehen. Aber auch Haut und Kleidung der Opfer gehören dazu.

Geduldsprobe im Innendienst

Neben der Tatortgruppe gibt es ein Team für die Aufnahme von Hinweisen. Sie sammeln Informationen von Zeugen, die sie am Anschlagsort antreffen. Außerdem sind sie für das Zusammentragen von Informationen zuständig, die telefonisch eingehen. Tatortgruppe und Hinweisermittler stellen ihre Informationen wiederum der so genannten Ermittlergruppe zur Verfügung. Diese wertet die Erkenntnisse aus und koordiniert die weitere Fahndung.

Terroranschlag in London Polizei Fernsehen

Informationen aus dem Fernseher

Unter anderem werten die Ermittler mehrere hundert Stunden Filme der zahlreichen Überwachungskameras aus, die in den Londoner U- Bahnstationen und an belebten Plätzen der Stadt installiert sind. "Die Attentäter sind auf ihrer Fahrt zur und von der U-Bahn ganz sicher von Kameras eingefangen worden. Weil sie nicht maskiert waren, werden wir sehr gute Bilder von ihnen bekommen, anhand derer sie identifiziert werden können", hofft Andy Hayman von der Londoner Polizei. Zeugen und Verdächtige werden vernommen. Bei konkreten Verdachtsmomenten werden weitere Maßnahmen eingeleitet, etwa die Telefone überwacht.

Hoffen auf die Unachtsamkeit

Die Auswertung aller Indizien wird Wochen in Anspruch nehmen. "Die Kriminaltechnik hat sich in den vergangenen zehn Jahren enorm weiterentwickelt. Jetzt können wir Antworten auch von mikroskopisch kleinen Spuren bekommen, aber dies ist kein schneller Prozess", sagt der britische Kriminalexperte Peter Yapp. Doch "manchmal machen die Attentäter einen Fehler, obwohl sie glauben, sie haben an alles gedacht, um ihre Spuren zu verwischen." (arn)

Die Redaktion empfiehlt