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Kultur

Das Pisa-Paket stimmt noch nicht

Bildung wird immer wichtiger, aber die Pisa-Studie zeigt, dass im Wettlauf um gute Platzierungen in Deutschland viele auf der Strecke bleiben. Gaby Reucher fordert in ihrem Kommentar ein besseres Gesamtpaket.

Kommentar-Bild (Foto: dw)

Deutschland braucht Fachkräfte, Deutschland braucht mehr Bildung. Bildung für Fachkräfte, die der Wirtschaft fehlen? Fast scheint es so, wenn man die neuste Pisa-Studie betrachtet. Leicht verbesserte Noten für Mathematik und Naturwissenschaften im Vergleich zur ersten PISA-Studie vor zehn Jahren. Damals hatten deutsche Schüler in allen Wissensdisziplinen schlechter abgeschnitten als der Durchschnitt der 30 wichtigsten Industrienationen. Jetzt also leichte Besserung, das wird Industrie und Forschung freuen. Schlechtere Noten gab es für Lese- und Textverständnis. Aber der Ruf als fortschrittliche Industrienation ist eben wichtiger als ein Land der Dichter und Denker zu sein.

Mathematische Förderung funktioniert….

Gerade die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer wurden in der Vergangenheit besonders gefördert, nicht zuletzt 2008 im „Jahr der Mathematik“, wo man die Welt der Zahlen didaktisch ganz neu aufbereitet hat, um sie den Kindern schon in Kindergarten und Grundschule spielerisch nahezubringen. Andere Fächer scheinen da ins Hintertreffen geraten zu sein, wirft man einmal einen genaueren Blick in so manches Schulbuch: Zwar sollen Kinder früher „gebildet“ werden, früher eingeschult und damit auch früher auf die weiterführende Schule kommen, aber die Schulmaterialien sind da noch längst nicht immer angepasst.

Umständliche Formulierungen in den Aufgabenstellungen, Fremdwörter und Fachbegriffe, die nicht kindgerecht aufbereitet werden. Kein Wunder, dass es beim Textverständnis hapert. Erklärungen im Unterricht fallen spärlicher aus. Seit die Gymnasialzeit um ein Jahr verkürzt wurde, wird viel Unterrichtsstoff einfach durchgepaukt. Lesen, über Texte reden, sich selbst Gedanken machen, das erfordert Zeit und kommt bei all dem Lernstress oft zu kurz.

…andere Fächer werden vergessen

Und wer zu Hause nicht die nötige Unterstützung bekommt, wessen Eltern nicht nachholen können, was die Schule versäumt, der bleibt schließlich doch noch auf der Strecke. Denn auch in Mathe gibt es Textaufgaben. Betroffen sind davon nach wie vor die sozial schwachen, die neudeutsch „bildungsfernen“ Schichten und Kinder mit Migrationshintergrund. Die Pisa-Studie bescheinigt Deutschland immer noch, dass nicht die Begabung und das Können über die Chancen eines Kindes entscheiden, sondern Herkunft, Einkommen und Bildung der Eltern.

Das ist Wasser auf die Mühlen der Integrationsdebatten der letzten Monate. Nach wie vor sind Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland benachteiligt. Wer bei der Bildung punkten will, sollte deshalb nicht nur freudig auf die Platzierung in der PISA-Liste schielen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen werfen, auf zu volle Klassen, auf überholte Schulbücher und mangelnde Betreuungsangebote. Ein stimmiges Gesamtpaket ist mehr wert als ein paar gute Einzelnoten.

Autorin: Gaby Reucher

Redaktion: Aya Bach