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Fußball

Das Modell Ajax Kapstadt

Drei Teams aus Johannesburg und Pretoria beherrschen den Vereinsfußball in Südafrika. Anschluss versucht jetzt Ajax Cape Town zu finden. Der Club gehört mehrheitlich Ajax Amsterdam und gilt vor allem als Talentschmiede.

"Wir sind ein junger Verein, erst 13 Jahre alt. Mit Tradition ist da nicht viel bei Ajax Kapstadt. Da ist noch ein langer Weg zu gehen", sagt Max Grünewald, deutscher Teammanager des Tabellen-Zwölften der südafrikanischen Premier Soccer League PSL. "Aber da ist noch so viel Potential in dem Verein. Ziel ist es, erst einmal Anschluss zu finden." Und zwar an die dominierenden Johannesburger Clubs Kaizer Chiefs und Orlando Pirates sowie Mamelodi Sundowns aus Pretoria. Dabei war 2011 fast der Durchbruch gelungen. Ajax Cape Town verpasste am letzten Spieltag den möglichen Gewinn seines ersten Meistertitels durch ein 2:2 gegen Maritzburg United und musste die Pirates noch vorbei ziehen lassen.

Ajax CT ist 1999 aus den beiden damaligen Erstligamannschaften Cape Town Spurs und Seven Stars hervorgegangen. "Dem Club geht es gut, er steht finanziell auf der sicheren Seite. Er hat einen großen Namen mit der Verbindung zu Ajax Amsterdam, der 51 Prozent Anteile an uns besitzt", betont Grünewald, seit 2007 Teammanager in Kapstadt. Der Verein ist ein Tochterunternehmen des niederländischen Rekordmeisters und dient als Jugendakademie für afrikanische Talente. "Das ist ja auch die Philosophie des Vereins, die Ausbildung und der Verkauf der Spieler vorzugsweise auf dem europäischen Markt."

Das Ajax-System

Kapstadt spielt nach dem Ajax-Amsterdam-System. Schon die jüngsten Altersklassen trainieren den dafür typischen schnellen und kreativen Angriffsfußball. "Die Idee war, das Konzept von Ajax Amsterdam in ein anderes Land zu stellen, zu kopieren, und alles läuft dann genauso. Die Idee ist klasse, aber funktioniert es wirklich so?", fragt sich Teammanager Grünewald. "Die Antwort ist nein, weil die Spieler eine andere Mentalität haben. Die kommen aus anderen Verhältnissen, die wachsen anders auf, die spielen auch anders. Die sehen das hier als ein Spiel, nicht so sehr als ihren Beruf. Aber es ist schön, diese Unterschiede zu haben", sagt Grünewald.

Spieler des südafrikanischen Fußball-Erstligisten Ajax Cape Town beim Training. (Foto: DW)

Bereits im Trainingsalltag versuchen die Spieler aus Kapstadt, das System von Ajax Amsterdam zu kopieren

"Wir sind vielleicht die Nummer eins, was die Entwicklung der Nachwuchsarbeit in Südafrika, wenn nicht in ganz Afrika angeht. Wir bringen 60 Prozent der Spieler hervor, die in den Clubs der PSL spielen", erklärt U15-Coach David Nyathi. "In jedem Club des Landes spielen Ajax-Spieler. Wir sind das Rückgrat der PSL." Auch nach Amsterdam haben es Spieler geschafft: "Benny McCarthy oder Aaron Mokoena spielten für Ajax, jetzt Thulani Serero. Sie machten einen guten Eindruck in Holland. Und das ist auch für unseren Club phantastisch", stellt der ehemalige südafrikanische Nationalspieler (1992 – 1999) nicht ohne Stolz fest.

Der Blick geht nach Europa

Vorbild in Südafrika sind die großen europäischen Fußball-Ligen. "Als Trainer beobachten wir den Trend, wie Fußball in Europa gespielt wird, wie die Spieler eingesetzt werden. Wir versuchen, die Dinge auf unseren Kontinent zu bringen", sagt David Nyathi, der selbst in der Schweiz, Spanien und Italien aktiv war. Im Fokus der Fans steht vor allem die englische Premier League. "Das kommt durch die TV-Vermarktung. Hier kannst du 24 Stunden lang englischen Fußball verfolgen", erläutert Manager Grünewald. "Mittlerweile gibt es aber auch ausgewählte Spiele der Bundesliga."

