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Afrika

Das Leben eines Kindersoldaten im Kongo

Weltweit kämpfen etwa 250 000 Kinder in Armeen und Rebellengruppen – 3500 davon im Kongo. Der ehemalige Kindersoldat Nestor Songolo hat den Absprung geschafft.

Portrait von Nestor Songolo(Foto: GTZ)

Kinder die Waffen tragen: auch heute noch Alltag im Kongo.

13 Jahre war er alt als die Truppen der Mai Mai ihn holten. Nestor Songolo und seine Freunde kamen gerade aus der Schule, als sie die Schüsse der Kämpfer hörten. Sie versuchten sich zu verstecken, doch die Milizen fanden sie. Mit Gewalt verschleppten sie die Kinder in den Wald. Zwei Jahre ang konnte er nicht in seine Heimatstadt zurückkehren. Seine Mutter sah er nie wieder.

Töten, um töten zu können

Kinder-Soldaten patrouillieren durch die Straßen von Bunia in Kongo (Foto: dpa)

Hat den Absprung geschafft - Nestor Songolo

Mit einem Schlag hatte sich Nestors Leben verändert. "Es gab keine Häuser, gar nichts", erinnert er sich. "Wir schliefen unter Bäumen und wurden nass als es regnete. Ich dachte immer nur: 'Ich muss hier abhauen'." Die Mai Mai misstrauten ihm und sperrten ihn manchmal sogar ein, damit er nicht flüchtete. Sie gaben ihm deshalb auch kein Gewehr, doch ohne fühlte sich Nestor nicht sicher. Es gab für Nestor nur eine Möglichkeit an eine Schusswaffe zu kommen: Er musste einen Feind umbringen und ihm die Waffe abnehmen.

Nestor wurde anfangs mit Gewalt zum Kämpfen und Töten gezwungen. Später war das nicht mehr nötig. Denn nach einiger Zeit erfuhr er, dass man seine Mutter erschossen hatte. "Jetzt wollte ich im Wald bleiben, um mich an denen zu rächen, die meine Mutter umgebracht hatten", sagt der 22-jährige Kongolese.

Die schwere Last der Vergangenheit

Kinder spielen mit ausrangiertem Kriegsgerät. (Foto: GTZ)

Früher Waffe, heute Spielplatz: Kinder mit ausrangiertem Kriegsgerät.

Töten, um sich für die Toten der eigenen Familie zu rächen. Töten, um nicht selbst getötet zu werden - In der blutigsten Phase des Kongokrieges war das der Alltag für rund 30 000 Kindersoldaten. Seit 1998 starben über fünf Millionen Menschen an den Folgen des Krieges. Auch nach dem Abschluss der Friedensverhandlungen 2002 kehrte immer noch kein wirklicher Friede im Land ein. Zu schmerzvoll waren die Erinnerungen an die Gräueltaten und eine Versöhnung zwischen Opfern und Tätern schien unmöglich.

Viele ehemalige Soldaten wussten nicht, wohin sie gehen sollten, denn in ihren Heimatstädten waren sie nicht mehr willkommen. Auch Nestor war plötzlich heimatlos. Bei den Mai Mai wurde er nicht mehr gebraucht, und seine Familie war tot. Auch in seiner Stadt fühlte er sich nicht mehr wohl: "Die Menschen wussten, dass es unsere Aufgabe war Leute zu töten", sagt Nestor. Auf der Straße zeigten sie mit dem Finger auf ihn und sagten: "Der Junge da, der war Mai Mai." Er verkroch sich zu Hause und zog sich immer mehr zurück.

Zurück zur Normalität

Ehemalige Kindersoldaten lernen wie Schiffe gebaut werden.(Foto: GTZ)

Auf zu neuen Ufern: Ausbildung ehemaliger Kindersoldaten im Schiffsbau.

Der Weg in ein normales Leben öffnete sich für Nestor erst, als er von einem Projekt der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) hörte. Im Auftrag des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung betreibt die GTZ in der Provinz Maniema ein Projekt zur Reintegration ehemaliger Kindersoldaten. Hier werden Kinder und Jugendliche dabei unterstützt, die Schule nachzuholen und einen Beruf zu erlernen. Nestor ließ sich zum Computerfachmann ausbilden.

Inzwischen hilft der 22-Jährige selbst ehemaligen Kindersoldaten, wieder ein normales Leben zu führen. Doch was noch viel wichtiger ist: Nestor hat gelernt Konflikte gewaltfrei zu lösen. "Die Armee ist keine Lösung mehr für unser Leben. Wir sind keine Kriminellen mehr", sagt Nestor über sich und seine Freunde. Einer seiner Freunde ist heute Tischler, ein anderer hilft, Häuser zu bauen. Für sie hat sich das Leben verändert. Doch auch heute kämpfen immer noch etwa 3500 Kinder als Soldaten im Kongo.

Autor: Philipp von Bremen

Redaktion: Michaela Paul

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