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Aktuell Deutschland

Das Museum als historische Visitenkarte

Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte das Jubiläum des beliebten Deutschen Historischen Museums in Berlin, um von Deutschland und Europa zu sprechen - ohne gleich wieder die Finanzkrise oder den Euro zu thematisieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht beim Festakt 25 Jahre Deutsches Historisches Museum (Foto: Reuters)

Bundeskanzlerin Angela Merkel Festakt 25 Jahre Deutsches Historisches Museum

"Ohne die Möglichkeit der kritischen Selbstreflexion wird ein Land sich zunehmend selbst fremd, es ist eine Frage der Zukunftsfähigkeit einer Nation, ob sie eigene Zugänge zur Vergangenheit finden kann", sagte Angela Merkel in ihrer Festrede zum 25. Jubiläum des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin.

Darauf habe auch schon Helmut Kohl bei der Eröffnung des Museum 1987 hingewiesen, so die Kanzlerin. Er forderte damals, die deutsche Geschichte solle so dargestellt werden, dass sich die Bürger darin wiedererkennen können - offen auch für Kontroversen und vielfältige Betrachtungsweisen. Mit neuen Ansichten ließen sich schließlich neue Einsichten gewinnen, leitete Merkel wieder zu ihren Gedanken über.

Fest in der europäischen Idee verankert

Blick auf das Zeughaus Unter den Linden (Foto: fotalia)

Das DHM ist im Zeughaus aus dem 17. Jahrhundert untergebracht, dem ältesten Gebäude auf dem Boulevard "Unter den Linden"

Die Geschichte eines jeden Landes habe ihre internationalen Bezüge, sagte Merkel zu den 600 Gästen aus Kultur, Wissenschaft und Politik unter dem Glasdach im Innenhof des Museums. "Das gilt alle Mal für Deutschland mit seiner wechselvollen Geschichte, der ständigen Zu- und Abwanderung und dem heutigen Gesicht als weltoffenes Land mit einer global agierenden Volkswirtschaft." Diese internationalen Bezüge seien stärker geworden, so Merkel, einerseits durch die Globalisierung, andererseits aber auch dadurch, "dass wir in Europa enger zusammengerückt sind".

Europa sei eine Schicksalsgemeinschaft, sagte die Kanzlerin mitten in der Schuldenkrise und der dadurch entstandenen Unsicherheiten im europäischen Einigungsprozess. Merkel appellierte daran, gemeinsam Geschichte fortzuschreiben und die gemeinsamen Aufgaben jenseits nationaler Egoismen zu verstehen. Notwendig dafür sei das Bewusstsein der verbindenden kulturellen Wurzeln.

Das DHM erfülle den Anspruch moderner Geschichtsvermittlung geradezu idealtypisch, bewertete Merkel die Arbeit des Museums. "Es steht uns Deutschen gut zu Gesicht" und habe "Deutschlands Bild in der Welt maßgeblich mitgeprägt". Der Schlüssel zu diesem Erfolg, hob die Kanzlerin hervor, sei die konsequent europäische Ausrichtung.

Zwölf Millionen Besucher

Video ansehen 01:25

Deutsches Museum mit europäischem Ansatz

Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte in seiner Rede zuvor ein Loblied auf das DHM angestimmt. Es habe Deutschland eine "historische Visitenkarte" gegeben, die zudem ein Publikumsrenner wurde. Zwölf Millionen Besucher in 25 Jahren, davon jeder Dritte aus dem Ausland, berichtete Neumann. Das DHM habe internationalen Vorbildcharakter, viele Länder hätten inzwischen Ähnliches vor. Doch darauf dürfe man sich nicht ausruhen. "Das Publikum ändert sich und stellt andere Fragen", sagte Neumann und kündigte an, die ständige Ausstellung bis zum Jahr 2014 überarbeiten zu wollen.

Der noch relativ neue Präsident der DHM-Stiftung, Alexander Koch, kündigte an, sich künftig stärker in aktuelle Debatten einmischen zu wollen. Er wolle auch Empfehlungen für zukünftiges Handeln geben, schließlich habe sein Museum einen "überzeitlichen Auftrag".

Dass das Jubiläum des DHM eine so politische Veranstaltung wurde, liegt an der Besonderheit des Museums. Denn es war von Anfang an ein politisches Projekt. Angeschoben wurde es von Alt-Kanzler Helmut Kohl. Er schenkte das Museum der damaligen Mauerstadt Berlin als "Geburtstagsgeschenk zum 750-jährigen Stadtjubiläum". Bis heute wird das Museum allein vom Bund finanziert. Es darf sich deshalb auch Bundesmuseum nennen - ein seltener Titel, den sonst nur noch das Haus der Geschichte in Bonn trägt.

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