Der ehemalige südafrikanische Nationalspieler und heutige U-15-Trainer von Ajax Cape Town, David Nyathi. (Foto: DW)

Südafrikas Ex-Nationalspieler David Nyathi verfolgt gerne Bundesliga-Spiele, vor allem von Bayern München

Das gefällt auch Nachwuchstrainer Nyathi: "Ich verfolge die Bundesliga, vor allem den Weg von Bayern München. Trainer Jupp Heynckes war bereits mein Coach in Teneriffa. Letzte Saison war die Niederlage der Bayern gegen den FC Chelsea in der Champions League eine große Enttäuschung für mich."

"Gutes Regionalliga-Niveau"

Ziel der "Urban Warriors", so der Spitzname von Ajax Cape Town, ist in der laufenden Saison der Profiliga PSL ein Platz unter den ersten Vier. "Wir sind relativ schlecht gestartet, haben uns etwas erholt, mussten aber auch einige Spieler abgeben - gemäß der Philosophie: Die besten Spieler werden verkauft", erklärt Grünewald. "Man hat sich auf die Jugend fokussiert und viele Jugendspieler hochgezogen, die Zeit brauchen, um ein anderes Niveau zu erreichen."

Im Vergleich zur Bundesliga sieht der Teammanager im aktuellen Kader keinen Akteur, den man in Deutschland platzieren könne. "Wir haben wahrscheinlich ein gutes Regionalliga-Niveau. Wenn die Spieler kontinuierlich ihr Niveau halten würden, könnten sie wahrscheinlich auch im Mittelfeld der 2. Liga mithalten. Aber da hört es auf."

Soziale Projekte

Ajax CT sieht sich nicht nur als Talentschmiede, sondern treibt auch soziale Projekte voran. "Ich arbeite mit jungen Talenten verschiedener Kulturen und versuche ihnen beizubringen, besser Fußball zu spielen", berichtet Nachwuchscoach Nyathi. "Es geht aber auch um die Disziplin, ein besserer Mensch zu werden, um vielleicht auch im akademischen Bereich Erfolg zu haben."

Spielszene Ajax Kapstadt gegen University of Pretoria (TUKS): Khama Billiat (r.) im Duell mit Siyabonga Shoyisa. (Foto: ©Ryan Wilkisky/BackpagePix)

Im Liga-Alltag läuft es für Ajax Cape Town in dieser Saison noch nicht wirklich rund

Dazu gehört ein Studenten-Programm. "Wir haben Spieler, die sind 36, 37 Jahre alt, die sitzen in der Universität und studieren gemeinsam mit jungen Spielern", erzählt Grünewald. "Wir versprechen uns davon, eine Mentalität oder Denkweise zu kreieren, damit vielleicht ein schlauerer Spieler entsteht. Er soll nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im normalen Leben die Fähigkeit erhalten, klügere Entscheidungen zu treffen." Ob das wirklich eine Auswirkung hat, dürfte sich erst in ein paar Jahren zeigen. "Wir sind halt ein Ausbildungsverein", so Grünewald.

Die WM und ihre Folgen

Positiv bewertet Ex-Nationalspieler David Nyathi die Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. "Als wir den WM-Zuschlag bekamen, waren die Erwartungen unglaublich groß, was das unserem Land bringen würde", so Nyathi. Sehr viel Geld sei eingesetzt worden, um die Infrastruktur und die Anlagen einzurichten, neue Jobs zu schaffen. "Der Vorteil ist, dass all die Dinge noch immer vorhanden sind. Wir haben schnelle Internetverbindungen und Kommunikationswege. Sie helfen Afrika, vorwärts zu kommen, infrastrukturell und ökonomisch." Auch der Tourismus sei angekurbelt worden.

Optimistisch äußert sich Fußball-Fan Barry: "Ajax Cape Town und der südafrikanische Fußball haben sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Wir haben definitiv viele Talente. Ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir den europäischen Level erreicht haben."