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Bildung

Das Mittelding

Nicht zu groß und nicht zu klein: Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bietet eine interessante Mischung aus Mega-Uni und Provinzcampus. Sehr zur Freude der Studierenden.

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsvorplatz vor dem Löwengebäude (Foto: Uni Halle-Wittenberg)

Das Hauptgebäude der Universität Halle-Wittenberg

Das Auge studiert mit - der Hallesche Universitätsvorplatz vor dem Löwengebäude gilt zu Recht als einer der schönsten in ganz Europa. Vor dem klassizistischen Hauptbau breitet er sich weitflächig über eine große Freitreppe in Richtung Altstadt aus. Links und rechts wird der Campus von Wiesen gesäumt, die im Sommer als Entspannungsinseln dienen. Nur das neu errichtete Audimax mit 1120 Sitzplätzen im modernen Glas-Beton-Stilmix gleich nebenan bildet fast einen Kontrapunkt zur klassizistischen Idylle.

Aus zwei mach eins

Doch die Mischung in Halle stimmt, und das von Anfang an: Historisch ist die Martin-Luther-Universität gleich an zwei Standorten entstanden. Einer davon lag in Wittenberg, wo 1502 eine Universität gegründet wurde. Dort lehrten die hellsten Köpfe jener Zeit - Martin Luther und Philipp Melanchton - was die Alma Mater schnell zum geistigen Zentrum der Reformation machte und ihr einen welthistorischen Ruf eintrug, der noch heute gilt. Das zweite Standbein lag in Halle, wo knapp 200 Jahre später eine weitere Universität mit zunächst vier Fakultäten eröffnet wurde. Napoleon war es, der 1813 die Universität zu Wittenberg schließen ließ, bevor sie im Zuge der territorialen Neuordnung nach den Napoleonischen Kriegen wieder mit der Hallenser Hochschule 1817 vereinigt wurde. Der Doppelname und das Doppelsiegel geben noch heute über das bewegte Erbe Auskunft.

Altes Gebäude der Universität Halle (Foto: picture-alliance / HB-Verlag)

Bewegtes Erbe: Klassizistische Gebäude zeugen von der langen Tradition der Hallenser Hochschule.

Über die Jahrhunderte ist die Uni immer weiter gewachsen, hat sich mehr und mehr über die Hallenser Innenstadt verbreitet. Die Studierenden von heute schätzen diese Nähe der Fakultäten, die kurzen Wege auf dem Campus. Viele Institute sind in alten Villen und historischen Gebäuden untergebracht. Heidelberg oder Tübingen - das geht auch in Halle an der Saale.

Knapp 18.000 Studierende zählt die Uni, etwa 1500 davon aus dem Ausland - ob für ein Gastsemester, ein komplettes Bachelor- oder Masterstudium oder zum Promovieren. Besonders gefragt sind das Medizinstudium und die Wirtschaftswissenschaften, letztere auch deshalb, weil sie ergänzend in englischer Sprache angeboten werden.

Alles auf neu

Mit Ausnahme einiger Studiengänge, die einen Staatsexamensabschluss erfordern, sind auch an der Martin-Luther-Universität die modularisierten Formen des Bachelor- und Masterstudiums Standard. Als Volluniversität bietet das Curriculum dabei die ganze Bandbreite - von Accounting and Taxation bis hin zur Zahnmedizin. Wie im Osten üblich, wurden nach der Wende 1989 zudem viele Professuren neu besetzt. Dies brachte nicht nur frischen Geist und neue Kräfte - auch ermöglichte es eine Vielzahl an neuen Projekten und Ideen sowie die Ausweitung internationaler Kontakte. Die Uni unterhält inzwischen Verbindungen zu mehr als 40 Partneruniversitäten auf der ganzen Welt - was Halle für Studierende auch zu einem guten Sprungbrett ins Ausland macht.

Auditorium Maximum der Martin-Luther-Universität Halle/Saale (Foto: dpa)

Rund 1500 Studierende aus aller Welt sind an der Uni Halle eingeschrieben.

Viele der Studierenden aus über 100 Ländern schätzen insbesondere das familiäre Flair des Campus, auf dem man sich kennt, ohne sich permanent über den Weg zu laufen. Die Mischung aus Intimität und Abstand macht Halle attraktiv für all jene, die mit der Anonymität einer Großstadt-Uni nicht viel anfangen können, und trotzdem in einer Großstadt studieren wollen. Und bei Integrationsfragen hilft der Internationale Stammtisch, der einmal pro Woche in einer jeweils anderen Kneipe stattfindet - vielleicht die entspannteste Art, Land und Leute kennen zu lernen.


Autor: Sven Näbrich
Redaktion: Stephanie A. Hiller