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Politik

Das Phänomen Obamania fasziniert vor allem Afro-Amerikaner

In den USA kämpfen Hillary Clinton und Barack Obama seit Monaten um die Präsidentschaftskandidatur für die Demokraten. Ein Thema tritt in der politischen Debatte immer offener hervor: Obamas Hautfarbe.

Obama vor Publikum (AP Photo/Kristen Hines)

Geschickter Rhetoriker: Barack Obama

Barack Obama denkt nach (AP Photo/Susan Walsh, File)

Obama möchte mehr sein als nur ein Vertreter einer ethnischen Gruppe

Barack Obama ist der bisher erfolgreichste schwarze Politiker der USA. In kurzer Zeit, seit dem Beginn der Vorwahlen, hat er die als Favoritin gehandelte Hillary Clinton in die zweite Reihe gedrängt. Er ist charismatisch, dynamisch und er verspricht Erneuerung. Nach acht Jahren George W. Bush und fünf Jahren Irakkrieg gibt Obama vielen US-Amerikanern neue Hoffnung. Viele sprechen von einem Phänomen Obamania.

Stephen Marshall vom Zentrum für afrikanische und afro-amerikanische Studien der University of Texas meint, dass mehr dahinter steckt, als dieser Begriff ausdrückt: "Ich wäre ein bisschen zurückhaltend beim Benutzen des Begriffes Obamania. Das interpretiert den vorhandenen zwiespältigen Enthusiasmus als eine Art Explosion von Irrationalität, ohne legitimen politischen Inhalt. So, als ob Obama keine rationale und plausible Antwort biete zu den Problemen, die Amerika auf der Welt drohen. Ich möchte also dieses Phänomen nicht auf diese Weise beschreiben, wie es dieser Begriff andeutet."

Fortschritte im Verhältnis der ethnischen Gruppen

Auffallend ist, wie dieses Phänomen die schwarzen US-Amerikaner fasziniert. Fast alle unterstützen Obama. Obama selbst betont stets, dass seine Rassenidentität keine Rolle spiele. Für Professorin und Feministin Joy James vom Williams College in Massachusetts hat die Begeisterung der Afro-Amerikaner aber eindeutig mit Obamas Hautfarbe zu tun. Auch Marshall weist auf die Bedeutung von Obamas Kandidatur hin: "Ich denke, eines der bedeutendsten Dinge an Obamas Kandidatur ist, dass er den Moment geschaffen hat, in dem Amerika von sich behaupten kann, bei den Rassenbeziehungen genügend Fortschritte gemacht zu haben, sodass sie einen schwarzen Präsidenten wählen können."

Jesse Jackson (AP Photo/Hillery Smith Garrison)

Jesse Jackson kam im Rennen ums Präsidentenamt nicht so weit wie Obama

Obama beschreibt seinen Erfolg im Wahlkampf als ein Ergebnis jahrelanger Bemühungen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Ohne die Kandidaturen anderer schwarzer Politiker vor ihm, wie Jesse Jackson, sagt er, hätte er es nicht so weit bringen können. Doch Obama unterscheidet sich entscheidend von diesen Politikern, meint Marshall, denn Obama sei das Kind von einem Kenianer und einer weißen Mutter: "Er ist in der Lage das Image einer alternativen schwarzen Identität anzubieten. Einer, die die Erblasten der so genannten schwarzen Politik der Bürgerrechtsbewegung umgeht. Einer schwarzen Politik, die sich als separate schwarze Politik innerhalb des politischen Systems institutionalisiert hat, die aber in letzter Konsequenz nur den Schwarzen gegenüber verantwortlich ist."

Dilemma der Bürgerrechtler

Das ist vielleicht ein Erfolgskonzept für die Wahlen. Dadurch würde jedoch das Verhältnis zwischen Obama und der schwarzen Bürgerrechtsbewegung belastet, glaubt Marshall. Obama kandidiere zwar nicht gegen diese Bewegung, sei aber auch nicht zu ihrem politischen Diskurs verpflichtet. Obamas Erfolg zeige, dass die Bürgerrechtsbewegung sich nicht gleichzeitig in das System integrieren und ein eigenständiges Fortbestehen haben kann. Dies sei eine neue Herausforderung für diese Bewegung, sagt Marshall. "Ich denke, dass Obamas Kandidatur den Personen, die aus dieser Tradition kommen, eine Gelegenheit bietet, genauer darüber nachzudenken, was die Agenda einer fortschrittlichen schwarzen Politik sein sollte. Und über die Rhetorik, mit der diese Agenda verpackt werden sollte, damit sie nicht nur einem schwarzen Präsidenten, sondern auch der amerikanischen Öffentlichkeit als ein amerikanisches Problem verkauft werden kann und nicht als ein ausschließlich schwarzes Problem."

Martin Luther King Jr

Muss für Vergleich mit Obama herhalten: Martin Luther King Jr

Obama könne bestenfalls dafür sorgen, dass die Probleme der Schwarzen ernst genommen werden, betont Marshall. Er unterstreicht, dass manche schwarze Wähler unrealistische Erwartungen haben, weil sie glauben, mit Obama einen schwarzen Führer gefunden zu haben. Auch der Direktor des Zentrums für afrikanische und afro-amerikanischen Studien, Edmund Gordon von der University of Texas denkt, dass Enttäuschungen unvermeidbar sind: "Besonders für Afro-Amerikaner wird es enttäuschend sein. Denn ich denke, dass es gut sein wird, ihn als Beispiel dafür zu haben, was ein einzelner schwarzer Mensch erreichen kann. Aber uns von Rassismus befreien – das wird nicht passieren. Und ich denke, sie werden davon enttäuscht sein."

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