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Kultur

Das klickbare Wohlfühlzuhause

Die Ausstellung "Future Fantasies" im House of Tomorrow in Melbourne zeigt, wie "Kuschelkissen" der Zukunft aussehen könnten.

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Future-TV nach Shane Cooper

18.00 Uhr, endlich Feierabend und zu Hause. Sie setzen sich auf ihr Sofa und schalten den Fernseher an. Ein alltägliches Szenario, doch auf dem Bildschirm begrüßt Sie ein virtueller Nachrichtensprecher. Er liest Meldungen vor, die er aus dem Internet zusammengestellt hat. Sie schalten um, doch wieder bekommen sie nur gefilterte Informationen zu sehen. Keiner der beiden Nachrichtenkanäle Truth 1 (Wahrheit) und Truth 2 präsentiert das tatsächliche Weltgeschehen.

Kunst als ironischer Kommentar

"Remote Control"- so heißt diese interaktive Netzwerk-Installation des 31-jährigen Amerikaners Shane Cooper. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. "Die Arbeit ist vor allem ein kritischer Kommentar zur Frage, was Information und ihre Inszenierung im Zeitalter des Internet und damit der Medienkonvergenz bedeutet", sagt Petra Kaiser vom Institut für Bildmedien am ZKM.

Doch nicht nur der Fernseher, sondern auch ihre Couch kann ein Eigenleben führen. Dann nämlich, wenn es "Zizi - Die anhängliche Couch" ist. Bei einem sanften Streicheln vibriert sie und schnurrt wie eine Katze. Zizi wurde entworfen vom australischen Designertrio Stephen Barrass, Linda Davy und Kerry Richens und steigert das Wohlbefinden. Das Zuhause wird mit diesem Möbelstück wieder zur Heimat, sinnlich und sinnstiftend. Gleichzeitig zeigt Zizi aber auch, wie isoliert sich viele Menschen in Single-Haushalten fühlen.

Das Zuhause der Zukunft

Weltweit überrascht uns eine junge kreative Designer-Avantgarde mit ihren Ideen zum Wohnen in der Zukunft. Wohlfühlen ist nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden, sondern das Gesamtkonzept ist entscheidend. Denn die Menschen werden schon bald kürzer an einem Standort verweilen, eher wie Nomaden von Ort zu Ort ziehen. Viele Designer experimentieren daher mit recyclebaren Materialien, wie Pappe und Plastik, um die in der postindustriellen Wissens- und Informationsgesellschaft geforderte Mobilität garantieren zu können.

Gleichzeitig muss die intelligente Umgebung im smarten Haus der Zukunft immer mehr Aufgaben übernehmen. Zu diesen Visionen gehören photosensitive Fenster, die sich je nach Lichteinfall verdunkeln, Tapeten, die 3-D-Landschaften je nach Stimmung an die Wand zaubern oder die sich auf Zuruf füllende Badewanne.

Selbst auf den Luxus eines Haustieres müssen die Menschen nicht verzichten. Denn auch hier gibt es eine virtuelle Variante, z.B. "Bow Wow" von der kanadischen Künstlerin Elizabeth Vander Zaag. Nur wenn sein Herrchen nett und sanft mit dieser ganz speziellen Art Hund redet, hört er auf zu knurren und die Zähne zu fletschen. Was der Nutzen eines solch bösartigen Haustieres sein soll, lässt sich aber - auf den ersten Blick zumindest - nicht entdecken.

Der "Fliegende Teppich" ist für Tanz-Freaks interessant. Wann immer sie ihren Cha-Cha im Wohnzimmer vollführen, flirren auf dem Boden grelle, geometrische Muster hin und her - genau dort, wo die Füße den Boden berühren. Die Engländerin Petra Trefzger designte dieses Modell, mit dem man sich die Kosten für einen Diskobesuch sparen kann. "Ich denke, dass all diese Arbeiten als eine Art Kaleidoskop von Kommentaren und Ausblicken auf eine bereits existente oder zukünftige Lebensumwelt angesehen werden können, die diese aus unterschiedlichen Perspektiven widerspiegeln und reflektieren", sagt Petra Kaiser.

Lösungen für jedermann

Wann all diese neuen Technologien auch im Wohnzimmer von Otto-Normal-Verbrauchern und nicht nur von "durchgeknallten" Technikfreaks zu finden sind, ist schwer zu sagen. Petra Kaiser vom ZKM erinnert aber daran, dass viele neue Technologien, wie beim Internet oder im Video und DVD-Bereich, in der Vergangenheit schneller als gedacht ins alltägliche Leben integriert werden konnten. "Ich glaube, dass relativ schnell standardisierte und erschwingliche Lösungen verfügbar sein werden."

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