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Kultur

Das lachende Auto feiert Geburtstag

Der VW Bulli feiert seinen 60. Geburtstag. Die Idee zum Bau hatte der niederländische Importeur Ben Pon. Seitdem wurden weit über zehn Millionen VW-Transporter gebaut. Doch der Bulli ist mehr als ein Auto.

Besucher auf dem Bulli-Treffen in Hannover, Foto: dpa

Lacht er?

Für echte Fans ist der Bulli nicht nur irgendein Transportmittel, sondern vollwertiges Familienmitglied mit eigenem Charakter: Modell T2 aus dem Jahr 1977 ist "taiga-grün", erreicht in Spitzenzeiten 120 Stundenkilometer und begleitet die Familie Daun aus Bonn seit der Hochzeit: Damals schenkte Michael den Bulli seiner Frau Sabina. Sie wusste nichts von dem Bus, bis sie das Standesamt verließ: "Und dann hielt man mir den Fahrzeugschein vor die Nase", erinnert sie sich und ihr Mann fügt hinzu: "Und dann habe ich ihr gesagt, dass wir den Bulli nicht nur für einen Tag leihen, sondern dass wir damit in die Flitterwochen fahren, und dass er uns gehört."

T2 von Familie Daun aus Bonn, Foto: DW/Michael Daun

Das taiga-grüne Familienmitglied der Dauns

Die Wurzeln des "Mythos" rund um den einst kulleräugigen Kleintransporter reichen zurück bis in die 1960er Jahre: Auf den "Hippie-Trails" über Istanbul, Teheran und Kabul nach Goa in Indien begegneten sich damals viele Bullis auf staubigen Pisten. Die weltreisende Jugend stand auf den Bus: Das Kleinmobil brauchte wenig Sprit, war robust und bot genug Platz zum Übernachten. Auch in den USA zogen viele Freaks in mit Peace-Zeichen, Blumen und psychedelischen Mustern bemalten VW-Bussen in die Landkommunen Kaliforniens oder nach San Francisco.


Bullis holländischer Vater

Die Bulli-Story fing 1947 an, als der niederländische Autoimporteur Ben Pon umgebaute Käfer-Chassis auf dem VW-Werksgelände in Wolfsburg sah, mit denen Volkswagen-Mitarbeiter Lasten transportierten. Sofort entwickelte Pon die Mobile mit einer Zeichnung weiter, auf der sich bereits erste wichtige Kennzeichen des Bullis erkennen ließen: Frontlenker, Heckmotor, dazwischen eine glatte Ladefläche. Es war die Geburtsstunde eines Autos, das bis heute mehr als 8 Millionen Mal vom Band gelaufen ist.


"Man fühlt sich im Wortsinn erhaben", erklärt Bullibesitzer Daniel Kriele. "Weil man eine etwas höhere Sitzposition hat, und mehr sieht als alle anderen. Dadurch, dass man auf der Vorderachse sitzt fühlt sich das auch anders an, einfach gut".

Bulli-Treffen in Hannover, Foto: AP

Mehr als ein Auto: Der Bulli

Die Serienproduktion startete am 8. März 1950: 25 Pferdestärken, 100 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit, 5.850 Mark. Die Technik wurde weitgehend vom VW Käfer übernommen. Auch die runde Form der ersten beiden Generationen - genannt T1 und T2 - erinnerte an einen übergroßen Käfer und ein Spitzname war schnell gefunden: Bulli, kurz für Bus und Lieferwagen. Für Sabrina und Michael Daun sieht der Bulli wie ein "lachendes Auto" aus.

Wickeltischqualitäten


Und der Bulli hat noch andere Qualitäten, erklärt Michael Daun: "Der Bulli ist nämlich das perfekte Kinderbett für unseren Sohn Moritz", sagt er. Die beiden haben eine Matratze auf den Motor gepackt, zusammen mit der Rückbank, ergebe das eine perfekte Wickelkommode auf Arbeitshöhe, schwärmt Michael: "Als wäre es dafür gemacht". Das Elternschlafzimmer ist im Dach des Bullis zusammengefaltet: 1,20 mal 2 Meter Schlaffläche entstehen, wenn man das Dach hochklappt, und damit aus der Decke ein Zelt wird.

Zwei junge Männer sitzen beim Internationalen VW-Bus-Treffen in Hannover, Foto: dpa

Schon die weltreisende Jugend der 1960er Jahre stand auf den Bus

1990 begann die Produktion der vierten Generation des VW-Transporters. Der Motor wurde nach vorne verlegt. Statt der platten Schnauze hat der T4 eine schräge Front mit Motorhaube. Seit 2003 läuft die Generation T5, offiziell "Multivan" benannt. Geblieben ist seit dem ersten Modell die Schiebetür an der Seite. Aber die heutigen Modelle sind mehr als doppelt so schwer. Mit gut acht Litern Benzin auf 100 Kilometern verbrauchen sie kaum weniger als die ersten Modelle, die nach Angaben von VW rund neun Liter schlucken.

Vom lachenden Autochen zum "Mulivan"

Aber die Ausstattung wird immer besser: Ein Bordcomputer zeigt heute technische Daten vom Benzinverbrauch bis zur Öltemperatur. Ein Navigationsgerät lotst den Fahrer. Und für die Fahrgäste gibt es auf Wunsch einen 15-Zoll Monitor der aus dem Dach ausgeklappt wird und an einen Laptop angeschlossen werden kann. Der T2 von Daniel Kriele aus dem Jahr 1979 hat lediglich einen Bremskraftverstärker. Ein bisschen "schmerzfrei" müsse man schon sein, um damit zu fahren, gibt Kriele zu und vor eine Wand oder in ein Stauende rasen möchte er mit seinem alten Bulli auch nicht, "das wär glaube ich das Ende", sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: "Aber naja, dann stirbt man halt im Bulli."

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