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Europa

Das Milchpreis-Karussell

Dürre in Australien, Milchpulver in Asien und Quoten in Europa. Die große Frage, wie viel Geld ein Liter Milch kosten soll, hängt mit all dem zusammen.

Ein Mann mit Hut trinkt ein Glas Milch, im Hintergrund stehen Kühe.

Vielen Bauern in Europa schmeckt der Milchpreis nicht

Kühe im Stall

Milchviehhalter klagen, dass sie ihre Kosten nicht mehr decken können

Mindestens 43 Cent wollen die deutschen Bauern an einem Liter Rohmilch verdienen. Das sei der Preis, bei dem auch kleinere Landwirtschaftsbetriebe auf Dauer wirtschaftlich überleben könnten. Die steigenden Energie- und Futterpreise fräßen sonst ihr Einkommen auf. Laut dem Max-Rubner-Institut für Milchqualität in Kiel kostet ein Liter Milch im deutschen Handel zur Zeit rund 60 Cent. Je nach Region gehen davon zwischen 27 und 34 Cent an die Bauern. Den Rest streichen die Molkereien und die Lebensmittel-Ketten ein.

Pokern um den Preis

Die großen Lebensmittel-Ketten und Molkereien pokern um den Milchpreis. Es ist ein Rennen zwischen wenigen Lebensmittel-Giganten und etwa 100 kleinen Molkereien in Deutschland. Und genau dieses Ungleichgewicht möchte Roland Wöller, Vorsitzender der deutschen Agrarministerkonferenz, beseitigen. Einige wenige Nachfrager stünden vielen Anbietern und Milchbauern gegenüber, so Wöller. "Das Problem sollte dadurch bereinigt werden, dass sich der Bauernverband und die Milchwirtschaft zusammenschließen und ihre Interessen kraftvoll nach vorne bringen."

Milch im Kühlregal

60 Cent kostet ein Liter im Handel - etwa die Hälfte davon erhalten die Bauern

Noch vor einem Jahr schien es, als ob die Milchbauern endlich höhere Preise für sich durchsetzen könnten. In ganz Asien boomte der Absatz von Milchpulver aus Europa. Überhaupt herrschte an den Agrarrohstoffmärkten Goldgräberstimmung. Die Milch war knapp geworden. Das lag nicht zuletzt daran, dass große Produzenten wie Neuseeland und Australien von Dürren geplagt wurden und nicht genug Nachschub liefern konnten.

Klage gegen die Quote

Auch in Europa konnte die Produktion nicht erhöht werden, denn seit 1984 reguliert eine Quote die Milchmenge in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. So darf jeder Milcherzeuger nur eine genau festgelegte Milchmenge abliefern. Produziert er mehr, folgen Strafen. Diese Regelung stammt aus den Zeiten der Überproduktion, als man noch von Milchseen und Butterbergen sprach. So kam es, dass der Milchpreis stark anstieg. Die Bauern freute es, weil sie pro Liter von den Molkereien mehr Geld bekamen. Verbraucherschützer in Europa kritisierten dagegen die Preiserhöhungen als "Abzocke". Eine Klage drang bis nach Brüssel zu den zuständigen EU-Landwirtschaftsministern.

Im April dieses Jahres kam dann die Kehrtwende. Die Milchquote in Europa wurde erhöht, und mit dem steigenden Angebot entspannte sich der Markt. Mit geballter Marktmacht konnten die Lebensmittel-Ketten den Preis von Frischmilch, Käse und Butter wieder drücken. Das ist der aktuelle Stand des Milchpreis-Karussells.

Unverständnis bei der OECD

Zaghaft folgen den protestierenden deutschen Milchbauern auch ihre Kollegen aus der EU. In Österreich, Frankreich und in Belgien gab es erste Proteste. Pavel Vavra, Milchexperte bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), zeigt sich dagegen irritiert. Zur Zeit lägen die Preise immer noch auf historischen Rekordhöhen, sagt Vavra. Man sei sehr mit der Frage beschäftigt, wie man sie wieder senken könne. Da wundere es ihn schon, dass es gerade jetzt Unruhe wegen zu billiger Milch gebe.

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