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Kultur

Das letzte Geheimnis lösen

Das Schweizer Kernforschungszentrum Cern plant für 2007 das aufwendigste Experiment der Geschichte: Die Forscher wollen den Urknall nachahmen. Dafür muss eine neue virtuelle Computertechnologie entwickelt werden.

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Ein Tunnel zur Beschleunigung von Teilchen

Die Forscher im Cern (Centre Européen de Recherche Nucléaire) in der Nähe von Genf sind wieder auf Rekordjagd: Im Jahr 2007 wollen sie mit Hilfe des schnellsten Teilchenbeschleunigers der Welt, dem Large Hadron Collider (LHC), den Urknall simulieren. Die Dimensionen sind gewaltig: In 100 Metern Tiefe, in einem kreisförmig angelegten, 27 Kilometer langen Tunnel sollen Protonen mit Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen. Die Wissenschaftler wollen damit herausfinden, warum Elementarteilchen eine bestimmte Masse haben und wie sie zu ihrer Masse kommen.

Fieberhafte Suche nach dem Higgs-Teilchen

Bereits in den 1960er Jahren hatten Forscher herausgefunden, dass es wesentlich kleinere Teilchen als Atome gibt. Sie

Physiker Peter Higgs

konnten nachweisen, wie sich diese Teilchen durch elektrische Kräfte aneinander binden. Dennoch war es bis heute unmöglich zu erklären, warum sie auch eine Masse besitzen. Der schottische Physiker Peter Higgs stellte daher die These auf, dass der Raum zwischen den Partikeln angefüllt sein muss.

Weltweit hat seit Jahren eine regelrechte Jagd auf das sogenannte Higgs-Teilchen begonnen. Nicht nur im Schweizer Cern, sondern auch bei Fermilab im amerikanischen Illinois. Die Forscher dort wollen spätestens 2009 den Beweis für die Existenz des Higgs-Teilchen gefunden haben. Sollte dies nicht gelingen, würden Spekulationen über parallele Universen oder Dimensionen neuen Nährboden finden.

Riesige Computerleistung nötig

Um die riesigen Datenmengen während des ein Jahr dauernden Experimentes zu speichern, arbeiten die Forscher im Cern an einer neuen virtuellen Computertechnologie. Sie trägt den Namen "The Grid" (Gitter, Netz). Dieses System

The Matrix

muss mindestens zehn Petabyte, das sind zehn Billiarden Byte, speichern und analysieren können. "Das ist wieder die Zeit für Rekorde" gibt Cern-IT-Chef Wolfgang von Rüden die Parole aus. Nach dem Experiment sollen in einem globalen Grid Computer- und Datenquellen für Wissenschaftler vernetzt werden. Von dieser Technik profitieren irgendwann Computer-Fans weltweit, da ihnen unerschöpliche Speicher- und Prozessorkapazitäten zur Verfügung stehen könnten. Für den Zugang zu diesem Netzwerk wäre noch nicht einmal mehr ein herkömmlicher Heimcomputer notwendig.

"Abfallprodukt" World Wide Web

Schon oft konnte das 1954 von mehreren europäischen Staaten gegründete Cern mit Innovationen verblüffen. 1991 präsentierte der Wissenschaftler Tim Berners-Lee zum ersten Mal hier eine neue Technologie, mit der Texte und Bilder weltweit unter vernetzten Computern abrufbar, versendbar und wiedergabefähig waren. Dies war die Geburtsstunde des World Wide Web, seit 1993 ist es weltweit zugänglich.

Internetcafé in Moskau

Es hatte zwar zuvor bereits Vorläufer dieser Technologie gegeben, diese waren aber nur dem Militär und Wissenschaftlern vorbehalten. "Die Idee, das World Wide Web herauszubringen, war, als ob man ein Streichholz in eine Scheune wirft, die voll Stroh ist", sagt Berners-Lee rückblickend. "Das Web hat sich ausgebreitet, weil viele Individuen kräftig mit geholfen haben, dass es angenommen wird."Die Forscher am Cern hoffen, dass "The Grid" eine ähnliche Initialzündung auslösen kann.

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