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Kultur

Das Licht weitertragen – nicht nur im Advent

Am heutigen Tag wird Luzia gefeiert, die heilige Lichtträgerin aus dem Süden Italiens, die vor allem in Skandinavien verehrt wird, wo die Winter lang und dunkel sind, so P. Gerhard Eberts von der katholischen Kirche.

Die schwedische Dichterin Selma Lagerlöf, die als erste Frau den Nobelpreis für Literatur erhielt, hat eine Legende geschrieben mit dem Titel „Die Lichtflamme". Darin erzählt sie von einem Ritter, der im Heiligen Land nach einem siegreichen Kreuzzug geschworen hatte, die Kerze, die er an der heiligen Flamme vor dem Grab Christi entzündet hatte, unversehrt in seine Heimatstadt Florenz zu bringen.

Die Lichtflamme – eine ebenso schöne wie unwahrscheinliche Legende

Um es gleich vorwegzunehmen: Dies Vorhaben macht einen anderen Menschen aus ihm. Es verwandelt ihn von einem streitbaren Ritter in einen friedfertigen Menschen. Als er unterwegs von Räubern überfallen wird, setzte er sich nicht zur Wehr. Er verspricht ihnen, freiwillig zu geben, was sie begehren, wenn sie nur sein Licht nicht auslöschen. Sie nehmen ihm Rüstung und Ross, Waffen und Geld ab und geben ihm dafür einen elenden Klepper. Auf dem reitet er nach mancherlei bestandenen Gefahren in Florenz ein. Als die Gassenjungen ihn erblicken, halten sie ihn für einen Verrückten und versuchen alles, um sein Licht auszulöschen. Nur wie durch ein Wunder bleibt die Flamme bewahrt, so dass er schließlich damit die Kerzen auf dem Altar des Domes entzünden kann.

Das ist eine schöne, aber doch ziemlich unwahrscheinliche Legende.

Menschen des Advents – Menschen des Lichts

Aber keine Legende ist es, dass Menschen durch alle Zeiten das Licht getragen haben und als lebendige Lichtträger Zeugnis von dem Licht geben haben. Von solchen Menschen hören wir im Advent: Johannes dem Täufer, die Propheten, Maria und Josef, Zacharias und Elisabeth, die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland. Am heutigen Tag wird Luzia gefeiert, die Heilige aus dem Süden Italiens. aus Syrakus, die als Lichtträgerin vor allem im Hohen Norden, in Skandinavien verehrt wird, wo die Winter besonders lang und dunkel sind.

Lichtträgerinnen und Lichtträger sind überall gefragt, nicht nur dort, wo die Jahreszeit dunkel ist, sondern überall, wo Menschen im Schatten leben und die Dunkelheit der Seele zusetzt. Jetzt im Advent geben sich die Lichtträger zu erkennen. In unserer Studentengemeinde in Augsburg steht jedes Jahr ein riesiger Weihnachtsbaum, der mit vielen, vielen kleinen Kärtchen und Briefchen bestückt ist, auf denen kleine Wünsche – nicht mehr als fünf Euro - aufgeschrieben sind. Kurz vor Weihnachten ist der Baum leer. Studentinnen und Studenten und viele ihrer Lehrer und Freunde haben die Wunschzettel eingelöst. Unter dem Baum stehen jetzt Körbe mit kleinen Geschenken, die an Kinder, Familien, Obdachlose und gerne auch an Studenten aus dem Ausland verteilt werden. Wir wundern uns immer, was man für fünf Euro schenken kann.

Wer sich vom Licht aus der Höhe anstecken lassen lässt, entwickelt Phantasie und Kreativität. Gut ist es, viele kleine Lichter zusammenzuführen, weil das Licht erst in der in Familie, im Freundeskreis, in der Gemeinschaft in seiner ganzen Fülle strahlt und wärmt. Viele Christen erfahren diese Gemeinschaft des Lichtes in den adventlichen Gottesdiensten und Begegnungen in ihren Gemeinden.

Von dem Ritter in der Legende der Selma Lagerlöf können wir im Umgang mit dem Licht darüber hinaus lernen, das Licht zu schützen. Licht ist zart und verletzlich wie Kinderseelen. Jede Form von Gewalt schadet dem Licht. Darum legt der Ritter seine Rüstung ab und es vollzieht sich in ihm eine Wandlung, eine Verwandlung. Der Ritter in der Legende der Selma Lagerlöff schützt am Ende das Licht mit seinem eigenen Körper, er nimmt es auf sich, sich lächerlich zu machen, indem er sich verkehrt auf sein Pferd setzt. Als er von einem, der auch ein Licht trägt, gefragt wird, was er tun müsse, damit sein Licht nicht verlösche, antwortet der Ritter: „Diese kleine Flamme verlangt, dass Ihr aufhört, an etwas anderes zu denken. Ihr dürft Euch keinen Augenblick sicher fühlen. Aus wie vielen Gefahren Ihr auch die Flamme gerettet haben mögt, Ihr müsst darauf gefasst sein, dass sie Euch im nächsten Augenblick entrissen werde.“

Trotzdem gilt: Lasst euch nicht durch die Dunkelheit entmutigen! Schaut auf das Licht! Denn: „Es ist besser ein kleines Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.“

Pater Gerhard Eberts MSF altes Format

Pater Gerhard Eberts MSF

Zum Autor:

P. Gerhard Eberts, geboren im Sauerland, ist Missionar von der Heiligen Familie (MSF). Nach Priesterweihe und Journalistenausbildung war er von 1968 bis 2011 Chefredakteur der Ordenszeitschrift „Sendbote“. Gleichzeitig war er bis 1984 Redakteur der Monatszeitschrift Weltbild. Zwischen 1991 und 2000 war er Studienleiter und Dozent beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchs (ifp) in München. Von 2002 bis 2010 war er verantwortlich für die Pressearbeit der Katholischen Akademie in Bayern, München. Heute arbeitet er als Hochschulseelsorger in der Katholischen Hochschulgemeinde Augsburg (KHG), und gibt Exerzitien.

Redaktionelle Verantwortung: Dr. Silvia Becker, Katholische Hörfunkbeauftragte

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