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Medizinforschung

Das Mers-Virus: Wann kommt ein Impfstoff?

Im letzten Jahr wurde ein Mers-Impfstoff erfolgreich an Mäusen getestet. Marylyn Addo, Infektionsforscherin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf leitet die klinische Studie: "2016 beginnen die Tests am Menschen."

Deutsche Welle:

Von dem Impfstoff, an dem Sie arbeiten, werden leider die Menschen in Südkorea nicht mehr profitieren. Ist das für Sie enttäuschend?


Marylyn Addo:
Nein. Ich freue mich darüber, dass wir die Impfstoffentwicklung weiter treiben können, dass wir jetzt den Impfstoff entwickeln und hoffentlich 2016 zum ersten Mal am Menschen testen können.

Der nächste Ausbruch kommt bestimmt - damit ist doch zu rechnen?

Wenn man sich seit 2012 die Historie anschaut, dann sieht man, dass es im Mai, Juni immer die meisten Ausbrüche gab. Sicherlich ist davon auszugehen, dass wir weiterhin mit Mers zu tun haben werden.

Vor einem Jahr sind in Dschidda, in Saudi-Arabien 93 Menschen ums Leben gekommen. Hat sich das Virus seither verändert? Ist es möglicherweise gefährlicher geworden?

Es wurden gerade versucht die Virussequenzen der Ausbrüche in Südkorea und China aufzuschlüsseln. Momentan gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Virus sich verändert hat und es deswegen zu einer verstärkten Ausbreitung kommt. Das kann man bisher nicht belegen.

Die große Pandemie, wie zum Beispiel bei Ebola, müssen wir nicht befürchten. Sie waren ebenfalls bei der Entwicklung und den Tests des ersten Ebola-Impfstoffes in Deutschland beschäftigt. Wir waren damals alle überrascht, dass das so schnell ging. Was haben Sie anders gemacht als bei der sonstigen Impfstoffentwicklung?

Man muss sagen, dass die Weltgemeinschaft, und da spreche ich von der WHO, von den Wissenschaftlern, von der Industrie - alle haben Hand-in-Hand gearbeitet.

Was heißt das? Hat man bestimmte Phasen einfach weggelassen? Ist man riskanter vorgegangen?

Nein, man ist auf keinen Fall riskanter vorgegangen. Man hat alle Phasen der klinischen Prüfung genau so verfolgt, wie es auch üblich ist. Aber die verschiedenen Einheiten haben verstärkt als Team zusammengearbeitet. Es wurden viele notwendige Schritte parallel eingeleitet, viele Informationen ausgetauscht. Sonst hätte das niemals in diesem Tempo vorangetrieben werden können.

Und das wünschen Sie sich für Mers und die Impfstoffentwicklung jetzt auch?

Ganz genau.

Vor drei Jahren ist der erste Mers-Fall aufgetreten. Müssen wir damit rechnen, dass immer wieder neue Viren bei uns Menschen anschlagen? Woher kommen die eigentlich?

Im Fall von Ebola und Mers handelt es sich um Zoonosen. Zoonosen - das sind Erkrankungen und in diesem Falle Viruserkrankungen, die ihr Reservoir im Tierreich haben. Und diese Viren können vom Tier auf den Menschen überspringen. Wir kennen auch das Beispiel Schweinegrippe. Wir werden immer wieder Erkrankungen haben, die in ähnlicher Weise übertragen werden.

Könnte man sich vorbereiten, so dass man einen Basisimpfstoff entwickelt, der auch für das nächste Virus wirkt.

Das ist ein Ziel, das das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung mit der transnationalen Einheit "Emerging Effections" verfolgt. Mit den Impfstoffen, die wir auch jetzt gerade testen, gehen wir so vor: In einen Trägervirus wird ein kleines Stück von dem Erreger eingebaut. Im Fall des Ebola-Impfstoffes war es ein Stück von Ebola. Und jetzt bei dem Mers-Impfstoff war es ein Stück von Mers. Die Entwicklung einer Impfstoffplattform, die man bereit hält, um dann später ein Stück eines noch nicht bekannten Virus hinein zu bauen, das wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Da erfüllt sich ein Traum für die Tropenmediziner und die ganze Menschheit.

(Interview: Ingolf Baur)

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