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Filme

Das Phänomen Tarantino

Sein Name ist zum Markenzeichen geworden. Jeder seiner Filme sorgt für Schlagzeilen. Quentin Tarantino hat Fans in aller Welt. Jetzt kommt "Inglourious Basterds" in die Kinos. Anmerkungen zu einem Phänomen.

Quentin Tarantino macht das Victory-Zeichen (AP Photo/Michel Euler)

Immer cool: Quentin Tarantino

Der Mann hat in zwanzig Jahren kaum mehr als eine Handvoll Filme gedreht. Und doch wird über keinen anderen Regisseur weltweit so viel geredet wie über Quentin Tarantino. Jeder neue Film des Amerikaners wird von seinen Fans sehnsüchtig erwartet, jedes neue Werk wird publizistisch gewürdigt, in Filmzeitschriften ausführlich besprochen, in Szeneblättern diskutiert. Über keinen anderen Regisseur sind so schnell nach Karrierebeginn Monografien auf dem Buchmarkt erschienen.

Quentin Tarantino am Arbeitsplatz neben der Kamera - Dreharbeiten zu Inglourious Basterds (Photo Francois Duhamel)

Quentin Tarantino am Arbeitsplatz - Dreharbeiten zu Inglourious Basterds

Tarantino ist "hip". Aus seinem Namen hat man schon ein Adjektiv geformt: Ein Film ist "tarantinesk" heißt es nicht selten, wenn sich andere Filmemacher einzelner Stilelemente des US-Regisseurs bedienen. Die Auftritte des Amerikaners auf Festivals oder bei Dreharbeiten gleichen Happenings, die Fotografen und Kameramänner reißen sich darum Tarantino in möglichst ausgefallener Pose abzulichten. Meist tut er ihnen den Gefallen. Wie ist das "Phänomen Quentin Tarantino" zu erklären?

...auf den Spuren Hitchcocks

Quentin Tarantino mit ausgestreckter Hand (AP Photo/Stefano Paltera)

Stilprägend: Quentin Tarantino

Natürlich hat so ein Erfolg mehrere Ursachen. Eine der wichtigsten: Tarantino bedient mit seinen populären Filmen die Erwartungen breiter Publikumsschichten, aber genauso sind seine Filme bei den meisten Kritikern beliebt. Blickt man zurück in die Filmgeschichte gibt es eigentlich nur einen Regisseur, der diesen Spagat zwischen Kommerz und Kunst dauerhaft geschafft hat - und auch dessen Name ist zu einem Markenzeichen geworden: Alfred Hitchcock.

Furioses Debüt

Schon in seiner ersten eigenen Regiearbeit "Reservoir Dogs" hat Tarantino 1992 dem Kinoaffen Zucker gegeben. Viele für ihn heute typischen Elemente tauchten in seinem Debüt auf: die actionbetonten und blutdurchtränkten Szenen, nicht abreißende maschinengewehrschnelle Dialoge, die teils witzig, teils von tiefschwarzem Humor geprägt sind, das betont coole Auftreten der Protagonisten. In seinem Welterfolg "Pulp Fiction" verfeinerte Tarantino zwei Jahre später dieses Prinzip und kreierte auch noch eine ausgeklügelte und verschachtelte Erzählhaltung.

Mélanie Laurent mit Pistole - Szene aus Inglourious Basterds (Francois Duhamel)

Gewalt ist immer dabei: Mélanie Laurent in "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino

Auch seine weiteren Filme variierten diese thematischen und formalen Prinzipien. Mal mehr, mal weniger gelungen. In "Jackie Brown" überwog die psychologische Ausgestaltung der Figuren, in "Kill Bill" traten die Actionszenen in den Vordergrund. In seinem neuesten Film "Inglourious Basterds", der jetzt weltweit in den Kinos anläuft, hat sich der US-Regisseur erstmals eines historischen Themas angenommen - allerdings in seiner ureigenen Art.

Vorbild italienisches B-Picture

Nicht political correct und vor authentischem Hintergrund erzählt er hier die Geschichte eines Trupps jüdischer Nazijägern während des 2. Weltkriegs. Der Film ist erneut voller Action und schwarzem Humor. Aber vor allem lehnt sich Tarantino - mit einer Alternative zum historisch realen Verlauf des Krieges! - mehr an den Eckpfeilern der Kinogeschichte an als an der Historie. Bei "Inglourious Basterds" ließ sich der Regisseur von dem italienischen B-Picture "Ein Haufen verwegener Hunde" aus dem Jahre 1978 inspirieren.

Ein Kind der Populärkultur

Darsteller aus Inglourious Basterds um einen Tisch gruppiert (Foto: Francois Duhamel)

Ein Haufen toller Hunde - Szene aus "Inglourious Basterds"

Das ist vielleicht auch der wichtigste Schlüssel zum Verständnis seines Werks. Tarantino ist ein Kind des Kinos und der Unterhaltungskultur. Er schöpft aus einem reichen Kulturfundus, den er sich aus Büchern und Filmen zu Eigen gemacht hat. Dabei verblüfft Tarantino immer wieder mit seinem profunden Wissen. Der Regisseur gilt in der Kinoszene als einer der besten Kenner des asiatischen Schwertkampffilms und des europäischen Unterhaltungskinos. Vor Jahren outete er sich zum Beispiel als Fan der deutschen Edgar Wallace-Filme und der Winnetou-Serie.

Christoph Waltz in Inglourious Basterds in Uniform, Pfeife rauchend (Francois Duhamel)

Dafür gab's die Goldene Palme: Christoph Waltz in "Inglourious Basterds"

Auch sein neuestes Werk "Inglourious Basterds" steht in der Tradition dieser moderner Populärmythen des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Kinozitate ziehen sich durch den Film. Tarantino verfügt über ein überaus feines Gespür für den Umgang mit filmischen Formen. "Inglourious Basterds"-Darsteller Christoph Waltz brachte das in einem Interview treffend auf den Punkt: "Es gibt eine immense Musikalität im Zusammenspiel der verschiedenen Elemente. Dass da so viele filmische Elemente zusammenkommen, nämlich Licht, Bild, Bewegung, Ton, Filmmusik, Untertitel ... Alles trägt zum gesamten Ergebnis bei."

Unzerstörbarer Mythos

Bildausfüllendes Porträt Quentin Tarantino (AP Photo/Stefano Paltera)

Lebender Mythos

Und so dürfte auch Tarantinos neuer Film zum wachsenden Mythos des Regisseurs beitragen. Dass so mancher Kritiker - sicher zu Recht - die oft infantilen Themen und die dünnen Plots der Filme bemängelt, dürfte Tarantino nicht stören. Der selbstbewusste Amerikaner steht zu seinen Schwächen - und die weltweite Fangemeinde scheint ihm Recht zu geben.

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Elena Singer

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