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Deutschland

Das letzte Damenbad Deutschlands

Früher mussten Schwimmerinnen in Deutschland in ein Damenbad gehen - heute kommen sie freiwillig. Das Freiburger Damenbad gilt ihnen als Ort der Ungezwungenheit.

Becken mit Baum und Umkleidekabinen im Freibad Freiburg (Foto: DW)

Hier schwammen die Damen schon 1886

Was in muslimischen Ländern heute noch selbstverständlich ist, die Trennung von Bädern nach Geschlechtern, das ist in Deutschland Vergangenheit. Öffentliche Schwimmbäder sind Familienbäder - mit einer Ausnahme. In Freiburg ist das letzte Damenbad des Landes als Relikt aus einer anderen Zeit übrig geblieben.

Mitte des 19. Jahrhunderts öffnete das erste Freibad in Freiburg seine Pforten - allerdings nur für Männer, Frauen blieb der Zugang verwehrt. Erst 1886 wurde das Damenbad als Erweiterung des Herrenbads gegründet, auf allen Seiten von Mauern umgrenzt. Mit dem Schwinden der Tabus und der fortschreitenden Frauen-Emanzipation verschwand die strikte Trennung von Damen- und Herrenbädern. 1940 wurde aus dem Freiburger Herrenbad ein Familienbad. Das Damenbad aber blieb.

Stammgast Erika im Wasser (Foto: DW)

"Keiner guckt oder kritisiert was"

Heute ist es kein Ort der Ausgrenzung mehr, sondern eine Oase der Ruhe: Hier können Frauen - gleich welchen Alters oder welcher Nationalität - ganz unter sich sein. Eine Stammbesucherin ist die 65-jährige Erika. Sie schwärmt davon, dass sie sich in der "männerfreien Zone ungeniert bewegen kann".

Tabus und Zwänge waren gestern

Eine andere 81-jährige Schwimmerin findet es "einfach entspannter, man muss sich nicht unter dem Handtuch verkriechen, wenn man sich aus- oder umzieht". Sie geht gerne und ganz selbstverständlich oben ohne schwimmen. Lange war dies ein Tabu, die Frauen durften sich höchstens auf dem Bauch liegend ohne ein Oberteil sonnen.

Neben der Bedeckung der Brüste war auch das Tragen von Badehauben früher ein Muss. Der Zwang zur Bademütze wurde inzwischen abgeschafft, stattdessen setzt man auf freiwillige Sorge um Hygiene. Vor allem Damen mit Langhaarfrisur nehmen eine Kappe oder binden die Haare zusammen.

Soziale Kontakte

Stammgast Erika und die Badeaufsicht Ulrike Jakobsmeier (Foto: DW)

Immer Zeit für einen Plausch: Stammgast Erika und die Badeaufsicht Ulrike Jakobsmeier

Die Damen pflegen untereinander einen regen Austausch, betont Erika. "Frauen teilen sich mehr mit als Männer. Und hier im Damenbad ist der Kontakt untereinander schneller." Man grüßt sich, spricht miteinander und wenn mal eine der Stammbesucherinnen fehlt, fällt das auf.

Der Eindruck entsteht, alles war schon immer so und wird immer so bleiben. Auch die Umgebung trägt dazu bei. Der gepflegte Rasen, der alte Nussbaum und die Jugendstilkabinen mit den leuchtenden Geranien sorgen für eine beinahe zeitlose Atmosphäre. Und doch hat sich über die Jahre hinweg einiges verändert. Viele jüngere Frauen mit kleinen Kindern finden ihren Weg in das Bad, auch Schwangere, Studentinnen - und nicht zuletzt muslimische Frauen. Das findet Erika "sehr angenehm". Sie hat ganz neue Bekanntschaften geschlossen und macht neue Erfahrungen. "Bei einer bin ich sogar so eine Art Ersatz-Omi, das ist auch ganz nett."

Autorin: Mira Fischer
Redaktion: Jochen Vock / Kay-Alexander Scholz