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Kultur

Das makabere Geschäft

5000 Euro, so viel kostet im Durchschnitt eine Beerdigung in Deutschland - knapp das Doppelte des durchschnittlichen Monatseinkommens. Viele Familien stellt der Tod eines Angehörigen vor finanzielle Schwierigkeiten.

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Teure Angelegenheit: Beerdigungen in Deutschland

Sarg oder Urne, Erd- oder Feuerbestattung, ein Grab mit einem Stein und Pflanzen: Egal für welche Bestattungsform sich die Angehörigen entscheiden, viele von ihnen können die traditionelle Beerdigung kaum noch bezahlen. Der Berliner Bestattungsunternehmer Hartmut Woite hat das Problem der hohen Bestattungskosten erkannt. Er macht sich in einer Marktlücke breit: Seit einigen Jahren laufen seine Filialen unter dem Namen "Berolina Sarg Discount". Sein Konzept: Billige Beerdigungen. Bei den Särgen fängt das Sparen an: "Ich kaufe die Särge LKW-weise. Da kommen die LKW direkt aus der Fabrik angefahren und bringen mir 250 Särge. Das heißt, ich habe einen ganz anderen Preis und diesen Preis kann ich natürlich an meine Kunden weitergeben", erklärt Woite. So kostet der Einäscherungssarg 200 Euro. Der sei aber auch aus einfachem Holz und ohne Farbe oder Lack, sagt Woite.

Einäscherung in Tschechien

Allerdings: die Angehörigen müssen nicht nur einen Sarg kaufen und den Bestatter bezahlen, auch die Städte und Kommunen erheben Gebühren: Die Familien müssen den Platz für das Grab auf dem Friedhof ebenso bezahlen wie die Einäscherung im Krematorium, wenn der Tote verbrannt werden soll. Um die hohen Gebühren in Deutschland zu umgehen, bietet Woite seinen Kunden deswegen einen ungewöhnlichen Service. Er lässt die Leichen in Tschechien einäschern, denn dort sind die Preise wesentlich günstiger. So herrscht zwischen Berlin und Tschechien ein reger Toten-Verkehr: "Es gibt Bestattungsfahrzeuge, die haben eine Hebebühne, da kriegt man 4 Särge auf einmal rein und dadurch kann sich das rentieren. Wir fahren jede Woche dreimal, ein Auto ist ununterbrochen unterwegs, das fährt morgens los und ist abends wieder zurück", sagt Woite.

Wer will, kann die Angehörigen direkt auf dem örtlichen Friedhof in Tschechien bestatten lassen. Auf Wunsch bringt Woite Urnen auch wieder mit nach Deutschland zurück. Es besteht zwar Friedhofszwang für Leichen und Asche aber es gebe eine Lücke im Gesetz, sagt Woite: " Wenn die Asche mit Erde vermengt ist, kann ich die Urne den Angehörigen in Deutschland aushändigen.

"Leichentourismus"?

Für seine Fahrten nach Tschechien wird Woite von seinen Kollegen aus der Branche heftig kritisiert. Sein Angebot sei pietätlos; mit den Fahrten nach Tschechien betreibe er Leichentourismus. Doch der Berliner Bestatter reagiert darauf gelassen. Er will seinen Service künftig noch bekannter machen. Im April plant er eine organisierte Busfahrt nach Tschechien - damit die interessierten Berliner sehen können, wo sie selbst oder ihre Angehörigen im Todesfall eingeäschert würden.