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Wirtschaft

Das metrische System, die Brüsseler Bürokratie und jetzt der Euro? - Großbritannien ist beim Euro nicht dabei

Wenn die neuen Euro-Scheine und -Münzen in den zwölf Staaten der Euro-Zone in Umlauf kommen, bleibt eine der größten Volkswirtschaften der Europäischen Union außen vor.

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20 nach 12 auf dem Big Ben: Großbritannien als Euro-Nachzügler.

Gegen den Euro zu sein, ist für viele Briten eine Sache des Instinkts. Viele der Händler und Käufer auf diesem Londoner Straßenmarkt vertreten dieselbe weit verbreitete Haltung: Die Einheitswährung sei ein fremdartiges Konzept, eine üble Idee, die im kontinentalen Europa ausgebrütet wurde, wie zuvor schon das metrische System und die bürokratischen Regeln, die Größe und Form von Bananen festlegen. Für viele Briten ist das Pfund ein Symbol nationaler Identität und Unabhängigkeit.

Stimmen auf einem Straßenmarkt: "Wir wollen doch nicht unser Pfund loswerden, oder? Warum sollten wir in Kilogramm rechnen. Wir sind hier in England, nicht in Frankreich. Die Franzosen mögen uns sowieso nicht, die Deutschen auch nicht, stimmt's?"

"Jetzt müssen unsere Gurken plötzlich gerade sein. Ich meine, schließlich haben wir den Krieg gewonnen. Wir müssen die daran hindern, diese Dinge zu machen."

"Wir sollten unser Pfund retten. Und die Todesstrafe durch Erhängen wieder einführen. Und die Jugendlichen sollten für zwei oder drei Jahre zum Militär, damit die mal ein paar Manieren lernen."

Fast drei Viertel aller Briten sind gegen die Einführung des Euro. Angesichts dieser feindseligen Haltung hat sich Premierminister Tony Blair bis lang sehr zurückgehalten, wenn es darum ging, sich öffentlich für die Gemeinschaftswährung auszusprechen. Zwar hat Blair versprochen, ein Referendum über die Mitgliedschaft in der Euro-Zone abzuhalten - allerdings nur, wenn das Finanzministerium die Beitrittsbedingungen für angemessen hält.

Nach Blairs triumphalen Wahlsieg im Sommer übt nun die Geschäftswelt Druck aus, damit sich der Premierminister aktiv für eine britischen Euro-Beitritt einsetzt. Alan Wood ist Vorstandsvorsitzender von Siemens Großbritannien: "Ich glaube wirklich, dass Tony Blair sich mit diesem Mandat hinter die Initiative zum Euro-Beitritt stellen muß. Wenn er das tut, dann wird ihn ein großer Teil der britischen Industrie, insbesondere des produzierenden Gewerbes, mit starken Argumenten unterstützen. Und das wird dann auch der breiten Bevölkerung die Botschaft vermitteln."

Britische Hersteller haben gute Gründe, für den Euro zu sein. Für sie sind Geschäfte mit den Ländern der Euro-Zone sehr teuer geworden. Die starke Abwertung der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Pfund hat die Preise für britische Exporte nach Kontinentaleuropa nach oben getrieben.

Die Sparmaßnahmen der Unternehmen und die steigende Arbeitslosigkeit führte dazu, dass jetzt auch Gewerkschafter wie Sir Ken Jackson Druck auf Tony Blair ausüben: "Für uns ist es das wichtigste Thema. Wir können nicht daran vorbei, und wir können nicht so tun, als existierte es nicht. Wir können es nicht länger hinauszögern. Die Leute sagen jetzt: 'Wir verlieren Arbeitsplätze.' Deshalb sagen wir zur Regierung: 'Hört auf, so neutral zu tun. Macht eure Position deutlich. Und laßt uns hier und jetzt eine Debatte über den Euro führen.'"

Die Debatte wird hitzig werden. Viele Briten erinnern sich nur zu gut an die Zeit, als sich das Land in das europäische Währungssystem EWS einklinkte, der Vorstufe zur Währungsunion. Damals hätte Großbritannien niedrige Zinsen gebraucht, mußte sich aber der Hochzinspolitik der übrigen Mitglieder anschließen. Das Ergebnis: die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Erst, als das britische Pfund aus dem Währungsverbund herausgenommen wurde, erholte sich die Wirtschaft wieder.

Sir Stanley Kalms, ein führender Einzelhändler auf der Insel, ist überzeugt, dass eine Euro-Mitgliedschaft vor allem Nachteile hätte. Großbritannien würde nicht nur wirtschaftlich leiden, sondern auch seine Unabhängigkeit als Nationalstaat verlieren: "Es wäre für dieses Land ein Desaster, Mitglied der Währungsunion zu werden. Wir würden sofort die Kontrolle über unsere Geldpolitik verlieren. Und wenn wir die verlieren, verlieren wir auch die Kontrolle über unsere Finanzen. Und damit verlieren wir schließlich auch die politische Kontrolle. Das Vereinigte Königreich wird dann einfach ein Anhängsel von Europa. Und ein Europa der Bundesstaaten steht nicht auf unserer Agenda."

Ein Referendum über die Euro-Mitgliedschaft wird in Großbritannien innerhalb der nächsten zwei Jahre erwartet. Es könnte zu Tony Blairs größter Bewährungsprobe als Premierminister werden. Denn sein Kabinett ist über dieses Thema ebenso gespalten wie seine Partei. Aus den Meinungsumfragen kann Blair nur ein winziges Hoffnungsfünkchen herauslesen. Denn obwohl die meisten Briten gegen einen Beitritt zur Euro-Zone sind, glaubt die große Mehrheit, dass Großbritannien früher oder später dennoch ein Euro-Mitglied wird.

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