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Asien

Das neue Weinland China

China ist das sechstgrößte Weinanbauland der Welt. In einigen Jahren könnten Chinas Weine mit den besten Tropfen aus Frankreich mithalten, heißt es. Doch bis es soweit ist, gibt es noch Schwierigkeiten.

100 Jahre alte Weinfässer stellt das Changyu- Weinmuseum aus (Foto:DW/Rebecca Roth)

100 Jahre alte Weinfässer stellt das Changyu-Weinmuseum aus

Fachgerecht schlürfen Zhou Fuling und Elke Davies einen Chateau Bolongbao. Dann nickt Elke Davies ihrem chinesischen Winzer-Kollegen anerkennend zu. Davies ist eine professionelle Weinkennerin, eine sogenannte Önologin und Zhou Fu Lings Merlot ist einer der wenigen chinesischen Bioweine, die sie bisher gekostet hat. Davies ist extra aus Australien angereist, um den chinesischen Weinmarkt kennenzulernen. Einen Markt, der derzeit stark wächst: Chinas Weinkonsum steigt jährlich um 35%.

Cola im Wein

Winzer Zhou Fu Ling und Elke Davies bei der Weinprobe (Foto:DW/Rebecca Roth)

Winzer Zhou Fu Ling und Elke Davies bei der Weinprobe

Doch viele Chinesen mussten erst lernen, wie man ihn trinkt. Denn noch bis vor wenigen Jahren war Wein in China unbekannt, erinnert sich Sommelière Julia Zhu vom Hilton Hotel in Peking: "Vor rund zehn Jahren haben die Leute hier damit begonnen, Wein zu trinken. Wenn sie dann einen guten französischen Bordeaux oder einen Grand Cru bestellten und die Tannine und die Säure nicht mochten, dann haben sie sich Cola oder Eiswürfel in den Wein gekippt. Darüber lachen wir heute nur noch."

Mittlerweile aber kennen sich viele ihrer Gäste ausgezeichnet mit Weinen aus. Einige von ihnen sind ältere Regierungsbeamte und Geschäftsleute, die oft ausgehen müssen und etwas Gesünderes trinken wollen als hochprozentigen Schnaps. Beliebt ist Wein auch unter jungen, trendbewussten Konsumenten. Doch am meisten trinken ihn jene Chinesen, die einmal im Ausland gelebt und sich dort ans Weintrinken gewöhnt haben.

Wein ist Neuland für Chinas Bauern

Das Chateau Bolongbao bei Peking (Foto:DW/Rebecca Roth)

Das Chateau Bolongbao bei Peking ist ein Öko-Weingut nach französischem Vorbild

Zu dieser Gruppe gehört auch Winzer Zhou Fu Ling. Er hat mehrere Jahre als Agrarexperte in Afrika gearbeitet. Seine Flüge damals gingen regelmäßig über Paris. Dort verliebte er sich in Wein – er wurde seine Leidenschaft. Und so startete er nach der Pensionierung eine zweite Karriere als Öko-Winzer. Zhou weiß: Weinanbau in China bedeutet Pionierarbeit, denn bis vor kurzem wurden in China nur Tafeltrauben angebaut. Also, erklärt Zhou Fu Ling, liegt der Schlüssel liegt darin, die Leute zu schulen. "Nicht nur in Bezug auf den Weingenuss, sondern auch auf den Herstellungsprozess. Früher ging es nur darum, Früchte zu produzieren aber jetzt muss man die Leute dazu bringen, sich auf die Weintrauben zu konzentrieren."

Die Früchte gezielt auszudünnen und auf den Zuckergehalt der Trauben zu achten, all das ist Neuland für chinesische Bauern, bestätigt Prof Ma Hui Qin, Professorin für Önologie an der Universität für Agrarwissenschaften in Peking: "Chinas Bauern trinken fast gar keinen Wein. Sie haben auch nichts mit der Herstellung zu tun, sie produzieren nur die Trauben," erläutert Professor Ma das Problem. "Die Bauern wollen eine möglichst große Ernte erzielen, die Qualität ist den meisten aber egal. Deswegen ist es für die chinesische Weinindustrie schwer, Trauben von erlesener Qualität zu bekommen."

Der Klimawandel als zentrales Problem

Chinesischer Weinproduzent auf der Düsseldorfer Messe ProWein (Foto:dpa)

Chinesische Winzer hoffen, ihren Wein schon bald zum Exportschlager zu machen

Um die Nachfrage zu stillen, kippten Chinas Weinbauern auch schon mal Weine aus dem Ausland in ihre heimischen Fässer, erzählt Ma Hui Qin. Das sei ein Problem. Ein zweites der Klimawandel, denn weite Teile Chinas leiden an einer Dürre. Wieviel Anbaufläche in Zukunft noch für Wein freigegeben wird, bleibt also abzuwarten. Die kleinen Weinproduzenten scheint das aber eher nicht zu betreffen. Auch Biowinzer Zhou Fu Ling ist noch optimistisch. Er produziert nur 100.000 Flaschen im Jahr. Die meisten von ihnen werden in der VIP Lounge am Flughafen oder direkt von Regierungsbeamten geleert. Und solange es den Politikern schmeckt, besteht auch Grund für Optimismus: Der Jahrgang 2006 ist bereits ausverkauft.

Autorin: Rebecca Roth
Redaktion: Thomas Latschan