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Sport

Das neue Mäzenatentum

Jetzt hat es auch einen der traditionsreichsten europäischen Vereine erwischt. Auch der FC Liverpool hat jetzt neue Besitzer aus dem Ausland. Damit befindet sich der Klub in bester Gesellschaft.

Georg Gillett und Tom Hicks, die neuen Besitzer des FC Liverpool, posieren im Stadion an der Anfield Road für die Fotografen. Sie halten einen Fan-Schal des FC Liverpool in den Händen.

Georg Gillett (links) und Tom Hicks, die neuen Besitzer des FC Liverpool

714 Millionen Euro haben die Käufer Tom Hicks und David Gillett für ihr neues Spielzeug, den englischen Rekordmeister aus Liverpool, bezahlt. Für den Klub kam das Angebot gelegen, da nun Geld für ein neues Stadion da ist und zudem mit teuren Spielerkäufen die sportliche Lücke zum FC Chelsea und Manchester United geschlossen werden kann. Die beiden US-Investoren setzten mit ihrem Einkauf einen Trend fort, der sich in den letzten Jahren vor allem im englischen Fußball entwickelt hat.

Mit der englischen Liga kann in Europa über Fernsehrechte, Ticketverkauf und den Verkauf von Fanartikeln am meisten Geld verdient werden. Daher ist sie für ausländische Investoren besonders interessant. Fast alle englischen Erstliga-Klubs haben schon einmal ein Übernahmeangebot erhalten. Die Interessenten sind US-Milliardäre, russische Oligarchen oder die Scheichs und Prinzen der Emirate am Persischen Golf. Schaut man nur auf die Nationalität der derzeitigen Klubbesitzer, dann spielen in der ersten englischen Liga, der Premier League, neben 13 englischen Vereinen, mittlerweile drei US-amerikanische (Liverpool, Manchester United, Aston Villa), zwei russische (Chelsea, Portsmouth) und jeweils ein ägyptischer (Fulham) und ein isländischer Klub (West Ham).

Mit dem Provinzklub in die Bundesliga

In Deutschland hatten die Mäzene ihre Hochzeit in den 1980er und 90er Jahren. Damals griffen großzügige Förderer wie Heinz Weisener, von den Fans liebevoll nur "Papa Heinz" genannt, beim FC St. Pauli, der Textil-Industrielle Klaus Steilmann in Wattenscheid und Jean Löhring bei Fortuna Köln immer wieder tief in ihre Privatschatulle. Für ihre Vereine brachten sie sich an die Grenze der finanziellen und gesundheitlichen Belastbarkeit und mussten ihr Engagement schließlich beenden. Alle drei Klubs sind mittlerweile in der sportlichen Bedeutungslosigkeit der unteren Ligen verschwunden. Mäzene sind heute, zumindest was die obersten deutschen Profiligen angeht, so gut wie ausgestorben.

Portrait von Dietmar Hopp, Gründer der Software-Firma SAP und Besitzer des Fußballclubs TSG Hoffenheim.

Dietmar Hopp, Besitzer der TSG Hoffenheim

Entgegen diesem Trend arbeitet Dietmar Hopp. Der Gründer der Software-Firma SAP hat sich zum Ziel gesetzt, aus dem Drittligisten TSG Hoffenheim innerhalb weniger Jahre einen Bundesliga-Klub zu machen. Helfen sollen Hopp dabei der frühere Schalker Trainer Ralf Rangnick und der ehemalige Hockey-Nationaltrainer Bernhard Peters als Sportdirektor. Rangnick und Peters liefern das sportliche Know-how, Hopp das Geld. Eine Mannschaft mit für die dritte Liga überqualifizierten Spielern gibt es schon, ein Bundesliga taugliches Stadion für 28.000 Zuschauer wird demnächst gebaut. Fraglich ist nur, wer die Ränge füllen soll, denn bisher kommen zu den Spielen der Hoffenheimer Provinzkicker nur rund 2500 Zuschauer.

Keine Rücksicht auf die Fans

Die meisten Großinvestoren kaufen aber nicht wie Hopp kleine Vereine, um sie nach oben zu bringen, sondern investieren in große Klubs, die bereits in der höchsten Spielklasse sind. Sie nutzen die Vereine als Spekulationsobjekte und finanzielle Verschiebemasse. Das beste Beispiel dafür lieferte US-Milliardär Malcolm Glazer, der im Jahr 2005 Manchester United kaufte. Manchester war bis dahin das wertvollste Fußballunternehmen der Welt. Doch Glazer finanzierte seine Übernahme mit 800 Millionen Euro Schulden und machte "ManU" durch eine Unterschrift zum am höchsten verschuldeten Fußballklub. Um die Kontrolle über den Verein zu gewährleisten, wechselte Glazer die Führungsetage des Vereins aus und installierte drei seiner fünf Söhne in den Aufsichtsrat. Zudem wurden die Ticketpreise drastisch angehoben.

Fans von Manchester United demonstrieren vor der Glasfront der Geschäftsstelle des Vereins mit rotem Spruchband auf dem steht Not for sale.

Fanproteste gegen Malcolm Glazer in Manchester

Das alles brachte die Fans auf die Barrikaden, die das Gefühl hatten, ManU sei nicht mehr ihr Verein. Aus Protest wendeten sie sich ab und gründeten einen eigenen Klub, das "wahre Manchester United". Unter dem Namen "FC United of Manchester" spielt der Klub nun in der zehnten englischen Liga und wird bei seinen Spielen von tausenden Fans unterstützt. Ziel ist zunächst der Aufstieg in die sechsthöchste englische Spielklasse.

Initiative violett-weiß

Dietrich Mateschitz, Besitzer von Red Bull Salzburg spricht in Mikrofon, im Hintergrund das Emblem von Red Bull.

Dietrich Mateschitz, Besitzer von Red Bull Salzburg

Genau wie in Manchester gründeten auch Salzburger Fans aus Protest einen eigenen Verein. Zuvor hatte Dietrich Mateschitz, Besitzer des Getränkeherstellers Red Bull, den Bundesligisten Austria Salzburg aufgekauft. Der Verein nannte sich fortan "Red Bull Salzburg" und durfte nicht mehr in den Klubfarben violett-weiß, sondern nur noch in den Sponsorfarben weiß-rot spielen. Viele Fans schlossen sich daraufhin der "Initiative violett-weiß" an und verfolgen nun nicht mehr die Spiele von Red Bull Salzburg in der österreichischen Bundesliga, sondern die ihres neuen Vereins "SV Austria Salzburg" in der untersten Spielklasse.

Trotz aller Proteste gegen das neue Mäzenatentum, kann sich zumindest der deutsche Fußball-Mäzen Dietmar Hopp trösten. Die Gefahr, dass sich in nächster Zeit Hoffenheimer Fans abspalten und die "wahre TSG Hoffenheim" gründen, besteht bei seinem Verein wohl nicht.

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