1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Das Kraut-Magazin und die Kultur-Konvergenz

In der Kultur des 21. Jahrhunderts wachsen ursprünglich getrennte Kulturformen zusammen: Mode und Fotografie, Kunst und Kommerz, Theater und Videokunst. Das NRW-Forum steht für diese Konvergenz – das Kraut-Magazin auch.

Lester Persky, Andy Warhol und Truman Capote in einer Fotografie von Ron Galella (Foto: NRW Forum)

Persky,Warhol und Capote

Es ist ein Phänomen der Postmoderne, das sich in sämtlichen Kulturbereichen zeigt: Ursprünglich getrennte Kulturformen vermischen sich und wachsen zu etwas Neuem zusammen. Ein Modemacher plant nicht einfach nur eine Modeschau – er wirft auch Videos an die Wand, die den Style seiner Kollektion widerspiegeln. Der Fachbegriff für diese Vermischung der Disziplinen heißt Konvergenz.

Ist Modefotografie museal?

Modefoto mit Model-Legende Twiggy (Foto: NRW Forum)

Legende: Twiggy

Das Düsseldorfer NRW-Forum für Kultur und Wissenschaft zeigt Konvergenz-Kultur seit seiner ersten Stunde im Jahr 1998. Nur damals kannte keiner den Begriff Konvergenz. Das Ausstellungs- und Veranstaltungshaus legt den Fokus bewusst auf die Schnittmenge zwischen zwei Kunstformen. Eine der ersten Ausstellungen war Peter Lindberghs Modefotografie. "Damals war das noch gar nicht so normal. Alle fragten: Ist das denn überhaupt museal? Darf man das in einem Museum oder Ausstellungshaus überhaupt zeigen?", erinnert sich Werner Lippert, der Leiter des NRW-Forums.

Pionierarbeit

Heute ist der Begriff der Konvergenz bekannt und quasi die geschätzte Kernkompetenz des NRW-Forums. Der Celebrity-Fotograf Mario Testino sagte nach seiner Ausstellung im Haus, dass im Moment alle Disziplinen verschmelzen und dass das NRW-Forum einer der Pioniere auf diesem Gebiet sei. Gezeigt werden stets junge Themen der Alltagskultur, allen voran Mode und Werbung. Auch Neue Medien bilden einen Schwerpunkt, natürlich wird getwittert und gebloggt, Facebook-Fans kommen auch nicht zu kurz. Und das zieht vornehmlich ein junges Publikum an.

Das Kraut-Magazin

Magazin-Cover (Foto: NRW Forum)

Koole Konvergenz

Jung ist auch das neue Magazin, das vom NRW-Forum heraus gegeben wird: das Kraut-Magazin für angewandte Kultur. Warum eigentlich Kraut? Die jungen Texter und Mitarbeiter des Magazins entschieden sich mit Bedacht für den Namen des kalorienarmen Gemüses. "Kraut ist ein internationales Wort, eine ironisch verwendete Bezeichnung für Deutsche, gleichzeitig etwas sehr typisch Deutsches" sagt Sina Michaelskaja zur Namenswahl des Magazins. Kraut erscheint ausstellungsbegleitend und wird von Studenten gemacht.

Kraut erscheint in einer Auflage von 1500 Stück, mittlerweile zählt das Magazin 2600 Fans im Sozialen Netzwerk Facebook. Ziel des Magazins ist es, die aktuellen Ausstellungsthemen in Beziehung zum Hier und Jetzt zu setzen, Entwicklungen zu zeigen.

Zeitgeist und Glamour

Die aktuelle Kraut-Ausgabe titelt entsprechend der aktuellen Ausstellung im NRW-Forum "Zeitgeist und Glamour". Sie kommt im schicken silbernen Hartkarton daher und zeigt Lester Persky, Andy Warhol und Truman Capote in einer Fotografie von Ron Galella. Das kommt nicht von ungefähr, die aktuelle Ausstellung dokumentiert den Glamour und Jetset der Sechziger und Siebziger Jahre. Werner Lippert: "Zum ersten Mal sehen sie hier Fotos gleichzeitig von Papparazzi und von super bekannten tollen Kunst-Fotografen wie Avedon und anderen." Der Ausstellungsmacher nennt diesen Wandel "Gleichzeitigkeit von High und Low" und meint damit die Zeit, in der die Magazin-Kultur und Yellow Press entstehen. "Und eigentlich ist es das erste Jahrzehnt, in dem sich die Menschen über die Medien definiert haben."

Technicall intimate (Foto: NRW Forum)

Glamour heute ist "Technically intimate"

Das Kraut-Magazin dreht das Thema der Ausstellung weiter. "Kraut erklärt, was Glamour heute ist, wie Glamour morgen aussehen könnte und wie er sich gewandelt hat", sagt Sina Michaelskaja. So interviewte Kraut zwei bedeutende Fotografen der Glamour-Epoche: Anton Perich, der in den Siebzigern viel Zeit im legendären New Yorker Chelsea Hotel verbrachte. Und Christopher Markus, Autor des Buchs "White Trash" und Begleiter von Andy Warhol. Der aufstrebende Fotograf Evan Baden dagegen zeigt in einer fotografischen Gast-Kolumne in Kraut, was Glamour heute ist: In seinen Augen "Technically intimate". Das NRW-Forum hat mit der Herausgabe des Kraut-Magazins Mut bewiesen, Werner Lippert lobt die Arbeit der Studenten: "Es kommt wahnsinnig gut an - also ich würde sagen, das ist ein großer Erfolg."

Autorin: Franziska Schmidt

Redaktion: Conny Paul